Zwischen Rafah und Gaza-Stadt

16. Jänner 2009, 17:00
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Matt Rees' zweiter Krimi "Ein Grab in Gaza: Omar Jussufs zweiter Fall "

In den untersten Kreis der Hölle führt Matt Rees' zweiter Krimi, in dem der Geschichtslehrer Omar Jussuf aus Bethlehem wieder eine Hauptrolle spielt: er soll in Gaza UN-Schulen inspizieren, doch kaum ist Omar Jussuf angekommen, werden er und seine zwei Begleiter - ein Schwede und ein Engländer - in einen Entführungsfall verwickelt. Einem der UN-Lehrer, der sich an der palästinensischen Universität allzu kritisch geäußert hat, wird Spionage für den CIA vorgeworfen. Mit diesem Totschlagargument lässt sich in Gaza alles rechtfertigen.

Folter, Erpressung, und Mord sind alltäglich, die verschiedenen politischen Gruppierungen bekämpfen einander mit allen Mitteln, sämtliche Machthaber sind korrupt und skrupellos. Nationalpolizei, Mitglieder des Revolutionsrates, diverse Milizen, dazu noch Familienoberhäupter, für die die Blutrache als einzig wichtiges Gesetz gilt ...

Es ist ein Albtraum, in dem sich Jussuf bald allein zurechtfinden muss. Die Begleiter kommen ihm abhanden, Wallender, sein schwedischer Chef, wird entführt und mit dem Tod bedroht; Omar versucht, eine von allen Gruppierungen heißbegehrte, über Ägypten geschmuggelte Rakete aufzutreiben, um diese gegen Wallender auszutauschen und gleichzeitig die Waffe unschädlich zu machen.

Der Autor lebt in Jerusalem und war lange Bürochef der Time, man darf also davon ausgehen, dass sein hochaktueller Roman ein einigermaßen realistisches Szenario zwischen Rafah und Gaza-Stadt wiedergibt, und das ist eine schwer erträgliche Innenansicht. (Ingeborg Sperl / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.1.2009)

  • Matt B. Rees, "Ein Grab in Gaza" . Deutsch: Klaus Modick. € 19,50 / 445 Seiten. Beck, München 2008
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    Matt B. Rees, "Ein Grab in Gaza" . Deutsch: Klaus Modick. € 19,50 / 445 Seiten. Beck, München 2008

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