Szenen einer überbordenden Komödie

16. Jänner 2009, 17:00
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Der zweite Teil von Markus Vallazzas "Das Radierwerk" wird kommenden Mittwoch in der Alten Schmiede vorgestellt

Es gibt zumindest zwei große Stränge in den Arbeiten von Markus Vallazza: die Abbildungen des Wahrgenommenen, für wahr Genommenen; und die Schaffung neuer, über-wirklicher Welten. Dieser Anspruch, diese Aufteilung eines Werkes lässt sich auch für andere Radierer formulieren. Doch wie Vallazza über die Jahrzehnte hinweg seine Sicht der (Nicht-)Dinge zeichnerisch und im Wortsinn gravierend zu Papier gebracht hat, wie er die beiden Stränge einander durchdringen und zu Neuem wachsen lässt, das macht ihn zu einer Ausnahmeerscheinung in der heutigen Kunstwelt.

Einen scharfen Beobachter der Realität nennt ihn Peter Weiermair in seinem Vorwort zu Das Radierwerk. Band II, 1979-2006 und einen Erfinder von Figuren in fantastischen Bilderzählungen, und er stellt bei ihm die unterschiedlichsten Erzählformen fest. Tatsächlich, beim Betrachten des exzellent reproduzierten Querschnitts von mehr als einem Vierteljahrhundert Radier-Arbeiten findet der Betrachter zu keinem Ende, keiner "Botschaft" - sollte er denn eine erwartet haben. Stattdessen: Studien der Landschaft des 1936 in St. Ulrich/Südtirol geborenen Künstlers; Details von Olivenbäumen, Betrachtungen zu Nietzsche - Karikaturen fast und ein gar nicht komischer Strip; eine Darstellung seines Parnass, in dem vor allem Literaten und Musiker, aber auch seine Eltern Platz genommen haben; Assoziationen zu Kraus' Letzten Tagen der Menschheit und vor allem zu Dante - die überbordenden, mit vielen Ebenen spielenden, wüsten und doch disziplinierten Illustrationen der Göttlichen Komödie nehmen einen Gutteil des Bandes ein.

Dass Vallazza immer wieder - etwa in zahlreichen Studien eines Apfelbaums im Garten eines befreundeten Psychiaters - sein Inneres auf die Kaltnadel zuspitzt, das wird umso deutlicher, je länger und genauer man sich in die Bilder versenkt. Nur so wird man auch der gewaltigen Anstrengung dieses Werks gerecht. (Michael Freund / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.1.2009)

  • Markus Vallazza, "Das Radierwerk. Band II, 1979–2006" . € 47,– / 395 Seiten. Folio Verlag, Wien/Bozen 2008. Zusammen mit Band I ist das Radierwerk auch im Schuber um € 82,– erhältlich. Das Buch wird am Mittwoch, den 21. Jänner, um 19 Uhr in der Alten Schmiede, 1010 Wien unter Anwesenheit des Künstlers vorgestellt.

    Markus Vallazza, "Das Radierwerk. Band II, 1979–2006" . € 47,– / 395 Seiten. Folio Verlag, Wien/Bozen 2008. Zusammen mit Band I ist das Radierwerk auch im Schuber um € 82,– erhältlich.

    Das Buch wird am Mittwoch, den 21. Jänner, um 19 Uhr in der Alten Schmiede, 1010 Wien unter Anwesenheit des Künstlers vorgestellt.

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