Herbe Verluste zum Auftakt der Berichtssaison

16. Jänner 2009, 15:36
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Ronald-Peter Stöferle

Die US-Börsen beenden die erste Woche der Berichtssaison mit herben Verlusten. Der S&P bricht 7% ein, der Dow Jones 6%. Nicht enden wollende Hiobsbotschaften aus dem Finanzsektor, enttäuschende Arbeitsmarktdaten und ein ernüchternder Auftakt zur Berichtssaison waren dafür verantwortlich. Am Donnerstag konnte der Dow Jones schließlich seine sechstägige Verlustserie beenden, nachdem Medienberichten zufolge der Umfang des Konjunkturpaketes auf USD 825 Mrd. ausgeweitet werden soll.

Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen auf 542.000 und damit erneut deutlicher als erwartet. Die Arbeitslosenquote kletterte auf 7,2% und damit auf den höchsten Stand seit 15 Jahren, 542.000 Stellen gingen verloren. Die Einzelhandelsumsätze von Dezember enttäuschten: Statt um 1,5% fielen sie um 2,7%. Exklusive KFZ-Verkäufe fiel das Minus mit 3,1% noch deutlicher aus. Dies ist der stärkste Rückgang seit 1990. Die Umsätze waren somit das 6. Monat in Folge rückläufig, ebenfalls ein Rekord. Auch die Zahlen für Oktober und November wurden erneut nach unten revidiert.

Die Citigroup scheint weiterhin in Bedrängnis. So müsse man das ehemalige Juwel des Unternehmens - die Brokeragesparte Smith Barney - mit Morgan Stanley zusammenlegen. Die Firmenaussagen lassen auf einen Verzweiflungsakt der Citigroup schließen. Auch das Privatkundengeschäft in China wird nun verkauft. Weitere Verkäufe dürften nur noch eine Frage der Zeit sein, die Aufspaltung des einstmals größten Finanzkonzerns der Welt gilt als wahrscheinlichstes Zukunftsszenario. Weiters litt Citi an der Insolvenz des Chemieherstellers Lyondell-Basell, an die man Kredite im Ausmaß von USD zwei Mrd. vergeben hatte. Zudem trat Ex-Finanzminister Rubin als Citigroup-Berater zurück, er habe die Krise zu spät erkannt und zu spät reagiert. Die Aktie knickt 46% ein.

Bank of America bekommt USD 138 Mrd. Staatshilfe

Auch bei der Bank of America verlief die Handelswoche turbulent. Die Übernahme von Merrill Lynch dürfte noch wesentlich höhere Abschreibungen bergen, eine weitere staatliche Milliardenspritze aus dem TARP-Programm in Höhe von USD 20 Mrd. wurde durch das Finanzministerium genehmigt. Zudem werden Garantien in Höhe von USD 118 Mrd. übernommen, um die Übernahme von Merrill Lynch zu verdauen. Die Aktie knickt 38% ein und notiert auf dem tiefsten Stand seit 1991.

Der Quartalsgewinn von JP Morgan brach zwar um 76% ein, die Erwartungen wurden jedoch klar übertroffen. Die Übernahme von Washington Mutual dürfte das Quartal gerettet haben, der Ergebnisbeitrag belief sich auf USD 1,3 Mrd. CEO Jamie Dimon gab einen trüben Ausblick, die Risikovorsorgen müsse man weiter erhöhen. Die Aktie verliert 11%. Wells Fargo litt unter negativen Analystenkommentaren. So müsse man im Zuge der Übernahme von Wachovia bis zu USD 10 Mrd. an Kapital aufnehmen, nachdem sich die Kernkapitalquote dramatisch verringert hatte.

Alcoa machte den traditionellen Auftakt zur Berichtssaison. Die Finanz- und Konjunkturkrise ließ die Nachfrage wichtiger Kunden-Branchen wie Autoindustrie oder Bau wegbrechen und die Preise absacken. Aufgrund dessen wurde im Schlussquartal ein Verlust in Höhe von 28 Cents/Aktie verbucht, der Konsens war von lediglich 7 Cents ausgegangen. Auch wenn die Flüsterschätzungen niedriger lagen, verlor die Aktie 18%. Abbott Laboratories bietet USD 2,8 Mrd. bzw. USD 22/Aktie für Advanced Medical Optics (+ 140 %), einen Hersteller von Augenpflegeprodukten. Genentech profitiert von Meldungen, wonach Roche einen erneuten Übernahmeversuch plane.

Steve Jobs tritt vorübergehend zurück

Die Apple-Aktie litt unter der mehrmonatigen Zwangspause von Steve Jobs. Aufgrund seines Gesundheitszustandes werde er sich bis Ende Juni Auszeit nehmen. Die Aktie verliert 10%. Palm konnte die Rallye indes fortsetzen. Das vor kurzem präsentierte Smartphone "Palm Pre" könnte zu einem ernsthaften Konkurrenten von Blackberry und iPhone avancieren. Yahoo! wird von nun an von Carol Bartz geführt. Sie folgt damit Mitbegründer Jerry Yang nach und könnte den Übernahmespekulationen rund um Microsoft nun neuen Auftrieb geben.

In der nächsten Handelswoche erwarten wir eine Reihe von Quartalszahlen. So zum Beispiel IBM, Johnson & Johnson, Apple, GE, Citigroup, Cisco und Ford. Zwar sind die Erwartungen aufgrund massiver Gewinnrevisionen ohnehin bereits sehr niedrig, trotzdem scheinen die Anleger das Ende der Berichtssaison vorerst abzuwarten. Auch von der Inauguration von Präsident Barack Obama dürften kaum Impulse kommen. Detail am Rande: Der scheidende US-Präsident George W. Bush häufte in seiner 8-jährigen Amtszeit mit USD 4 Billionen genauso viel Schulden an, wie seine 42 Vorgänger in 250 Jahren.

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