Erstmals MR-taugliche Herzschrittmacher

17. Jänner 2009, 10:00
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Nach EU-Zulassung in St. Pölten implantiert - Bisher konnten Patienten wichtige Untersuchungen nicht machen

Wien - Ab jetzt sollen sich auch Herzschrittmacher-Patienten der mittlerweile in vielen Anwendungsgebieten wichtigsten bildgebenden Untersuchung, der Magnetresonanz-Tomographie (MRT, auch Kernspin-Tomographie), unterziehen können. Voraussetzung: Ihnen wurde ein MR-resistenter Schrittmacher eingesetzt. Rund 40 Patienten sind in Österreich bereits Träger eines solchen Geräts. Vor wenigen Wochen wurde einer der ersten drei dieser Schrittmacher nach der Zulassung in Europa im Rahmen einer Weltpremiere am LKH-St.Pölten implantiert.

Die Magnetresonanz ist in der Radiodiagnostik zum Mittel der Wahl geworden. Weltweit werden pro Jahr bereits 60 Millionen dieser Untersuchungen durchgeführt. Bei der Untersuchung von Weichteilen des Körpers (Muskel, Sehnen etc.) lassen sich zehnmal kontrastreichere Bilder anfertigen als mit der Computertomographie (Röntgen-Schnittbild). Auch für Untersuchungen am Gehirn und vielen anderen Organen ist die MRT optimal geeignet, sogar Stoffwechselvorgänge lassen sich live darstellen.

Bisher von Untersuchung ausgeschlossen

Doch Schrittmacherpatienten waren bisher von diesen Untersuchungen ausgeschlossen, weil bei der MRT starke Magnetfelder eingesetzt werden. Karlheinz Tscheliessnigg, Chef der Universitätsklinik für Chirurgie in Graz: "Wir haben in Österreich derzeit rund 50.000 Schrittmacherpatienten, in der EU sind es zwei Millionen. 17 Prozent der Patienten sollten in den ersten zwölf Monaten nach der Operation eine MR-Untersuchung bekommen. 25 Prozent der Schrittmacherträger sollten in ihrer Lebenszeit eine MR-Untersuchung haben können. Alle sechs Minuten wird im Schnitt in Europa ein Patient (aus diesem Grund, Anm.) für eine MR-Untersuchung abgelehnt."

Der Gründe dafür: Die MR-Bildgebung kann buchstäblich am implantierten Schrittmacher "rütteln" und zu Verletzungen führen. Darüber hinaus kann der Taktgeber entweder zu rasen anfangen oder seine Arbeit total einstellen. Die am Herzen angelegten Elektroden wiederum können sich erhitzen und sogar Herzmuskelareale zum Verkochen bringen.

Der Medizintechnik-Konzern Medtronic hat daher in zehnjähriger Arbeit erstmals einen bedingt MR-tauglichen Herzschrittmacher entwickelt. Er ist jetzt in Europa zugelassen. Harald Mayr, Vorstand der kardiologischen Abteilung am LKH-St. Pölten: "Es gab Änderungen in den Schaltkreisen. Die ferromagnetischen Komponenten wurden fast auf Null reduziert. Es wurden 'Filter' eingebaut, die Schrittmachersonden können keine Hitze entwickeln." Schließlich werden die Geräte während der MR-Untersuchung auf einen "Sicherheitsmodus" umgeschaltet, der die Sicherheit noch zusätzlich erhöht.

Wenige Einschränkungen

Das neue Herzschrittmachermodell wird als unter bestimmten Bedingungen MR-sicher klassifiziert. Es kann mit jenen 90 Prozent der MR-Geräte verwendet werden, die mit einer Magnetfeldstärke von 1,5 Tesla (30.000 Mal die Stärke des Erdmagnetfeldes) arbeiten und in der Routinediagnostik weltweit routinemäßig eingesetzt werden. Ausgeschlossen sind bildgebende Untersuchungen, bei denen der Körperbereich von der Hals- zum Beginn der Lendenwirbelsäule quasi in das Zentrum des Magnetfelds geraten. Hier kann man sich aber mit überlappenden Teiluntersuchungen behelfen.

Insgesamt könnte sich aus der Neuentwicklung ein zukünftiger Standard für Schrittmacher und deren Sicherheit gegenüber der MRT entwickeln. Die Geräte sind als Zweikammer-Pacemaker konstruiert und nicht teurer als die bisherigen. Andere Hersteller dürften nachziehen.

Harald Mayr, Kardiologie-Chef am LKH St. Pölten, wo im November eines der ersten drei Geräte weltweit nach der offiziellen Zulassung eingepflanzt wurde: "Wir haben seither bereits rund 20 der Schrittmacher implantiert." In Österreich sind es schon rund 40 Patienten. Das Krankenhaus der Elisabethinen in Linz und die Grazer Universitätsklinik haben schon vor rund zwei Jahren einige Patienten noch im Rahmen einer internationalen klinischen Studie versorgt. (APA)

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