Der Lohn fürs Wetterläuten

    16. Jänner 2009, 17:05
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    Die Wetterkreuzkirche war anfangs ein Kreuz, später eine Kapelle und bot Einsiedlern Wohnraum und Einkommen, bis der Kaiser die Eremitage auflöste

    Im Jahre 1651 wurde das auf dem Schiffberg oberhalb von Hollenburg an der Donau stehende Kreuz durch eine Kapelle ersetzt, aus der sich die heutige Wetterkreuzkirche entwickelte. Bald danach schlug dort ein Einsiedler seine Zelte auf, der sein Auslangen mit Almosen und dem geringen Entgelt fürs Wetterläuten finden musste. Die Eremitage bestand bis 1782 und wurde durch Kaiser Joseph II. aufgelöst. Der letzte Einsiedler, Rochus Schaar, zog ins Tal, wurde Spenglermeister und heiratete.

    Die Wetterkreuzkirche auf dem markanten Standort aber blieb weiter das Ziel von Wallfahrern und Wanderern, die sich an dem herrlichen Ausblick auf die Donau, zur Stadt Krems und zum Beginn der Wachau erfreuen. Die einstigen Eremiten allerdings gewannen einen anderen Eindruck vom Strom, der damals viele Nebenarme bildete, heute aber eher einem See gleicht, da er bei Altenwörth zur Gewinnung von Energie aufgestaut wird. Trotzdem: Die Aussicht von der Kirche lohnt immer noch.

    Im Zuge des Jubiläums „Tausend Jahre" Krems wurde die Kirche renoviert und präsentiert sich nun in neuem Glanz. Sie steht offensichtlich an der Stelle eines Kultplatzes, der auf die Illyrer zurückgeht.

    Im direkten Anstieg von Hollenburg ist die Kirche in einer knappen Dreiviertelstunde zu erreichen, wählt man eine Runde über Krustetten und Nußdorf an der Traisen, ergibt das eine interessante, keineswegs anstrengende Tour, auf der man im zweiten Abschnitt immer wieder den Blick in das Tal der unteren Traisen genießt.

    Die Route: Westlich des Zentrums von Hollenburg an der Donau beginnt eine rote Markierung, entlang der man in einer Stunde - vorbei am Pestkreuz, das an die Epidemien der Jahre 1569 und 1683 erinnert - Krustetten erreicht. Man durchquert den Ort und gelangt auf der Straße Richtung Nußdorf bei einer Rechtskurve zu einer grünen Markierung, die zum Spatzenberg führt. Später wechselt man auf einen rot gekennzeichneten Weg und erreicht Nußdorf ob der Traisen. Ab Krustetten 1¼ Stunden.

    Nun geht es ein kurzes Stück zurück, dann folgt man dem Wegweiser „Wagram". Bei einem markanten Kreuz zweigt nach links eine rot-grüne Markierung ab, auf der man zur Wetterkreuzkirche gelangt. Gehzeit ab Nußdorf eine Stunde. Auf einem gelbmarkierten Weg erfolgt der Abstieg zum Ausgangspunkt Hollenburg. Ab Wetterkreuzkirche: Dreiviertelstunde. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/17./18.1.2009)

     

    Gesamtgehzeit 4 Std., Höhenunterschied ca. 300 m. Gaststätten, Heurige in Krustetten und Nußdorf. ÖK25V Blatt 4324-West (Herzogenburg), Maßstab 1:25.000.

     

    • Ausblick auf dem Weg zum Wetterkreuz.
      foto: pfarre hollenburg

      Ausblick auf dem Weg zum Wetterkreuz.

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      grafik: der standard
    • Die Pfarre Hollenburg ist um den Erhalt der Wetterkreuzkirche bemüht und dabei auf Spenden angegwiesen.
      foto: pfarre hollenburg

      Die Pfarre Hollenburg ist um den Erhalt der Wetterkreuzkirche bemüht und dabei auf Spenden angegwiesen.

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