Eurostat revidiert für 2008 rückwirkend nach oben

16. Jänner 2009, 14:53
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Wien - Die Arbeitsmarktprognose für 2009 und 2010 fällt aufgrund einer Revidierung der Quote durch Eurostat noch düsterer aus: Eurostat hatte heute die Arbeitslosenquote für das abgelaufene Jahr 2008 rückwirkend revidiert und um 0,3 Prozentpunkte auf 3,8 Prozent angehoben. Nach den jüngsten Zahlen wird nun für 2009 vom Arbeitsmarktservice (AMS) für Österreich eine Arbeitslosenquote nach Eurostat von 4,3 Prozent, für 2010 von 4,5 Prozent erwartet. Die Arbeiterkammer fordert nun schnelle und entschlossenen Maßnahmen der Regierung. "Wir müssen alles tun, um die Arbeitsplätze zu schützen", so Arbeiterkammerpräsident Herbert Tumpel. Kündigungen sollten so weit und so lange es geht vermieden werden.

Das AMS müsse für seine Aufgaben finanziell und personell rechtzeitig und gut ausgestattet werden, fordert die AK: Vor allem Jugendliche und ältere Arbeitnehmer seien von hoher Arbeitslosigkeit betroffen. Für die Jungen fordert Tumpel, dass alle Jugendlichen die bestmögliche Berufsausbildung auch in wirtschaftlich schweren Zeiten erhalten müssen. Für ältere Arbeitnehmer müsse es eine besondere Leistung des AMS geben, wenn sie innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nicht vermittelt werden. Besonders bedrückend sei auch die Lage der Leiharbeiter, die jetzt die ersten sind, die gehen müssen. Hier zeige sich, dass Leiharbeitsplätze keine sichere Option für Arbeitnehmer sind.

Zur Vermeidung von Kündigungen brauche es eine finanziell abgesicherte Kurzarbeit und den Ausbau von Arbeitsstiftungen. Kurzarbeit müsse viel leichter und besser als bisher mit Aus- und Weiterbildung der kurzarbeitenden Arbeitnehmer verbunden werden können. Arbeitsstiftungen müssten ausgebaut werden, um Kündigungen zu vermeiden; dies gelte insbesondere auch für Leihfirmen. Aber auch die Altersteilzeit müsse ihren Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen gerade in Klein- und Mittelunternehmen wieder besser leisten können. Es dürfe nicht so sein, dass die Älteren zuerst gekündigt werden und dann seien sie praktisch unvermittelbar, aber zu jung für die Pension. Für junge Leute, die keine Ausbildungsstelle finden, müssten genug Ausbildungsplätze in überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen zur Verfügung gestellt werden.

"Um 16,5 Prozent mehr arbeitslose Jugendliche im Dezember - das ist ein Alarmsignal, auf das Politik und Unternehmen nicht mehr mit Parolen, sondern mit Sofortmaßnahmen reagieren müssen", sagt Jürgen Michlmayr, Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ). Die ÖGJ fordert, dass die finanziellen Mittel für Ausbildungsgarantie und überbetriebliche Lehrlingsausbildung erhöht werden, Jugendliche mit Lehrstelle sollen nicht mehr so leicht auf die Straße gesetzt werden können. "Spitzenmanager, deren Fehleinschätzungen zu Massenkündigungen führen, sind oft nur per "Golden Handshake" loszuwerden, aber die Lehrlinge können einfach gekündigt werden und sie stehen dann ohne Einkommen und Ausbildung da", kritisiert Michlmayr am Freitag in einer Aussendung.

Um die Lehrlinge, die sich Sorgen um ihre Ausbildungsplätze machen, nicht zusätzlich unter Druck zu setzen, fordert Michlmayr die Wiedereinführung des Kündigungsverbots für Lehrlinge. Außerdem fordert die Gewerkschaftsjugend, dass für Lehrlinge - so wie für andere Arbeitnehmer auch - eine Probezeit von einem Monat gilt. Derzeit sind es drei Monate, in denen die Lehrlinge ohne Angabe von Gründen jederzeit hinausgeschmissen werden könnten. (APA)

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