Advofin prüft in Österreich und USA

16. Jänner 2009, 14:23
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Heimische Anleger lassen sich auch in Übersee vertreten

Wien - Etwa 120 bis 130 Privatpersonen und -stiftungen haben bei Advofin ihr Interesse an einer Sammelklage bekundet, sagte Advofin-Vorstand Franz Kallinger am Freitag zur APA. Auch Personen, "die Herr und Frau Österreicher kennt", seien unter den Opfern. Das Investitionsvolumen bewege sich im zweistelligen Millionenbereich. Der Prozessfinanzierer hat zudem zwei Anwaltskanzleien in den USA beauftragt, eine Sammelklage nach amerikanischem Recht zu prüfen. Hierzulande inspizieren die Advofin-Anwälte "die gesamte Österreich-Tangente, Bank Austria und Bank Medici", so Kallinger.

Bei der Bank Austria sieht Advofin bereits Anhaltspunkte für Schadensersatzklagen, sagte Advofin-Anwalt Ulrich Salburg. In der Werbung für den Primeo-Fonds hätten die Kunden wie berichtet den Eindruck bekommen, dass dieser von der Bank Austria gemanagt wird, also in Österreich zugelassen ist und österreichischem Recht unterliegt, so der Jurist. In einem für den "Primeo Select Fund" und den "Primeo Executive Fund" vom April 2007 scheine die Bank Austria nicht mehr auf. Als Fonds-Verwalter werde die Bank of Bermuda auf den Cayman-Inseln, als Anlageberater die Pioneer Alternative Investment Management Ltd. in Dublin und als Depotbank die HSBC Securities Services S.A. in Luxemburg angeführt. Außerdem heiße es, dass der Fonds weder luxemburgischen Recht noch der luxemburgischen Finanzmarktaufsicht unterstehe. Von Madoff sei laut Salburg weder in der Werbung noch in dem Prospekt die Rede gewesen. Die Bank Austria hatte die Vorwürfe mehrfach zurückgewiesen und auf Pioneer verwiesen. Sie habe die betroffene Primeo-Gesellschaft 2007 an Pioneer verkauft und sei daher nicht mehr zuständig. Advofin will sich auch die Verkaufspraxis der Bank Medici ansehen, kündigte Kallinger an.

Auch der US-Anwalt Robert Schachter von der amerikanischen Kanzlei Zwerling, Schachter & Zwerling hat nach Informationen des Magazins "Format" ein gutes Dutzend Klienten aus Österreich. Es gehe um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.

Diese Woche ist wie berichtet bereits die Repex Ventures SA, eine auf den British Virgin Islands angesiedelte Firma, in den USA gegen Bank Medici und Bank Austria vor Gericht gezogen. Sie wirft der Mini-Bank von Sonja Kohn vor, Investoren in die Irre geleitet zu haben. Die US-Anwaltskanzlei Stull, Stull & Broody hat in New York einen Antrag auf Klagszulassung gestellt. Geschädigte können sich nun bis zum 13. März vom Gericht zum "Lead Plaintiff" (Kläger erster Klasse) ernennen lassen.

Außerdem haben der französische Vermögensverwalter Oddo et Cie. und eine 66-jährige Französin Verfahren gegen die UBS eingeleitet. (APA)

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