AUA-Pilot: "Notwasserung nur, wenn keine andere Chance"

16. Jänner 2009, 12:55
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Flugzeughersteller geben genaue Vorschriften - AUA-Piloten üben Ernstfall laufend am Flugsimulator - Vogelschwärme in Schwechat keine Gefahr

"Die Notwasserung mit einem Flugzeug ist keine Option unter vielen. Sie versucht man nur dann, wenn man keine andere Chance mehr hat." Das sagte der Airbus 320-Pilot der Austrian Airlines, Dieter Watzak-Helmer, am Freitag. Dementsprechend würden sich die Fälle weltweit innerhalb der vergangenen Dekade an einer Hand abzählen lassen.

Für Notwasserungen, die eine seltene Spezialform der Notlandung sind, geben die Flugzeughersteller genaue Vorschriften, sagte Watzak-Helmer. Gleiches gilt für die Vorschriften für Notlandungen an sich. Die Regeln für Wasserungen sind von Hersteller zu Hersteller verschieden. Die Fragestellungen beispielsweise: "Wie wird das Flugzeug schwimmen? Welche Türen sind benutzbar?", so der AUA-Pilot. "Alle diese Vorschriften trainieren wir", sagte Watzak-Helmer. Für die Piloten der AUA gibt es neben den Theorieeinheiten laufend Übungen am Flugsimulator. Für die Kabinencrews hat die Fluglinie ein Trainingszentrum am Wiener Airportgelände errichtet. Unter anderem gibt es dabei auch ein Kabinenmodell, mit dem man für die verschiedenen Typen der AUA-Flieger Notausstiege üben kann.

Üben für den Ernstfall

Im Ernstfall haben die Piloten zwar Checklisten zur Verfügung. Die Zeit, diese zu beanspruchen, hat man Watzak-Helmer zufolge aber selten. Für den Fall des unvorbereiteten Notfalls habe man zumindest die wichtigsten Vorschriften auswendig gelernt. Zunächst informiert die Cockpit-Crew die Passagiere und das Personal, dass eine Notlandung unmittelbar bevorsteht. Dann folgt bereits das Kommando "Schutzstellung einnehmen". Das ist jene Position, mit der Verletzungen der Insassen so weit wie möglich vermieden werden sollen. Der Pilot: "Wenn die Zeit bleibt, geben die Flugbegleiter die Anweisung, spitze Gegenstände zu entfernen." Dann ist die Schwimmweste anzulegen.

Im Cockpit haben die Piloten über die Konstellation Bescheid zu wissen, mit der die Maschine im Notfall idealerweise aufsetzen sollte. Dabei geht es um Fragen, ob die Landeklappen und das Fahrwerk ein- oder ausgefahren sein sollen und in welchem Winkel der Flieger am besten aufsetzen sollte. "Alles das ist von Flugzeug zu Flugzeug verschieden", sagte Watzak-Helmer. Die Piloten müssen jedenfalls versuchen, die empfohlene Konstellation so weit wie möglich herzustellen.

Notwasserungen sind in Österreich definitiv möglich. "Überall dort, wo eine genügend große Wasserfläche ohne Hindernisse - Brücken zum Beispiel - zur Verfügung steht", sagte Watzak-Helmer. Die Wassertiefe spielt dabei keine Rolle, auch der Neusiedler See könnte im Notfall durchaus herhalten. Bei Notwasserungen im Meer spielt hingegen der Seegang eine wichtige Rolle.

Vogelschwärme in Schwechat keine Gefahr

"Wir sind in der glücklichen Lage, dass schwere Vögel nicht in Schwärmen auftreten", sagte Gerhard Gruber, Betriebsleiter auf dem Flughafen Wien, am Freitag. Was es gebe, seien Möwen. Diese seien freilich wesentlich kleiner als Wildgänse, die vermutlich am Donnerstag in New York in beide Triebwerke des A 320 der US Airways geraten waren.

Laut Gruber hat es in Wien in der Vergangenheit "den einen oder anderen Fall von sicheren Retourlandungen" nach Vogelschlag gegeben bzw. seien Flüge auch problemlos fortgesetzt worden. In diesem Zusammenhang verwies der Betriebsleiter darauf, dass Triebwerke laut den Bauvorschriften maximal 25 Prozent an Leistung verlieren dürften, sollten etwa acht kleinere Vögel wie Möwen in rascher Folge hineingeraten. (APA)

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