Heftiger Protest wegen Battisti-Asyl in Brasilien

17. Jänner 2009, 20:27
17 Postings

Italiens Präsident protestiert und schreibt an Amtskollegen Lula - Verteidigungsminister will sich vor der brasilianischen Botschaft anketten

Rom - Aus Italien kommen weiterhin heftige Proteste gegen die Entscheidung Brasiliens, dem ehemaligen italienischen Linksextremisten Cesare Battisti politisches Asyl zu gewähren. Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano drückte in einem Schreiben an seinen brasilianischen Amtskollegen Luiz Inacio Lula da Silva "Überraschung und Bedauern" wegen des Beschlusses Brasiliens aus, Battisti als politischen Gefangener zu behandeln, aus Sorge, dass er in seiner Heimat wegen seiner politischen Ideen verfolgt werden könnte, sollte er nach Italien ausgeliefert werden, wie Rom beantragt hatte.

Bruno Berardi, Präsident des Verbands der Familienangehörigen der Opfer von Mafia und Terrorismus, kettete sich am Samstag vor der brasilianischen Botschaft in Rom an. Es sei ein Skandal, dass Battisti, der in Italien wegen vier Morden zu lebenslanger Haft verurteilt worden sei, nicht ausgeliefert und als politisch Verfolgter behandelt werde.

Battisti bestreitet die ihm zur Last gelegten Taten. Weil das italienische Recht ihm die Möglichkeit verwehrt, sich in einem neuen Prozess zu verteidigen, wird der erfolgreiche Autor politischer Thriller von zahlreichen französischen Schriftstellern und Politikern aus dem linken Lager unterstützt. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bestritt, dass er Druck auf Brasilien ausgeübt habe, damit Battisti politisches Asyl gewährt werde.

Verteidigungsminister will sich vor Botschaft anketten

Am Freitag hatte der italienische Verteidigungsminister Ignazio La Russa, Spitzenpolitiker der Rechtspartei Alleanza Nazionale, drohte sich vor der brasilianischen Botschaft in Rom anzuketten. "Der Beschluss Brasiliens gefährdet ernsthaft die Freundschaft zwischen den beiden Ländern", kommentierte der Minister.

"Battistis Leben in Italien gefährdet"

Auch Innenminister Roberto Maroni zeigte sich empört: "Brasilien behauptet, dass Battistis Leben in Italien gefährdet ist. Es ist verrückt zu behaupten, dass er in Italien gefoltert werden könnte." Die italienische Regierung will Einspruch beim Kassationsgericht in Brasilien gegen den Beschluss einreichen, Battisti als politischen Gefangenen zu betrachten. Battisti wird von Italien wegen vierfachen Mordes gesucht.

Battisti lebte zwischen 1990 und 2004 in Paris und hatte sich in Frankreich einen Namen als Krimi-Autor gemacht. Nach seiner Absage an die Gewalt hatte ihm der damalige sozialistische Staatspräsident Francois Mitterrand einen sicheren Aufenthalt in Frankreich zugesagt.

Im Jahr 2004 wurde er unter Hausarrest gestellt, nachdem ein Pariser Gericht seine Auslieferung nach Italien beschlossen hatte. Kurz darauf war ihm erneut die Flucht gelungen. Fast drei Jahre fehlte jede Spur von dem Italiener. 2007 wurde Battisti in Brasilien festgenommen. Die Polizei hatte ihn in einem Hotel in Rio de Janeiro aufgespürt.

Battisti bestreitet die ihm zur Last gelegten Taten. Weil das italienische Recht ihm die Möglichkeit verweigert, sich in einem neuen Prozess zu verteidigen, wird der erfolgreiche Autor politischer Thriller von zahlreichen französischen Schriftstellern und Politikern aus dem linken Lager unterstützt. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bestritt, dass er Druck auf Brasilien ausgeübt habe, damit Battisti politisches Asyl gewährt werde. (APA)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Als Anführer der Gruppe "Bewaffnete Proletarier für den Kommunismus" soll Battisti Ende der 70er Jahre vier Morde in Italien begangen haben, was er aber vehement bestreitet. 1993 war er in Italien in Abwesenheit zu zweimal lebenslänglich verurteilt worden.

    (Im Bild: Battisti bei seiner Ankunft in Brasilien)

Share if you care.