Pilzlasagne auf Umwegen

16. Jänner 2009, 17:08
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In Latisana beginnt der nächste Weg von Markus Zohners Fußmarsch. Und endet, dank Gaetano, der alles über Pilzlasagne weiß, ebendort

Genau eine Woche bin ich heute unterwegs. Das erste Etappenziel Aquileia sollte ich heute Abend erreichen, die zehn Kilometer sollten trotz der wunden Füße, der Erschöpfung nach der gestrigen Marathondistanz von knapp 43 Kilometern und dem Nebel, der sich heute über Stadt und Land gelegt hat, machbar sein. Die Via Annia wird damit geschafft sein.

Als Hauptproblem hat sich herausgestellt, Alternativrouten zur Strada Statale SS 14 zu finden: Große Umwege waren zu gehen, wobei dann wiederum diese kleineren Straßen und Wege häufig an einem der zahlreichen Flüsse, Bäche und Kanäle endeten und die nächste Brücke wiederum mit einer größeren Straße verbunden war.

Aus fünf mach fünfzehn

Zum Glück hatte ich gute Karten, was mich aber nicht davor bewahrt hat, lange Wege doppelt tu gehen: Einmal, zwischen Portegrandi und Caposile, über fünf Kilometer den beschrifteten Fahrradweg entlang der Lagune zurückzugehen, weil eine Überschwemmung ein Stück unter reißendes Wasser gesetzt hatte und dann dieselben fünf Kilometer auf der parallel verlaufenden Strada Statale nochmals zu gehen – fünfzehn Kilometer für eine Strecke von fünf Kilometer – ein halber Tag. Ja, Straßenschilder beschreiben Tagesreisen: Triest: 85 KM – drei Tage. Venedig: 120 Km – vier Tage. Auf der Strada Statale, wohlgemerkt.

foto: zohner

Vorgestern bin ich um 15 Uhr 30 von Latisana (Friaul) losgelaufen, wohin ich am Vormittag von Portugruaro gekommen war. Ich hatte die Öffnung des Tourismusbüros abgewartet, um an neue Karten zu kommen. Die freundliche Dame hatte mir empfohlen, nach Precennico zu gehen, es gäbe ein Agriturismo dort, und sie hatte mir auch gleich die Nummer aufgeschrieben und die Adresse. Es war spät, und bis Precennico waren es noch acht Kilometer. Ich würde also, auch bei strammem Marsch, bei Dunkelheit eintreffen.

Gaetano nimmt mich mit

Nun, ich hatte ja die Adresse und die Nummer, rief auch einmal an von unterwegs- keine Verbindung. Gegen 17 Uhr dann in Precennico. Ja, der Agriturismo wäre bekannt, läge aber noch sieben weitere Kilometer in den Wald hinein, unmöglich zu finden in der Nacht. Keine andere Übernachtungsmöglichkeit im Dorf. Was tun? Ich bin in die einzige Bar gegangen, hab gefragt und nach langen und lauten Diskussionen aller Anwesenden wurde beschlossen, dass mich Gaetano in eine zwei Kilometer entfernte Pension bringen würde.

foto: zohner

Gaetano, ein liebenswürdiger, 72jähriger Witwer, der mit Hingabe kocht und mit derselben Hingabe darüber spricht, fuhr also los. Er erklärte, er kenne allerdings eine Pension, die nur die Hälfte kosten würde. Er fuhr und wir sprachen über die Zubereitung von Pilzlasagne, als plötzlich ein Ortsschild vorbei flog: Latsiana. "Ja, ja, es sind nur ein paar Kilometer mehr, aber dafür zahlst Du nur die Hälfte- ich kenne die Wirtin!". So war ich wieder in Latisana, so schnell, dass ich es kaum bemerkt habe. Das Zimmer kostete nur 20 Euro und wir haben dann noch lange zusammengesessen und über das Alleinsein, über Tagliatelle mit Entensoße, die Zubereitung von Salame all'aceto und seine Sammlung von Photokameras gesprochen, die er nicht mehr angerührt hat seit dem Tod seiner Frau vor zweieinhalb Jahren.

Immer wieder nocheinmal

Und so bin ich dann gestern früh die acht Kilometer nach Precennico noch mal gegangen, hab an denselben Baum gepinkelt und vin dann weiter nach Muzzana del Turgnano, Carlino und über Porto Nogaro marschiert, wo ein freundlicher Totengräber mir den Weg wies nach Torviscosa. Schließlich bin ich in die Dunkelheit hinein nach Cervignano del Friuli gegangen. Jetzt auf nach Aquileia!

Ich weiß, wo ich dort Mittagessen gehe – Gaetanos Zettel habe ich in der Tasche. (Markus Zoner)

  • Auf nach Aquileia!
    foto: zohner

    Auf nach Aquileia!

  • Wunde Füße und Erschöpfung machen sich bemerkbar.
    foto: zohner

    Wunde Füße und Erschöpfung machen sich bemerkbar.

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