Falschgeld über Internet: Chinas Verbraucher tief verunsichert

16. Jänner 2009, 11:33
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"Meine Ware wird durch ihre hohe Qualität und ihren guten Ruf den Markt erobern"

 "Meine Ware wird durch ihre hohe Qualität und ihren guten Ruf den Markt erobern", preist der Anbieter auf einer Webseite sein Falschgeld an. Die "Blüten" seien ein "authentisch taiwanesisches Produkt" und "Spitzenklasse in der Welt". Die besten Maschinen aus Deutschland "helfen uns, die schwierigsten Probleme beim Druck zu lösen". Jeder wisse schließlich, dass deutsche Anlagen führend in der Welt seien. "Die Banknoten fühlen sich wie echt an." Wasserzeichen und Metallfaden seien zu gut zu erkennen. Das Geldpapier stamme "aus einem kleinen Land in Europa". Beim Druck der Blüten werde Technologie einer südkoreanischen Firma eingesetzt.

Der Anbieter scheint kein Land auszulassen, das in Fälscherkreisen irgendwie zu einer Reputation gekommen ist. Seine Webseite mit Handynummer als Kontakt ist nicht das einzige Angebot im chinesischen Internet: 100 Yuan-Scheine werden dort für 15 oder 18 Yuan das Stück angeboten - bei größeren Mengen gibt es Discount. "Es gibt keine Beschränkungen in der Menge für erstmalige Käufer." Der Anbieter gibt sich als ehrliche Haut: "Auch wenn es illegal ist, bin ich doch eine Person mit gutem Charakter und hoher Moral."

Falschgeld ist in China schon lange ein Problem. Es gehört zum alltäglichen Kaufritual, dass Kassierer jeden Hundert-Yuan-Schein (rund elf Euro) durch ein Prüfgerät laufen lassen. Doch ausgerechnet zum chinesischen Neujahrsfest Ende des Monats, zu dem zig-Millionen Arbeiter in ihre Heimat fahren und Geldtransaktionen einen Höhepunkt erreichen, erzeugen die Nachrichten und Gerüchte von einer Welle von Falschgeld große Unruhe im Milliardenvolk. Erschütternd lesen sich Berichte von betrogenen Wanderarbeitern, die ihren Lohn für mehrere Monate vor dem größten Familienfest ausbezahlt bekommen haben, und auf dem Weg nach Hause feststellen, dass ein Teil Falschgeld ist.

In einem Dutzend Provinzen und großen Städten wie Peking, Shanghai oder Kanton sind die "Blüten" aufgetaucht. Augenzeugenberichte, dass selbst Geldautomaten falsche Banknoten herausgäben oder Prüfgeräte die "Blüten" nicht erkennen könnten, verunsichern die Menschen umso mehr. Da hilft wenig, dass die Zentralbank gebetsmühlenartig versichert, dass Banken und Geldmaschinen das falsche Geld aufspüren könnten. "Die Papierqualität, Wasserzeichen und der Magnetstreifen unterscheiden sich von echten Banknoten", beteuert ein Sprecher der Zentralbank, die eine Karte mit 13 besonderen Merkmalen verbreitete. "Vom Gefühl und Aussehen her lassen sich die Scheine erkennen."

Falschgeldhändler räumen auf einer Webseite ein, dass Banken die "Blüten" erkennen könnten: Es leuchte wohl ein, dass die Banknoten sonst nicht schwarz verkauft werden müssten, sondern selbst auf Konten eingezahlt und damit reingewaschen werden könnten. Die Zentralbank warnt besonders vor Seriennummern, die mit "HB" oder "HD" anfangen. Aber nicht jede ist wirklich falsch. Und falsche Hunderter haben auch andere Nummern. Falsche Fünfziger und Zwanziger sind ebenfalls im Umlauf. Auch dass die "Blüten" aus Taiwan stammen, ist nicht bewiesen, selbst wenn die Insel in Fälscherkreisen einen guten Ruf zu genießen scheint. Im Oktober hob die Polizei in Taiwan einen Ring aus und stellte Banknoten für 135 Millionen Yuan sicher, die allerdings nicht mit "HD" oder "HB" beginnen.

Ein weiteres Opfer des Falschgelds ist Chinas Wirtschaft, die sich weitgehend auf Bargeld stützt. Wie will die Regierung das Milliardenvolk ermuntern, ihren Konsum auszuweiten, wenn jede Geldtransaktion die Gefahr birgt, mit Falschgeld zu enden? Chinas Verbraucher haben schon genug Probleme mit gefälschten Waren, da wollen sie beim Einkauf nicht plötzlich im Geschäft noch als Verbrecher dastehen. "Wenn die Politiker die Konsumenten ermuntern wollen, mehr auszugeben, um die Auswirkungen des globalen Abschwungs auf Chinas Wirtschaft abzudämpfen, sollten sie mehr tun, um deren Sorgen über ihr Bares schnell zu zerstreuen", kommentierte die "China Daily". (APA)

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