Googles Dominanz: Eine Geschichte voller Microsoft-Fehler

16. Jänner 2009, 13:02
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Redmonder hatten schon 2000 eigenes Werbesystem - Ballmer: "Größter Fehler in meiner Karriere"

Die Dominanz im Bereich der Online-Werbung ist das Rückgrat des gesamten Angebots von Google, eine Vormachtstellung, der selbst der Softwareriese Microsoft bislang wenig entgegen zu setzen hat. Dass es soweit kommen konnte, ist dabei aber nicht nur auf die Cleverness von Google selbst zurückzuführen, so berichtet nun das Wall Street Journal von einer ganzen Reihe von strategischen Fehlern, mit denen Microsoft die eigene Situation mitverschuldet hat.

Keywords

So hatten die Redmonder bereits 1998 für 265 Millionen US-Dollar die Online-Werbefirma LinkExchange übernommen. Neben klassischer Banner-Werbung hatte LinkExchange aber auch eine echte Innovation mit im Gepäck: "Keywords", ein System um anhand von Stichwörtern relevante Werblinks einzublenden. Doch so sehr man Microsoft davon zu überzeugen versuchte, dass dies die Zukunft des Werbegeschäfts darstellt, so wenig ließ man sich davon beim Softwarekonzern beeindrucken.

Testlauf

Erst im Jahr 2000 genehmigte man dann einen limitierten Testlauf von Keywords in Zusammenarbeit mit Microsofts Suchmaschine MSN. Ein Testlauf, der allerdings von begrenzter Dauer sein sollte, bereits im Mai des selben Jahres wurde das Service - obwohl bereits KundInnen gefunden wurden - wieder abgedreht.

Fehler

Eine Entscheidung, die Firmenchef Steve Ballmer - der damals erst seit kurzem diese Position ausfüllte - im Nachhinein als den "größten Fehler in meiner Karriere" bezeichnet, man sei einfach zu schnell ungeduldig geworden. Ein weiterer Faktor: Microsoft war damals davon überzeugt, dass die Zukunft in bezahlten Online-Services liegt, eine Einschätzung die sich über die Jahre als nachhaltig falsch erwies. Zusätzlich befürchtete man in Redmond, dass man sich mit Keywords die eigene "klassische" Online-Werbung mit Bannern abgraben würde.

Google

Diesen Schritt in die falsche Richtung konnte man bei Google voll ausnutzen: Im Oktober 2000 brachte man das eigene AdWords-System auf den Markt, eine Innovation mit der man sich über die Jahre eine regelrechte Dominanz im Online-Werbemarkt aufbauen konnte. Aktuell erreicht AdWords einen Marktanteil von 73,5 Prozent, dies in einer Sparte, die 2009 bereits 12,3 Milliarden erwirtschaften soll, so eine Prognose von eMarketer.

Overture

Die Keywords-Episode sollte allerdings nicht der einzige strategische Fehler von Microsoft in diesem Bereich bleiben: So wollte man im Jahr 2003 das Werbeunternehmen Overture übernehmen, doch der geforderte Preis von bis zu 2 Milliarden US-Dollar war den Redmondern zu viel. Statt dessen schnappte sich kurz darauf Yahoo Overture um 1,8 Milliarden US-Dollar und machte es zum Kern des eigenen Online-Werbegeschäfts.

Zeitfrage

Bei Microsoft machte man hingegen das, was man in solchen Fällen bei dem Konzern immer tut: Die Entwicklung eines eigenen Konkurrenzprodukts. Ein Schritt der zwar vordergründig billiger sein sollte, aber auch dazu führte, dass das Unternehmen entscheidende zwei Jahre auf dem Werbemarkt verlieren sollte - eine Verzögerung, die man bislang nicht mehr einholen konnte.

Ausblick

Und auch eine, die im Endeffekt dann wesentlich teurer zu stehen kommen könnte: Denn aktuell will man die eigene Marktmacht in diesem Bereich durch eine - vollständige oder teilweise - Übernahme von Yahoo ausbauen. Eine Perspektive, die durch das neue Management bei Yahoo wieder neue Fahrt bekommen hat, der Preis dafür wird sich aber wohl auch sehen lassen können: Beim ersten Versuch einer vollständigen Yahoo-Übernahme hatte Microsoft 50 Milliarden US-Dollar geboten... (red)

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    Microsoft CEO Steve Ballmer

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