Heilung und Vorbeugung bei postpartalen Depressionen

16. Jänner 2009, 10:58
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Laut einer Studie kann die Hilfe von PsychologInnen und anderen Frauen die depressive Erkrankung um bis zu 50 Prozent verringern

London - Laut zwei medizinischen Studien zufolge kann das vergleichsweise weit verbreitete Phänomen der Wochenbettdepression durch professionellen Beistand in vielen Fällen geheilt oder auch verhindert werden. Der Rat von PsychologInnen kann die Gefahr einer postpartalen depressiven Erkrankung um 40 Prozent verringern, wie eine Studie an der nordenglichen Universität Sheffield ergab, die am Freitag im "British Medical Journal" (BMJ) veröffentlicht wurde. Der Zuspruch durch andere Frauen kurz nach der Entbindung sei sogar in 50 Prozent der Fälle erfolgreich. Eine kanadische Studie, die ebenfalls im BMJ veröffentlicht wurde, kam zum selben Ergebnis.

Offen sprechen

An der Universität Sheffield wurden 4.000 junge Mütter nach der Geburt begleitet und in drei Gruppen eingeteilt. Die Frauen in zwei der Gruppen kamen acht Wochen lang einmal wöchentlich in den Genuss von psychologischem Beistand und konnten offen über ihre Gefühlslage und Belastungen sprechen. Diese Frauen litten um bis zu 50 Prozent seltener an einer Wochenbettdepression als die Frauen in der Vergleichsgruppe.

An der Universität von Toronto wurden 701 Frauen ausgewählt, die nach Einschätzung der ÄrztInnen ein erhöhtes Risiko hatten, zu erkranken. Nach zwölf Wochen hatten jene Mütter, die von einer erfahrenen Frau betreut worden waren, eine um 50 Prozent geringere Erkrankungsrate als die Vergleichsgruppe.

Der Gefahr nicht bewusst

Dieses Ergebnis sei ein weiterer Beleg dafür, dass postpartale Depressionen geheilt und möglicherweise verhindert werden könnten, schrieb die Leiterin der kanadischen Studie, Cindy-Lee Dennis. Allerdings gebe es immer noch viele Frauen, die sich der Gefahr einer nachgeburtlichen Depression nicht bewusst seien, die Symptome nicht ernst nähmen oder aus Scham nicht darüber sprechen wollten.

Eine von acht Frauen weltweit entwickelt nach der Geburt eine Wochenbettdepression, die bis zum Selbstmord führen kann. In vielen Fällen ist die depressive Erkrankung nach einigen Tagen überstanden. (APA/AFP)

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