Kein Finale furioso für Motown

16. Jänner 2009, 17:01
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GM, Ford und Chrysler: Hybrid, Elektro. Motown, ein Abgesang? China ist angekommen, Deutschland und Japan klotzen

ebt ihr uns die Milliarden, dann zeigen wir euch, wie die (auto-)mobile Zukunft aussieht: So in etwa lautete der Deal der großen drei US-Hersteller mit Washington. Indes: Kaum etwas, mit dem sich diese Zukunft demnächst, zum Beispiel heuer schon, festmachen ließe, auch wenn General Motors und Ford ganz auf Hybrid sowie Chrysler ganz auf Elektro machen.

Beim Messeauftritt keine Rede vom bombastischen Showspektakel vergangener Jahre, die maroden "großen Drei" üben sich, ganz ungewohnt, in Bescheidenheit beim Auftritt - sollte das ein Finale für Motown gewesen sein, dann gewiss kein furioso. Und es betonen die Konzernchefs zwar, die "weltweite Technologieführerschaft" (GM-Boss Rick Wagoner) anzustreben, wozu die Autos ab sofort "kleiner, schlauer, sparsamer" werden sollen. Doch es ist überall noch eine Weile hin, bis die echten "Zukunfts"-Fahrzeuge zu den Händlern rollen.


Debüt für das schicke neue Mini Cabrio.
Ab 28. März in Österreich.
Preise: € 22.990 bis € 27.930.

Chrysler etwa will 2010 ein erstes greifbares Produkt seiner Elektroauto-Offensive auf der Straße haben - welches, wird noch nicht verraten; (bis) 2013 sollen weitere drei folgen. Angekündigt sind überdies 24 Neuheiten innerhalb der kommenden 48 Monate, um die 80 Jahre alte Firma wieder auf Kurs zu bringen. Damit man in 20 Jahren den 100er feiern kann.

Ähnlich wie bei GM sorgten auch bei Ford bei der traditionellen Neuheitenpräsentation in der Cobo Hall hauseigene Claqueure für (nur spärlich aufkommen wollende) Stimmung, und Bill Ford versprach eine glänzende ökokorrekte Zukunft. Mit dem EcoBoost-Programm verfolgt man ehrgeizige (Emissionsreduktions-)Ziele, im Wesentlichen geht's um kleinervolumige, (biturbo-)aufgeladene Motoren. Bei Hybrid ist ein Pkw-Sendbote bereits heuer im Frühjahr in den USA erhältlich: der Fusion Hybrid. Man gewinnt ein wenig den Eindruck, dass Ford von den drei Amis noch am besten dasteht.


Ford Mustang Shelby GT500, eine Hommage an legendäre Shelby-Mustangs vergangener Jahrzehnte. 5,4-Liter-V8 mit 540 PS. Kommt leider nicht nach Österreich.

>>> Beklemmendes Nichterscheinen in Detroit


Technologisch singen GM, Ford und Chrysler also das grüne Lied: Hybrid und Elektro. Amerikanische Medien ("Detroit 2009: Die Totenmesse") und Experten argwöhnten gleichwohl präventiv, noch vor Messestart, dass daraus der grüne Blues werden könnte - Motown, ein Abgesang?


GM zeigt unter anderem den Cadillac SRX. Es bleibt bei SUV, aber kleiner, sparsamer als der Vorgänger.

Tatsächlich, gewinnt man auf der Auto Show fast den Eindruck, machen sich die technologisch überlegenen Europäer und Asiaten trotz Krisenstimmung im eigenen Lager langsam bereit zur Übernahme der USA (na ja, zumindest des dortigen Automarktes) und damit zur automobilen Weltherrschaft.

Weitere Messeimpression: Anders als in früheren Jahren ist heuer keine Rede von der einstigen gedrängten Dichte in Cobo Hall, mitunter klaffen befremdliche Lücken zwischen den Ständen der einzelnen Firmen. Einer der Gründe dafür: Viele Hersteller - Porsche etwa und Ferrari, Nissan/Infiniti, Suzuki, Land Rover - waren diesmal gar nicht erst gekommen.

Davon profitieren wiederum die Chinesen: Die beiden auf der Motor Show präsenten Hersteller, Brilliance und BYD (steht für "Build Your Dreams"), schaffen erstmals den Sprung vom Keller in die Beletage. Sie präsentieren sich mitten unter den Etablierten, mit einem überraschend sauberen Messeauftritt.

Insgesamt hinterlässt die Detroit Auto Show einen etwas beklemmenden Eindruck. Und so sind es vor allem die Deutschen - sowie, mit Abstrichen, Toyota und Honda - mit ihrer Neuheitenflut, die die Reputation der Messe retten.


BMW setzt bei der zweiten Z4-Generation auf ein versenkbares Blechdach à la Mercedes SLK. Und auf weniger polarisieren-des Design.
Österreich-Start: 9. Mai.
Preise: € 39.950 bis € 54.750.

Mercedes etwa gab Detroit unter anderem die Ehre der E-Klasse-Weltpremiere (das echte Publikumsdebüt ist dann am Genfer Autosalon im März). Der VW-Konzern schiebt mit dem seriennahen Roadster-Konzept Concept BlueSport die Messeüberraschung schlechthin ins Rampenlicht, Nobeltochter Audi fasziniert mit dem Sportback Concept. BMW (neuer Z4) und Mini (Cabrio II) bleiben ebenfalls modelloffensiv, und Toyota (Prius III) sowie Honda (Insight) gehen mit zwei neuen Hybridmodellen ins Rennen. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/16.1.2009)

Infos:
www.naias.com

>>> Eine Auswahl an weiteren Neuvorstellungen auf der NAISA 2009 gibt's > hier <.

  • Die neue E-Klasse feierte am Vorabend der Eröffnung der Auto Show Weltpremiere, wurde dann aber gleich wieder weggesperrt. 
Den ersten echten Publikumskontakt gibt's dann am Genfer Salon im März. Erster Eindruck: ungemein stimmige Neuauflage der Baureihe. Wichtigste Fakten für Österreich: erhältlich ab 28. März, Preise: 45.416 bis 85.432 €.
    foto: epa/jeff kowalsky

    Die neue E-Klasse feierte am Vorabend der Eröffnung der Auto Show Weltpremiere, wurde dann aber gleich wieder weggesperrt.

    Den ersten echten Publikumskontakt gibt's dann am Genfer Salon im März. Erster Eindruck: ungemein stimmige Neuauflage der Baureihe. Wichtigste Fakten für Österreich: erhältlich ab 28. März, Preise: 45.416 bis 85.432 €.

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    foto: epa/jeff kowalsky
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