Der Gazakrieg trifft auch die UNO-Helfer

15. Jänner 2009, 19:00
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Palästinenserhilfswerk leidet unter Geldmangel

Der Krieg Israels gegen die Hamas in Gaza trifft auch die UNO-Helfer immer stärker. Nachdem am Donnerstag israelische Phosphorgeschosse in einem UNO-Komplex in Gaza-Stadt einschlugen, musste das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNWRA) seine Operationen einstellen. UNWRA bestätigte auch, dass in dem UN-Komplex rund 700 Zivilisten vorübergehend Schutz vor dem Krieg gesucht hätten. "Wir haben in den vergangenen Wochen enorm gelitten, dieser Angriff ist eine Steigerung des Horrors", kommentierte Matthias Burchard, Repräsentant des UNRWA in Genf die Attacke. "Wir wünschen uns nichts sehnlicher als einen Waffenstillstand."

Doch selbst in friedlichen Zeiten kämpfen die 9500 UNWRA-Mitarbeiter im Gazastreifen an mehreren Fronten: Der chronische Geldmangel, das dauernde Hickhack mit den Israelis und die beißende Kritik vor allem aus den USA machen den Helfern seit Jahren zu schaffen. Insgesamt betreut UNWRA in Gaza und anderen arabischen Gebieten rund 4,6 Millionen palästinensische Flüchtlinge.

Keine Menschenrechte

Die Ärzte, Lehrer, Sozialarbeiter und Lebensmittelverteiler des Hilfswerkes versuchen, den Menschen ein einigermaßen erträgliches Leben zu ermöglichen. "Von den 28 grundlegenden Menschenrechten der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist kein einziges in den besetzten palästinensischen Gebieten wie Gaza gewährleistet", betonte UNWRA-Generalkommissarin Karen Abu Zayd Mitte Dezember 2008 - wenige Tage vor der Eskalation der Gewalt.

Schon seit Monaten aber kann das Hilfswerk seine Mission nicht mehr voll erfüllen. Im UNWRA- Haushalt für 2009 fehlen noch immer 150 Millionen US-Dollar. Zumal die arabischen Staaten der UNWRA die kalte Schulter zeigen. Sie steuern nur ein Prozent zum Budget der Hilfsorganisation bei. Die USA, die EU und Japan decken hingegen 90 Prozent.

"Der Geldmangel zwingt uns, Schulen oder Krankenhäuser zu schließen", erklärt UNWRA-Mann Burchard. "Dort, wo wir einschränken, werden andere nachrücken", sagt er. Und im Gazastreifen gibt es nur eine Organisation, die das Vakuum füllen kann: die Hamas.

Oft können die Helfer die lebenswichtigen Güter nicht an die Bedürftigen liefern. "Die Israelis haben täglich eine dreistündige Feuerpause zugesagt", betont UNWRA-Mann Burchard. "Diese Frist ist viel zu knapp." Auch in der vorigen Woche musste UNWRA Hilfslieferungen aussetzen - die Hälfte der Gaza-Bewohner waren betroffen. Der Grund: Ein Konvoi geriet unter israelischen Beschuss. (Jan Dirk Herbermann aus Genf/DER STANDARD, Printausgabe, 16.1.2009)

 

 

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