Der lange Arm des Ramsan Kadyrow

15. Jänner 2009, 18:57
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Tschetscheniens junger Präsident wird gefürchtet

Wien - "Wenn du ein Führer bist, dann müssen die Leute dich fürchten", sagt Ramsan Kadyrow und tut auch viel, damit sein Wunsch in Erfüllung geht. Der 32-jährige Präsident der russischen Kriegsrepublik Tschetschenien stützt seine Macht auf die Terrorisierung der Zivilbevölkerung, glaubt man Bürgerrechtlern und detaillierten Zeugenaussagen von Opfern beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.

Der in Wien erschossene Umar I., ein ehemaliger Leibwächter Kadyrows, hatte Ende 2006 eine solche Aussage gemacht und Klage beim Gerichtshof eingereicht. Es war die Zeit, als auch Videos bekannt wurden, die Mitglieder von Kadyrows einstiger Privatarmee, die "Kadyrowzis", mit ihren Mobiltelefonen machten, während sie ihre Opfer malträtierten. Malika Soltajewa war eines dieser Opfer. Die Kadyrowzis schlugen die damals 23-jährige schwangere Frau zwei Stunden lang; ihr Ehemann hatte behauptet, sie hätte ihn mit einem russischen Soldaten betrogen.

Ramsan Kadyrow war lange unterschätzt worden. Als Wladimir Putin ihn gleich nach der Ermordung seines Vaters Ahmad Kadyrow im Mai 2004 in den Kreml bestellte und den jungen Mann in Trainingshosen zunächst zum Vizeregierungschef machte, glaubte niemand an eine lange Zukunft des Kadyrow-Sohns. In der Folge verdrängte Ramsan Kadyrow aber den gewählten Präsidenten Alu Alkhanow aus dem Amt und steuerte, gestützt auf das Geld aus dem russischen Haushalt und auf den militärischen Erfolg über die Rebellion, den Wiederaufbau der Kaukasusrepublik.

Kadyrows Arm reicht weit über Tschetschenien hinaus nach Moskau, London oder auch Wien. Politische Morde wie an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja 2006 oder an Ruslan Jamadajew, dem Führer eines rivalisierenden Clans, im September des Vorjahres in Moskau werden mit ihm in Zusammenhang gebracht. Die tschetschenische Guerilla wird von Doku Umarow geführt, dem "Emir" des Nordkaukasus. Sie hat ihre Aktivitäten längst auf die Nachbarrepubliken ausgeweitet. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 16.1.2009)

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