Entscheidender Termin für neuen Presserat

15. Jänner 2009, 19:05
1 Posting

"Unerträgliche Schande", dass Selbstkontrolle acht Jahre fehlte, findet Gewerkschaft - Fellner bisher nicht dabei

Freitag wollen Zeitungsverband, Journalistengewerkschaft und Verein der Chefredakteure zu einem neuen Presserat finden. Das Vorhaben "sollte nicht mehr scheitern", sagt Franz C. Bauer, Chef der Journalistengewerkschaft, auf STANDARD-Anfrage. Die Führungsgremien der Sozialpartner sollen in zwei Wochen über das Selbstkontrollorgan der Printbranche abstimmen, binnen vier Wochen könnte es sich konstituieren. Acht Jahre nach dem Rückzug des Zeitungsverbandes VÖZ aus dem alten Presserat.

Eine wesentliche Rolle damals spielte die "Krone", die Entscheidungen gegen sie nicht veröffentlichte. Das Kleinformat klagte Mitglieder des alten Presserates (ohne Erfolg).

Ist die "Krone" nun an Bord? "Die Mediaprint ist Mitglied des Verbandes österreichischer Zeitungen und so bis heute Teil dieses Prozesses", sagt Verbandsmanager Gerald Grünberger. Und "Österreich"? Der Verband nahm Wolfgang Fellners Zeitung nicht auf, Fellner verweigert die Teilnahme am Presserat. Der soll "auch über Medien, die sich nicht dazu bekennen, urteilen", sagt Grünberger.

STANDARD-Chefredakteurin und Verhandlerin Alexandra Föderl-Schmid bei einer Veranstaltung der Initiative Qualität im Journalismus: "Man kann sich nicht von Herrn Fellner Bedingungen diktieren lassen." 300.000 Euro pro Jahr soll der Presserat im Vollausbau kosten. Das Regierungsübereinkommen verspricht Unterstützung, wenn sich "die relevanten" Medien beteiligen. Grünberger: "Für mich sind alle relevanten Medien dabei."

Im Trägerverein sollen Zeitungsverband und Gewerkschaft je fünf Mandate besetzen; Zeitschriftenverband, Regionalmedien, Presseclub Concordia und Verein der Chefredakteure je eines. Sie sollen mit Zweidrittelmehrheit zwei Senate mit je fünf Mitgliedern beschicken, je zwei mit juristischer Erfahrung, die übrigen mit zehn Jahren journalistischer. Vor den Senaten soll ein Ombudsmann versuchen, in Beschwerdefällen zu schlichten.

Eine EU-Richtlinie verlangt Vorkehrungen, dass Journalisten nicht über Firmen berichten, von denen sie Aktien besitzen. Dem Thema soll sich ein Senat besonders widmen.

Hauptaufgabe des Presserates sind traditionell Beschwerden, Berichte hätten Persönlichkeitsrechte verletzt. Föderl-Schmid erinnerte an den jüngsten "Tiefpunkt" Amstetten, inbesondere das "News"-Cover mit Fotos der Opfer.

Gewerkschafter Bauer will den Presserat rasch arbeiten sehen und ihn nötigenfalls aus der Praxiserfahrung adaptieren. "Es ist eine unerträgliche Schande, dass es ihn so lange nicht gab." (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 16.1.2009)

Share if you care.