Aus für Pseudo-Prüfungen

15. Jänner 2009, 18:56
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Der Typus Lehrer, der seinen Schülern unmotiviert den Stoff vorkaut, steht vor einem Problem - Von Andrea Heigl

Es ist das Schreckensszenario aus einem Albtraum, den sicher viele (ehemalige) Schüler schon hatten: Man sitzt vor einer wichtigen Prüfung, vielleicht sogar vor der Matura - und hat nicht die geringste Ahnung von dem, was auf dem Angabezettel steht. Dass dieser Albtraum nicht Realität wird, dafür müssen ab dem Schuljahr 2013/14 die Lehrer an den AHS sorgen, denn ab dann sollen - so der Plan von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) - die schriftlichen Maturafragen zentral vorgegeben werden.

Dann ist also Schluss mit Herumtricksen, und - Hand aufs Herz - die Geschichten von Pseudoprüfungen kennt man zur Genüge. Der Typus Lehrer, der seinen Schülern unmotiviert den Stoff vorkaut und ihnen dann möglichst detailgenau verrät, was geprüft wird, damit es nicht zu viele schlechte Noten gibt, steht vor einem veritablen Problem.

Auch der motivierte Lehrer, der individuelle Schwerpunkte setzt, muss sich umstellen: In Deutsch, Mathematik und einer lebenden Fremdsprache muss er ein genau definiertes Ziel erreichen. Der Weg dorthin bleibt aber weiter ihm überlassen. Und für Schüler mit speziellen Interessen bleibt der nichtstandardisierte Teil, die "vorwissenschaftliche Arbeit" und die mündliche Reifeprüfung.

Wenn das in der Praxis so gut funktioniert, wie es sich in der Theorie anhört, dann wird die Matura zu dem, was sie jetzt vorgibt zu sein: ein Gradmesser für erworbenes Wissen. Das garantiert den "Abnehmern" (Arbeitsmarkt, Hochschulen) Vergleichbarkeit - und den Schülern Fairness. (Andrea Heigl/DER STANDARD Printausgabe, 16. Jänner 2009)

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