Dem Maxi einen Pelz

15. Jänner 2009, 18:25
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Disco-König Supermax feierte am Mittwoch im Wiener Gasometer seinen 60. Geburtstag

Die "Love Machine" wummerte, und wir sahen Frauen, denen auf der Bühne immer gleich heiß wird. Ausziehen war die Folge.


Wien - Vom Tod einmal abgesehen: Der eigentliche Skandal beim Altwerden ist die Beobachtung von einem uns vorgehenden, in Bezug auf die sogenannte Vernunft mindestens ebenso unbegabten Zeitgenossen. Gott, so könnte es uns bald auch einmal gehen!

Kurt Hauenstein ist ein Mann, für den es für eine glückliche Kindheit niemals zu spät war. Von wegen: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt's sich völlig ungeniert. Im Wiener Gasometer feierte der nach Stationen in Frankfurt, Jamaika und den USAjüngst wieder im niederösterreichischen Piestingtal repatriierte Bassist und Weltbürger Supermax nun vor seinen engsten tausend Freunden seinen 60. Geburtstag.

Supermax muss man sich nicht nur als einstigen Bassisten von Boney M. vorstellen. Mit denen und Produzent Frank Farian war er während der 1970er-Jahre entscheidend an der Entwicklung der global ausstrahlenden Disco-Szene beteiligt. Rivers of Babylon, "Ra-Ra-Rasputin!" , dieser Stoff. Der Sohn von Hans Hauenstein (I red im Rausch, A Weana is, wer trotzdem lacht!), eines bekannten Komponisten von "klassischen" Wienerliedern, war mit eigenen Hits wie der noch immer in den Clubs der Weltjugend zum Einsatz kommenden Love Machine auch einmal ganz vorne mit dabei, wenn es um eines ging.

Supermax steht für reduzierte, untypisch uneitle Reduktion eines Musikantentums, das nach Wirkung strebt und nicht auf Ursache beruht. Am Rand stehen und mitwippen gilt nicht. Kurt Hauenstein will nicht unsere Seelen (okay, die würde er auch nehmen). Supermax will unsere zuckenden Lenden. Liebe darf man nicht denken. Man muss sie machen.

James Onedins Backenbart

Zwischen 1977 und 1979 veröffentlichte Supermax die legendären Alben Don't Stop the Music, World of Today und Fly with Me. Er verkaufte bis heute an die 40 Millionen Alben: mit lässig gelangweiltem Sprechgesang über die menschliche Konstante der nur von eingeschobenen Rüscherln in der Disco und lustigen Zigaretten gebrochenen milden Langeweile; und einem akustisch sagenhaft tief gelegt pumpendem Bass zwischen Disco, Funk, Reggae, Soul, afrikanischen Klängen und World-Music-Wusch.

Allerdings erwies sich jetzt die anlässlich seines Geburtstages veranstaltete Konzertsause im Gasometer als mindestens diskutierbare Angelegenheit. Hauenstein, man erfuhr es mit ästhetischem Schauer, ist nicht nur immer noch ein Freund des Backenbarts und Gehrocks von James Onedin. Er firmiert auch als Förderer eines ebenfalls im Globalen wildernden heimischen Kürschners mit der Tendenz zum Praterstrizzi-Hermelin und Strenge-Herrin-ich-war-böse-bitte-bestrafe-mich-Look. Präsentiert wurde dies von russischen Austauschstudentinnen, denen immer gleich zu heiß wird. Was zur Folge hat, dass sie sich bis auf die Untergatte ausziehen müssen. So zog erst einmal eine halbstündige Pelz- und Ledermodeschau an uns vorüber in die Langeweile des Geilspechtelns. Herrgott, wenn man schon nicht an das Gute in der Welt glaubt, dürfte man doch zumindest am Feierabend auf Güte hoffen!

Danach kam Hauenstein, der zuvor auf einem küchenpsychologisch eindeutig zuordenbaren Sauger sitzend auch noch eine Geburtstagstorte von Jack Daniels überreicht bekam, mit der Love Machine und einem sehr bösen Gast auf die Bühne. Die Richtung Steffi Werger quäkenden Keyboards wurden von Christian "Austropop" Kolonovits bedient. Solche Männer wie er und Supermax werden heute gar nicht mehr gebaut. Meine Frau findet, das ist gut so. (Christian Schachinger / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.1.2009)

  • Sexy und sexistisch sind bekanntlich Geschwister. Supermax feiert Geburtstag. Aber die Liebesmaschine wirkt müde.
    foto: heribert corn

    Sexy und sexistisch sind bekanntlich Geschwister. Supermax feiert Geburtstag. Aber die Liebesmaschine wirkt müde.

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