"Unerträglicher Schmerz"

15. Jänner 2009, 18:20
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Bank-Medici-Aktionärin distanziert sich von Madoff – "Sein Betrug zerstörte Leben"

Wien - Als wären die Auswirkun-gen der Causa Madoff und die Lage der Wiener Bank Medici noch nicht schlimm genug, geisterte am Donnerstag auch noch die von der OeNB zunächst bestätigte Meldung durch Wien, die Nationalbank (OeNB) habe von sich aus ihre Vor-Ort-Prüfer in die Bank entsandt. Was Beunruhigung auslöste, denn eine ohne Auftrag der FMA erfolgende "anlassbezogene Prüfung" der OeNB setzt gesamtwirtschaftliches Gefährdungspotenzial voraus. Am Nachmittag klärte sich die Sache, es gebe "keine Vor-Ort-Prüfung" , sagte ein OeNB-Sprecher, eine "Task-Force" von FMA und OeNB sei am Werk.
Wie berichtet hat die Bank Medici Herald-, Thema- und Primeo-Fonds vermittelt, rund drei Mrd. Dollar sollen letztlich an Madoff geflossen sein. Zu alldem hat Sonja Kohn, der 75 Prozent der Bank gehören (der Rest gehört der Bank Austria, BA), nun erstmals Stellung bezogen, per E-Mail an die US-Agentur Bloomberg.

Kein persönlicher Freund

So wie sich Ex-BA-Chef Gerhard Randa von Kohn distanziert hat (schon die Länderbank hatte sich an Kohns Medici Finance beteiligt; die BA-Kohn-Connection war eng), distanziert sie sich nun vom langjährigen Geschäftspartner Madoff. "Er war kein persönlicher Freund, er hat sich mir nicht anvertraut."
Die Bank sei Opfer, "dass manche glauben, ich hätte es besser wissen müssen (als alle anderen weltberühmten Institute), macht den Schmerz noch unerträglicher" . Die "Besten und Klügsten hätten Madoff vertraut" , seine Machenschaften glichen einem "Tsunami oder Erdbeben" . Die Schuld Madoffs steht für sie außer Frage: "Sein Betrug zerstörte Leben, Lebensersparnisse und jahrzehntelang aufgebaute Unternehmen."

Langer Aufbau

Auch Kohn hat lange aufgebaut. In New York etablierte sie den Wertpapier-Broker Eurovaleur, nach Wien brachte sie die Idee der kapitalgarantierten Produkte mit; materialisiert hat sich die im "Jet Bond" von BA und CA.
Hedgefonds gab es in Österreich damals nicht, der von Kohn 1994 erfundene Primeo war der erste; gemanagt wurde er von der Bank Austria Worldwide Fund Management bzw. später von Pioneer Alternative Investments. Geschäftsführerin des Fonds ist UrsulaRadel-Leszczynski, sie hat ihr Büro in der Operngasse6, dem Sitz der Bank Medici.
Der Herald Fonds wurde dagegen von Kohns Herald Asset Management (Caymans) gemanagt. Unter anderem im Board: der Ex-Wertpapierchef der Banca Intesa, Ex-Commerzbanker Friedrich Pfeffer und, bis vor kurzem, Hannes Saleta, Chef von Pioneer Investments Austria. Der jüngste Fonds, Herald Lux, wurde erst im vorigenApril aufgelegt; er ist rund 250 Mio. Dollar schwer. Gemanagt wurde er von der Bank Medici selbst.(Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.1.2009)

 

 

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