Abschied vom Finnen Juha Kankkunen

15. Jänner 2009, 16:59
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Der Lancia Delta ist nicht mehr so schnell, dafür aber sehr gediegen unterwegs - wenn auch mit Störgeräuschen

Allzu viele italienische Marken gibt es ohnedies nicht mehr und von Lancia (unter dem Fiat-Dach) gibt es nur Modelle: Ypsilon, Musa, Phedris und jetzt eben relativ neu den Delta. Daher stehen wir Marke wie Modell grundsätzlich mit Sympathie gegenüber. Dem Delta ganz besonders. Wir erinnern uns wehmütig an die Erfolge im Rallye-Sport. In den späten 80er- und frühen 90er-Jahren bügelte der Lancia Delta Integrale (mit Martini als Hauptsponsor) praktisch alles in der Rallye-Weltmeisterschaft nieder. Einer der Helden am Lenkrad war der Finne Juha Kankkunen. Mit sechs Marken-WM-Titeln in Folge war und ist der Lancia Delta das erfolgreichste Rallye-Fahrzeug der Motorsportgeschichte. 1992 gab es den letzten Marken-WM- Titel, 1999 war dann überhaupt Schluss mit Delta.

Und jetzt Schluss mit der Wehmut, seit 2008 gibt es ja wieder einen Delta. Eines vornweg: Mit Rallye oder auch nur Sport hat das gar nichts zu tun, das wird sich so auch nicht mehr ergeben. Der Lancia Delta ist ein kompakter Familienwagen, geht auch als Fortbewegung für das kinderlose Yuppie-Paar oder den Single durch. Von der Größe her ragt der Delta 30 Zentimeter über den Golf hinaus. Hinten zu sitzen muss als Erwachsener nicht ständig sein, da denken wir an kurze Strecken, geht für Kinder aber durchaus in Ordnung.

Von der Optik her: Äh, ja, durchaus. Sagen wir so: Prinzipiell positiv ist einmal, dass der Delta sehr eigenständig dasteht, wirklich anders ausschaut, als die üblichen Autos. Von der Form her ist der Delta ein Kombi, allerdings fühlt er sich nicht so an - und schaut auch nicht so aus. Die hintere Linie ist hochgezogen, fällt dann abrupt und keck ab. Ob das jedermanns Geschmack ist, darüber kann man natürlich streiten. Dass dieser Lancia aber ungewohnt und unkonventionell ist, steht außer Frage.

>>> Es pfeift und zieht


Innen herrscht Gediegenheit, das ist Lancia seinem Ruf und seiner Markenpflege schuldig. Alles, sehr edel und schön. Aber. Es gibt ja dieses Vorurteil, dass die Italiener schlampig arbeiten. Da gibt es Beispiele genug, mit denen sich das untermauern ließe.

Ein Beispiel aus dem neuen Delta: Das Schiebedach ist nicht dicht. Bei Autobahn-Geschwindigkeit öffnet sich ein Spalt, da zieht es dann hinein und das erzeugt dann eine dementsprechende Lärmkulisse. Über die man sich nur fassungslos wundern kann. Dass es so etwas gibt in einem neuen Auto. Mag sein, es ist ein Einzelfall, ein Pech bei unserem Testwagen, aber doch irgendwie italienisch.

Insgesamt stehen fünf Motoren, Diesel und Benziner, von 120 PS bis 190 PS zur Verfügung. Wir fuhren die Mitte, den 1,4 Turbojet mit 150 PS. Der passt. Ist nicht aufregend, aber ausreichend, reicht für Stadt und Land. Die Verbrauchswerte sind in Ordnung, aber nicht berühmt. Mit ein bisschen Innovation müsste weniger drin sein.

Letztendlich ziehen wir ein positives Resümee, auch wenn das undichte Dach für echte Irritation gesorgt hat. (Michael Völker/DER STANDARD/Automobil/9.1.2009)

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  • Nach zehnjähriger Pause ist der Lancia Delta wieder unterwegs, weniger sportlich als früher, dafür umso schicker.
    foto: werk

    Nach zehnjähriger Pause ist der Lancia Delta wieder unterwegs, weniger sportlich als früher, dafür umso schicker.

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