Franz Schiemers Transfer-Karussell

20. Jänner 2009, 17:14
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In Österreich kommen für den Ver­teidiger nur Austria und Red Bull in Frage, Fans fürchtet er ebenso­we­nig wie einen Transfer ins Ausland - solange es nicht die Bayern sind

Wien - Das Reißen der Austria-Bänder ist für Franz Schiemer eher ein winterliches Problem und nicht an der vernachlässigten Fitness seiner Teamkollegen festzumachen. Der eben erst genesene Verteidiger hat die Halle gemieden, eine neuerliche Verletzung würde Schiemers Zukunftspläne durcheinander bringen. "Ich hoffe noch im Winter einen neuen Vertrag abzuschließen, das Risiko einer Verletzung und im Sommer ohne Vertrag dazustehen ist mir bewusst", so der Austria-Spieler, der die Saison in Wien zu Ende spielen möchte. "Ich will einen Schritt nach vorne machen", stellt Schiemer klar, "in Österreich kommen dabei nur die Austria oder Salzburg in Frage. Von der Austria zu Rapid zu wechseln, wäre ein Blödsinn."

Red Bull stinkt nicht

Der Liga-Krösus aus Salzburg hat für Schiemer, neben den wohl verlockendsten Gehaltszetteln des österreichischen Fußballs, auch sportlich anziehende Perspektiven zu bieten. "Das Umfeld bei Red Bull ist extraklasse und auch die Erfolgs-Ambitionen dort sind höher als jene bei der Austria", so Schiemer. Dass ein Wechsel nach Salzburg für einige junge Spieler bisher eher zur Bremse als zum Sprungbrett wurde, schreckt den Oberösterreicher nicht ab. Genauso wenig wie der mögliche Zorn der Austria-Fans, die ihm einen Transfer zur direkten Konkurrenz übel nehmen könnten."Ich habe durchaus Verständnis für enttäuschte Fans, aber deswegen bleibe ich nicht bei der Austria. Auch das Beispiel Ivanschitz schreckt mich nicht davon ab, meine Ziele zu verfolgen."

Rieder Fußballschule statt Calcio Italiano

Franz Schiemer hatte sich sich einst gegen das Ausland entschieden. Nach der U-17-Weltmeisterschaft 2003 streckte der Serie-A Klub Udinese Calcio seine Fühler nach dem Nachwuchsspieler aus, "der Markus Schopp hat mir Italien schöngeredet", erzählt Schiemer, der einen Profivertrag bei Ried einem Dasein im Amateurkader der Italiener vorzog. "Mittlerweile nützen junge Spieler die erste Gelegenheit ins Ausland zu wechseln, noch bevor sie in Österreich Erfolge gefeiert haben", so der gelernte Verteidiger.

Der 22-Jährige erfüllt die gängigen Erwartungen, die an österreichische Fußballer im Ausland gestellt werden: Stärken im defensiven und körperlichen Bereich. Dass die jüngsten Transfers ins Ausland überwiegend Verteidigern gelangen, hat für Schiemer einen klaren Grund: "Es ist für einen Abwehrspieler einfacher ins Ausland zu wechseln, da fehlende individuelle Klasse durch körperliche Fitness und die passende Einstellung wettgemacht werden können."

Bonjour Herr Franz

Franz Schiemer will Spekulationen über einen Auslands-Transfer nicht kommentieren, "das wäre unseriös. Es soll ein Klub sein, bei dem ich auch zum Spielen komme", stellt der Nationalspieler klar, "Zu den Bayern werde ich also mit Sicherheit nicht gehen, dort würde ich wohl nie spielen." Abgesehen von der deutschen Bundesliga, hat Teamkollege Jocelyn Blanchard für die französische Ligue 1 ein gutes Wort eingelegt. "Frankreich ist sehr interessant und würde mich auch von der Sprache und Kultur sehr reizen."

Bis Saison-Ende will Schiemer mit der Austria einen internationlen Startplatz einfahren. "Das wichtigste ist, dass wir vor Rapid landen, ein internationaler Startplatz dürfte dann auch fix sein", sagt der Austria-Verteidiger. Auch beim ÖFB-Team will sich der viermalige Nationalspieler zurück melden. "Ich hoffe, dass ich Karel Brückner noch als Trainer erlebe. Man sollte ihm mehr Zeit geben und arbeiten lassen, aber wenns nicht läuft, sind die Trainer meistens die armen Hunde." (Simon Hirt, derStandard.at, 19.01.2009)

  • "Die Erfolgs-Ambitionen bei Red Bull sind höher als jene bei der Austria"
    foto: simon hirt/derstandarda.at

    "Die Erfolgs-Ambitionen bei Red Bull sind höher als jene bei der Austria"

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