Harte Gespräche zwischen Polen und Russland

15. Jänner 2009, 14:39
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Vertrag mit der russisch-ukrainischen Rosukrenergo endet 2009 - Polnischer Versorger will Bezug direkt von Gazprom

Warschau - Parallel zum russisch-ukrainischen Gasstreit haben am Donnerstag die Gespräche zwischen Warschau und Moskau über einen neuen Gas-Liefervertrag ab 2010 begonnen, berichtete das Internetportal der Zeitung "Rzeczpospolita" am Donnerstag. Vertreter der polnischen Regierung haben bei einem Besuch in Moskau ihr Interesse an zusätzlichen Lieferungen vom russischen Konzern Gazprom deponiert, so die Zeitung.

Die Regierung bereitet damit die Verhandlungen vor, die der polnische Gas-Konzern PGNiG mit Gazprom führen wird. PGNiG bezieht 2,5 Mrd. Kubikmeter Gas jährlich über die russisch-ukrainische Gesellschaft Rosukrenergo - rund 25 Prozent des Gases, das Polen aus Osteuropa importiert. Dieser Vertrag läuft Ende 2009 aus. PGNiG möchte die Gasmenge in Zukunft direkt bei Gazprom beziehen. Rosukrenergo gehört zur Hälfte Gazprom, zur Hälfte Vertretern aus der Ukraine.

"Zeit spielt für Russland"

Unter Berufung auf anonyme Informanten vermutet die "Rzeczpospolita", dass die Verhandlungen mit Gazprom über die zusätzliche Liefermenge bis in den Herbst dauern würden, weil der russische Konzern nicht an einer schnellen Einigung interessiert sei. "Die Zeit spielt für Russland, je länger die Gespräche sich hinziehen, desto härtere Bedingungen kann der russische Konzern stellen", schreibt die Zeitung.

Dass Polen von Moskau eine harte Verhandlungshaltung erwarte, deutete schon der Wirtschaftsminister Waldemar Pawlak am Samstag bei einer Pressekonferenz an. Gazprom mache einen neuen Liefervertrag davon abhängig, ob Polen bereit sei, die Lieferbedingungen in den Verträgen mit der PGNiG insgesamt neu zu verhandeln, erklärte Pawlak. Dies gehe aus einem Brief hervor, den Gazprom in Dezember der polnischen Regierung schrieb, bestätigte das Wirtschaftsministerium gegenüber der Zeitung "Gazeta Wyborcza".

Gazprom bewies der PGNiG im gegenwärtigen Gasstreit die Abhängigkeit Polens vom großen Nachbarn. Die polnischen Gasimporte aus dem Osten sanken insgesamt nach Angaben der PGNiG nur um höchstens 19 Prozent, weil Gazprom die Liefermenge durch weißrussische Leitungen erhöhte. (APA)

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