Zettel schneller als Götschl

15. Jänner 2009, 13:34
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Technikerin im ersten Training für die Abfahrt in Altenmarkt-Zauchensee Vierte und beste Österreicherin - Bestzeit an Kanadierin Vanderbeek

Altenmarkt-Zauchensee - Das lange Warten hat sich gelohnt. Wenn eineinhalb Monate nach Lake Louise am Sonntag auf der Kälberloch-Strecke in Altenmarkt-Zauchensee die erst zweite Saisonabfahrt in Szene geht, dann wird dies auf einer der attraktivsten Damen-Strecken der Welt geschehen. Das nach der Mittwoch-Absage erste Training am Donnerstag gewann in 1:51,21 Minuten die Kanadierin Kelly Vanderbeek, schnellste Österreicherin war überraschend Kathrin Zettel als Vierte (+0,43).

Zettel vor Österreicherinnen-Paket

Dass ausgerechnet Technik-Spezialistin Zettel ein Österreicherinnen-Paket vor "Speed-Queen" Renate Götschl (5.), der 23-jährigen Tirolerin Regina Mader (6.) und der erst 19-jährigen Nicole Schmidhofer (9.) anführte, sagte viel aus. Zum einem, wie technisch anspruchsvoll die 3.005 m lange Piste im Heimatort von Abfahrtsweltmeister Michael Walchhofer ist. Zum anderen, dass sie über viele Mut-Passagen verfügt.

Denn zu den vielen fast schon Super-G-artigen Kurven kommt etwa der brutal steile Starthang vom Gamskogel, den man über einen eigenen Aufzug erreicht und bei dem die Mädchen in fünf Sekunden auf 120 km/h beschleunigen. Oder der Mutsprung "Hot Air", bei dem die Skidamen wie über eine Mauer ins Nichts segeln. Besser werdende Sicht führte zudem dazu, dass in den Top-7 der Ergebnisliste nur zweistellige Startnummern zu finden waren.

"Voll lässig"

Trotzdem sah man fast nur leuchtende Augen. "Voll lässig. Hier kann man sein ganzes technisches Können ausspielen. Der Ski hat richtig gut gezogen", zeigte sich auch Super-Technikerin Zettel trotz einer Schrecksekunde beim großen Sprung ("Nur mit Mühe einen Sturz vermieden") begeistert. Dass sie nach gerade überstandenen Magenproblemen beste ÖSV-Abfahrerin war, überraschte nicht nur die Köchin aus Niederösterreich sehr und ließ plötzlich auch das Thema WM-Abfahrt im Februar aufkommen.

Die Strecke in Val d'Isere ist nämlich durchaus ähnlich schwierig. "Aber derzeit ist das alles ebenso kein Thema wie ein Abfahrts-Start hier am Sonntag", wiegelte Zettel ab, die nur am Samstag die Superkombi bestreiten will. Wiewohl: "Solche Strecken liegen mir!" Man dürfe aber nicht vergessen, dass sich im Training die Sichtverhältnisse gebessert hätten. "Und dass die Anderen ihre Karten sicher noch nicht aufgedeckt haben."

Wie etwa Lindsey Vonn, die "höchstens 60 Prozent" zeigte und 18. wurde. Oder Maria Riesch, die wie Verena Stuffer (ITA) den linken Stock und Handschuh schon am Start verlor, nur 40. wurde und sich darüber im Ziel zerkugelte. Schnellste aus dem Kreis der klassischen Favoritinnen war Renate Götschl, die mit neuen und weicheren Schuhen eindeutig besser zurechtkommt. "Passt gut", lachte die Steirerin, schwächte aber gleich wieder ab. "Ich kenne die Strecke ja von klein auf, außerdem haben wir vor Silvester hier zwei Tage trainiert."

Weil sich nach anfänglichem Nebel im oberen Teil die Sicht deutlich besserte, wurde das erste Training auch zu einer Sternstunde für Sternchen. So etwa für die mit Nummer 50 fahrende Regina Mader, die ihre erste Weltcup-Saison für den ÖSV bestreitet. "So etwas habe ich noch nie zusammengebracht", war die 23-jährige aus Erpfendorf, die hohes Tempo und eisige Pisten liebt und im Sommer eine Honda Hornet pilotiert, über Platz sechs überrascht.

Oder Jungstar Nicole Schmidhofer. Die 19-jährige Schlagzeugerin aus dem steirischen Lachtal kam mit Startnummer 37 als 9. ebenfalls in die Top-Ten. "Ich war schon leicht nervös, weil's oben so steil weg geht. Da spannt sich der ganze Körper von selbst an", gestand Schmidhofer, die auf der Kälberloch vor zwei Jahren Junioren-Weltmeisterin im Super-G und WM-Dritte in der Abfahrt geworden war. Diesmal ging es aber auch für sie erstmals von ganz oben weg. Auch diesmal dirigierte sie im Ziel den Radetzky-Marsch und strahlte: "Einfach lässig hier zu fahren." (APA)

Ergebnisse des ersten Abfahrtstrainings der Damen in Altenmarkt-Zauchensee vom Donnerstag:

1. Kelly Vanderbeek (CAN)     1:51,21 
2. Marie Marchand-Arvier (FRA) + 0,06
3. Lucia Recchia (ITA) 0,29
4. Kathrin Zettel (AUT) 0,43
5. Renate Götschl (AUT) 0,44
6. Regina Mader (AUT) 0,57
7. Tina Maze (SLO) 0,68
8. Carolina Ruiz Castillo (ESP) 0,70
9. Jessica Lindell-Vikarby (SWE) 0,73
10. Larisa Yurkiw (CAN)
. Nadia Fanchini (ITA) je 0,79
11. Nicole Schmidhofer (AUT) 0,80
Weiter:
15. Silvia Berger (AUT)
. Julia Mancuso (USA)je 0,92
17. Andrea Fischbacher (AUT) 0,94
18. Elisabeth Görgl (AUT) 0,97

21. Lindsey Vonn (USA) 1,21
24. Michaela Kirchgasser 1,57
27. Maria Holaus 1,64
29. Anna Fenninger 1,85
37. Ingrid Rumpfhuber 2,40
41. Stefanie Köhle 2,66
48. Eva-Maria Brem (alle AUT) 3,00

55. Anja Pärson (SWE) 3,87
59. Margret Altacher (AUT) 4,11
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