20 Monate Haft für deutsches Hellseher-Ehepaar

15. Jänner 2009, 13:30
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Pro Handauflege-Behandlung verlangten die Hartz-IV-Empfänger bis zu 2.000 Euro.

Linz - Am Landesgericht Linz hat am Donnerstag der Prozess gegen ein Hellseher-Ehepaar aus Deutschland geendet. Das Paar wurde zu 20 Monaten Haft, davon vier Monate unbedingtverurteilt. Als mildernd wurde das Geständnis der Beschuldigten gewertet, als erschwerend die Vielzahl der Taten und der lange Zeitraum, in dem sie ausgeführt wurden.

Das Paar musste sich wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges verantworten. Die 41-jährige Deutsche und ihr 50-jähriger Mann haben auf Esoterikmessen ihre angeblich hellseherischen Fähigkeiten angeboten und ihre Kunden um mehr als 80.000 Euro geschädigt. Staatsanwalt und Verteidiger verzichteten auf Rechtsmittel, die Urteile sind somit rechtskräftig.

Auftritt auf Messen

Zwischen Oktober 2004 und September 2008 bot das Ehepaar auf etwa 20 Esoterikmessen pro Jahr ihre Dienste an. Sie behaupteten, die Frau könne durch Hand-, Karten- und Kaffeesudlesen sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft blicken. Außerdem könne sie durch Handauflegen Blockaden lösen. Pro Behandlung verlangten die Hartz-IV-Empfänger bis zu 2.000 Euro. Sie folgen schließlich durch verdeckte Ermittler des Innenministeriums auf.

Keine übersinnlichen Fähigkeiten

"Ich habe keine übersinnlichen Fähigkeiten", gestand die Frau gleich zu Beginn der Verhandlung. "Es tut mir leid." Sie gab auch zu, Druck ausgeübt und Drohungen ausgesprochen zu haben. So habe sie beispielsweise Schicksalsschläge oder Unfälle in der Familie abgekündigt, sollten die Betroffenen ihre Dienste nicht in Anspruch nehmen. Dennoch hätten sich manche Leute nachher besser gefühlt. "Niemand hat sein Geld zurückverlangt."

Der Ehemann der Frau, ebenfalls ein Deutscher, soll seine Frau bei ihrer Arbeit unterstützt haben. Er attestierte seiner Frau zu Beginn seiner Einvernahme noch übersinnliche Fähigkeiten. Als er mit ihrem Geständnis konfrontiert wurde, gab aber auch er den Schwindel zu. Er bekannte sich ebenfalls schuldig.

Für Überraschung sorgte eine "Belastungszeugin", die 17.000 Euro an das Paar gezahlt haben soll. Die 60-Jährige blieb selbst nach dem Geständnis der "Hellseherin" dabei: Seit der Behandlung seien viele ihrer Probleme gelöst, Schmerzen von Verwandten seien verschwunden. "Der Familienfluch ist beseitigt." (APA)

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