Gegenwart trifft Zukunft trifft Hoffnung

15. Jänner 2009, 17:01
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Japan geht in die dritte Runde, die restliche Welt in die erste. Zukunft Serien-Elektroauto? Nicht vor 2011. Brennstoffzelle? Später

Schon beachtlich: 1,17 Millionen Fahrzeuge des Typs Prius hat Toyota seit 1997 verkauft, 1,68 Millionen Hybridfahrzeuge insgesamt konzernweit (also inklusive Lexus). Und schon ist die dritte Generation des Trendsetters startbereit: Ab Mitte 2009 ist der Wagen in Österreich erhältlich.
Leiser und geräumiger als der Vorgänger sei der Neue - und er biete vier unterschiedliche Fahr-Modi zur Auswahl, hieß es bei der Präsentation in Detroit. Als Verbrennungsmotor kommt künftig ein auf 100 PS erstarkter 1,8-Liter-Benziner zum Einsatz, der Elektromotor bringt 80 PS, als Systemgesamtleistung nennt Toyota 134 PS. Speichertechnisch setzt man auf Bewährtes (und kostenmäßig überschaubares): Nickel-Metallhydrid-Batterie. Obendrein glänzt der neue Prius laut Eigenbekunden dank eines CW-Werts von 0,25 mit einem Luftwiderstands-Weltrekord. Dass er noch einmal um ein paar Zehntelliter auf 100 Kilometern sparsamer ist als sein Vorgänger, versteht sich von selbst.



Hier die beiden neuesten Hybrid-Fahrzeuge aus Japan: Toyota Prius III (ab Sommer) ...

Honda hat die Hybrid-Technologie ebenfalls schon länger im Angebot (seit 1999), geht technologisch allerdings anders an das Thema heran, Stichwort Mild-Hybrid. Und man will mit dem kompakten Insight, der in Detroit Weltpremiere feiert, als Hybrid-Preisbrecher in Erscheinung treten. Österreich-Start ist schon im April.


Honda Insight (erhältlich ab April). Design? Honda "lernt" von Toyota...

Honda avisiert einen Verbrauch von 4,4 Liter auf 100 km und CO2-Emissionen von 101 g/km, und hierzu werken gedeihlich zusammen ein 88-PS-Benziner mit 1,3 Litern Hubraum und ein 14 PS starker E-Motor, geschalten wird per stufenlosem CVT-Getriebe. Start-Stop-Automatik? An Bord. Batterietechnologie? Wie Prius, also Nickel-Metallhydrid. Der Insight ist ein wichtiges Glied in Hondas Hybrid-Strategie: Zusammen mit dem Civic Hybrid sowie einem neuen Modell auf Basis der Studie CR-Z wollen die Japaner schon bald auf einen Jahresabsatz von über 500.000 Hybridautos kommen.

An diese Stückzahlen wird Mercedes bei weitem nicht herankommen, wenn man sommers als erster Hersteller Europas ins Hybridzeitalter startet (ein vergleichbarer 7er BMW folgt 2010). Immerhin: Die Deutschen setzen weltweit als erste die hochmoderne und -komplexe Lithium-Ionen-Batterie ein.

>>> Ein Auto, drei Konzepte



Eigentliche Detroit-Öko-Neuheit ist aber die Technologiestudie Concept BlueZero. Technische Basis ist die aktuelle B-Klasse, die zusätzliche respektive andersartige Technik findet also bequem im Unterflurboden Platz.


Concept BlueZero: Als Showcar Vorbote eines Elektro-Benz, der auf Basis der B-Klasse 2012 in "Groß"-Serie geht. Lithium-Ionen-Batterie!

Drei Varianten können sich die Ingenieure vorstellen. E-Cell: Mit batterie-elektrischem Antrieb und 200 km Reichweite. E-Cell Plus wäre dasselbe, allerdings zusätzlich mit Verbrennungsmotor, der als Stromgenerator fungiert. Hört auf den beglückenden Terminus technicus Range Extender, wir nennen das ab sofort Reichweitenerweiterer. Reichweite: 600 km. Die dritte Version schließlich heißt F-Cell, werkt mit Brennstoffzelle, elektrische Reichweite: 400 km.

Realisierungschancen? Besser, als Sie glauben würden. 2010 startet eine Kleinserie als reines Elektromobil (in den zwei genannten E-Cell-Versionen), die echte "Groß"-Serie ist dann für 2011 oder 2012 angedacht. Speichertechnologie? Jeweils Lithium-Ionen-Batterie, eine Frage der Ehre und der Zukunft. Lediglich die Brennstoffzelle ist noch in weiter Serienferne.

Da Daimler das Thema Batterie neuerdings als Schlüsseltechnologie definiert, wurde unlängst mit Evonik Industries (früher: Ruhrkohle AG) ein Joint-Venture gegründet, in dessen Rahmen der Autohersteller mit 49,1 Prozent bei der in Sachsen ansässigen Evonik-Tochter LiTec eingestiegen ist.

Auf Reichweitenerweiterer (also zusätzlichen Verbrennungsmotor) setzt bekanntlich auch GM beim Volt. Für wen man sich dafür als (Lithium-Ionen-)Akku-Partner entschieden hat, gab Konzernchef Rick Wagoner auf der Detroit Motor Show bekannt: LG aus Korea. Dazu wird heuer noch eine Fabrik in Michigan hochgezogen, in der die Produktion 2010 starten soll. Auf ein ähnliches Konzept der Volt setzt Chrysler bei seinen geplanten Elektroautos, deren erstes 2010 an den Start gehen soll.


Chrysler 200C EV. Fesche Studie, konzipiert als Elektro-Auto inklusive Verbrennungsmotor zur Reichweitensteigerung.

Mit Elektroauto schließt sich der Kreis zurück zu Toyota. Auf Basis des Kleinstwagens iQ haben die Japaner die Elektro-Studie FT-EV vorgestellt. Das rein elektrisch fahrende Ding soll eine Reichweite von 80 km haben, als Serienanlauf kann Toyota sich 2012 vorstellen, was etwa dem Zeithorizont für die genannte B-Klasse und auch den Elektro-Smart (Großserie ab 2012) entspräche. Und das ist dann wohl auch der Zeitpunkt, an dem die Opel-Version des Volt in Europa seinen Marktauftritt haben wird.


Ford Fusion Hybrid. Geht demnächst in USA an den Start. Mit Nickel-Metallhydrid-Batterie, Elektromotor und 2,5-Liter-Benziner (155 PS).

Dass sich durch solche umwelttechnischen Bemühungen der Autoindustrie die Abhängigkeit von den Ölscheichs dieser Welt zumindest verringern wird, ist ein angenehmer Begleiteffekt - ob damit die Welt gerettet werden kann, muss aber noch bewiesen werden. Soviel zu den für potentielle (Öko-)Kunden in Europa interessantesten Neuheiten aus Detroit. Und damit geben wir zurück nach Wien. (Fotos und Text: Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/16.1.2009)

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