"Für einen alten Mann gar nicht schlecht"

15. Jänner 2009, 11:05
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1275 Tage nach seinem letzten Kurbeltritt steigt Lance Armstrong Down Under in die Pedale. Alte Dopinganschuldigungen fahren natürlich auch mit

Adelaide/Wien - Comeback des Jahrhunderts, des Jahrzehnts oder doch nur des Jahres - die Meinung über Lance Armstrongs Rückkehr in den Profiradsport gehen nicht nur bezüglich der Einordnung auseinander. Die gewünschte Werbung für seine Krebsstiftung "Livestrong" hat der 37-jährige Texaner, der am 24. Juli 2005 nach seinem siebenten Sieg bei der Tour de France in Folge zurückgetreten war, schon seit der Comeback-Ankündigung im vergangenen September in überreichem Maß.

In Australien muss Armstrong quasi Farbe bekennen. Zuerst bei einem Kriterium in Adelaide am Sonntag und dann ab Dienstag bei der Tour Down Under, dem ersten Pro-Tour-Rennen der Saison. "Ich fühle mich gut, aber einen Sieg zu erwarten wäre unrealistisch", sagte Armstrong, der wie ein Staatsgast empfangen worden ist.

Theorie und Praxis

Der Fitnessfreak, der in seiner rund dreieinhalbjährigen Rennpause mehrere Marathons absolviert hat, ist körperlich jedenfalls in bester Verfassung. "Für einen alten Mann nicht schlecht", sagt er selbst. Ja mehr noch: "Tests haben gezeigt, dass meine Fitness zu diesem Zeitpunkt besser ist als in den Jahren, in denen ich die Tour gewonnen habe." Was Armstrong fehlt, ist die Rennpraxis. Die sollte bis zum Giro d'Italia, seinem ersten großen Saisonziel, im Mai hinreichend gesammelt sein. Er hoffe bei der Tour Down Under, die im Großraum Adelaide über sechs Etappen bzw. 802 Kilometer führt, "auf der Straße nicht zu sehr verprügelt" zu werden. "Ich bin etwas unsicher und nervös."

Nervös hat Armstrongs Rückkehr auch andere gemacht. Etwa manche Teamkollegen bei Astana wie Alberto Contador, der um seine Position als Nummer eins fürchtet. Vor allem aber all jene, die in Armstrong einen schlimmen Doping-Finger sehen. Die Epo-Spuren, die in nachträglich kontrollierten Proben von der Tour de France 1999 nachgewiesen worden waren, verfolgten Armstrong auch nach Australien. Seine Antwort auf einschlägige Fragen ist immer die gleiche: "Ich bin der am meisten kontrollierte Athlet aller Zeiten." (red; DER STANDARD Printausgabe 16. Jänner 2009)

 

 

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