Voest-Chef verteidigt Maßnahmen

15. Jänner 2009, 15:03
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Wien  - Für die voestalpine werde sich die Situation "jedenfalls bis April oder Mai nicht zum Positiven verändern", sagte Vorstandsvorsitzender Wolfgang Eder am Donnerstag im Ö1-Morgenjournal. Es gebe manche Experten, die meinen, dass vor dem Sommer eine erste Verbesserung eintreten könnte. "Ich möchte das jetzt nicht aus unserer Sicht kommentieren. Das ist zu früh", so Eder. Aber falls dieses Szenario zutreffen sollte, dann bräuchte der Stahlkonzern keine weitere Verlängerung der Kurzarbeit.

Wie berichtet müssen rund zehn Prozent der 42.000 Mitarbeiter des voestalpine-Konzerns in den kommenden Monaten auf Kurzarbeit umsteigen. Zudem werden mindestens 2.000 der rund 4.000 Leiharbeiter abgebaut. Kurzarbeit sei natürlich ein schmerzlicher Schritt für einen Konzern, aber "wenn die Wirtschaftswelt in einer Situation ist, wie wir sie jedenfalls in den letzten Manager-Generationen noch nie hatten, dann kann sich ein global tätiger Konzern dem nicht entziehen", betonte Eder.

Vermeidung von Kündigungen

Der voestalpine-Konzern sei ein gut aufgestelltes Unternehmen. Wenn die Kunden aber nichts mehr verkaufen können, dann schlage sich das irgendwann auch auf die voestalpine durch. "Und dem tragen wir Rechnung", so der voest-Chef. Das bedeute natürlich Opfer für alle Mitarbeiter. Das ganz Wesentliche dabei sei aber, alles zu tun, um die Stammbelegschaft durch die Krise zu bringen. Das bedeute betriebsbedingte, konjunkturbedingte Kündigungen solange als möglich zu vermeiden bzw. nur im absolut notwendigen Umfang zu tätigen.

"Uns ist sehr wichtig, dass die Mitarbeiter auch in den schwierigsten Phasen Arbeit haben. Dass es für jeden einen gewissen Verzicht bedeutet, ist leider damit zwangsläufig verbunden, aber soweit wir das nach den Gesprächen der letzten Zeit abschätzen können, besteht seitens der Mitarbeiter größtes Verständnis für diesen Schritt", so Eder weiter. Auch mit dem Betriebsrat, nicht nur in Linz, sondern auch an allen anderen Standorten, gebe es ein sehr gutes Einvernehmen, man werde das gemeinsam durchtragen. Mehr als für alle anderen werde auch das das Management Oper erbringen. "Wenn der Erfolg heuer nicht dem entspricht, was wir in den letzten Jahren haben, dann spüren wir das mehr als alle anderen - und das ist auch richtig so. Dazu bekenne ich mich", betonte Eder.

Betriebsrat hinter Entscheidung

Der Betriebsrat der voestalpine steht voll hinter der Entscheidung des Unternehmensvorstandes für die Kurzarbeit. Das sagte sein Vorsitzender Hans-Karl Schaller am Donnerstag im Interview mit dem "Life Radio". In der Nacht sei eine Betriebsvereinbarung verhandelt worden, sie sei bis auf einige Detailfragen fertig, berichtete er. Voraussichtlich werde am 1. Februar mit der Kurzarbeit begonnen.

Für ihn heiße die Priorität nun Arbeitsplatzsicherung, so Schaller weiter. Deshalb habe der Betriebsrat der Kurzarbeit auch zugestimmt. Die einzige Alternative bei ausbleibenden Aufträgen wären Kündigungen, und das wolle keiner. Er sehe die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft nun "zumindest für ein halbes Jahr" gesichert. Für die Jobs der Leasingkräfte werde man ebenfalls kämpfen, kündigte er an. Sie würden teilweise schon jahrelang zusammen mit der Stammmannschaft arbeiten und "gehören genauso zur Belegschaft", so Schaller.

SPÖ für Bildungskarenz, Grüne für Überbrückungskredite

Der oberösterreichsche SPÖ-Chef Landeshauptmann-Stellvertreter Erich Haider will nun die Inanspruchnahme der Bildungskarenz erleichtern. Der Grüne Landessprecher Rudi Anschober trat am Donnerstag für Überbrückungsdarlehen zur Sicherung von Arbeitsplätzen ein.

Haider kündigte für Montag einen Antrag in der Landesregierung an, die Bestimmungen zur Bildungskarenz zu ändern. Bisher könnten maximal 30 Arbeitnehmer pro Betrieb finanzielle Unterstützung des Landes in Anspruch nehmen. Diese Einschränkung müsse "sofort gestrichen" werden, so Haiders Forderung.

Ein ähnlicher Vorschlag kam auch vom Präsidenten der Arbeiterkammer Oberösterreich und FSG-Spitzenkandidaten für die AK-Wahl, Johann Kalliauer: Statt die von der Kurzarbeit Betroffenen nach Hause zu schicken, solle die Zeit für Weiterbildung und Qualifikation genützt werden. "Das verbessert die Chance der Betroffenen am Arbeitsmarkt langfristig", argumentierte Kalliauer.

Nach dem Bekanntwerden der Kurzarbeit in der voestalpine will der oberösterreichsche SPÖ-Chef Landeshauptmann-Stellvertreter Erich Haider nun die Inanspruchnahme der Bildungskarenz erleichtern. Der Grüne Landessprecher Rudi Anschober trat am Donnerstag für Überbrückungsdarlehen zur Sicherung von Arbeitsplätzen ein.

Haider kündigte für Montag einen Antrag in der Landesregierung an, die Bestimmungen zur Bildungskarenz zu ändern. Bisher könnten maximal 30 Arbeitnehmer pro Betrieb finanzielle Unterstützung des Landes in Anspruch nehmen. Diese Einschränkung müsse "sofort gestrichen" werden, so Haiders Forderung.

Chancen am Arbeitsmarkt verbessern

Ein ähnlicher Vorschlag kam auch vom Präsidenten der Arbeiterkammer Oberösterreich und FSG-Spitzenkandidaten für die AK-Wahl, Johann Kalliauer: Statt die von der Kurzarbeit Betroffenen nach Hause zu schicken, solle die Zeit für Weiterbildung und Qualifikation genützt werden. "Das verbessert die Chance der Betroffenen am Arbeitsmarkt langfristig", argumentierte Kalliauer.

Scharf reagierte der oberösterreichische Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl (ÖVP) auf Erich Haiders Vorschlag in Sachen Bildungskarenz. Er arbeite bereits seit Dezember gemeinsam mit dem AMS an einer treffsicheren Ausweitung dieser Möglichkeit auch für große Unternehmen. Um Arbeitsplätze tatsächlich abzusichern, dürfe man aber auch nicht am Bedarf vorbeiqualifizieren. Es werde für alle interessierten Unternehmen eine Lösung geben, "aber nicht die gleiche für alle". Er werde sie beim Arbeits- und Wirtschaftsgipfel am 9. Februar präsentieren, kündigte Sigl an. (APA)

 

 

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