Therese Krones - Spuren einer Hochbegehrten

14. Jänner 2009, 22:22
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Hinter manchen von Künstlern gewählten Motivenwarten auf den ersten Blick unsichtbare Geschichten. Zwei Beispiele aus demnächst in London und Wien zur Auktion kommenden Bildern von Carl Moll

Wien - Unterhaltung und Abwechslung, das fanden die Wiener in der Zeit des Biedermeiers vor allem und besonders gerne im Theater. Franz von Castelli überlieferte die Begeisterung in einer beispielhaften Anekdote: Ein Spaziergang führte ihn zum Eingang des Leopoldstädter Theaters, vor dem eine Menschentraube wartete. Die Versammelten waren in einem dichten Knäuel zusammengepfercht und lärmten, stießen und schrien und drängten, jeder wollte der Nächste am Tor sein, um ja gewiss einen guten Platz zu bekommen.

Das Stimmengewirr konnte auch Direktor Marinelli nicht überhören, der seine Wohnung über dem Eingang hatte. Plötzlich öffnete sich ein Fenster, Karl von Marinelli erschien an demselben mit einem Stock in der Hand und brüllte dem Publikum zu: "Wenn das Lärmen nicht auf der Stelle aufhört, so lass ich heute gar keine Komödie spielen."

Dem Donnerwetter folgte sogleich absolute Stille, niemand muckste sich mehr, nur um die Vorstellung nicht zu gefährden.

Ob an diesem Tag die von den Wienern so verehrte Therese Krones auf der Bühne stand, ist nicht überliefert. Gesichert ist, dass die 1801 im schlesischen Freudenthal (heute Tschechien) Geborene an diesem, dem ältesten Vorstadttheater Wiens, ihre wohl größten Erfolge feierte. Im zarten Alter von nur neun Jahren absolvierte sie hier ihren ersten Auftritt. Sie und ihre Familie zogen als Theaterwandergruppe quer durch die Habsburgermonarchie; in Scheunen und Wirtshäusern oder im Rahmen von Kirtagen begeisterte die Kompanie mit Possen, Schwänken und Parodien.

1821 kehrte die Krones, wie sie später von Kritikern schlicht genannt wurde, in das Theater der Leopoldstadt zurück und feierte drei Jahre später ihren Durchbruch. Den größten Erfolg ihres Bühnenlebens hatte sie 1827 in Ferdinand Raimunds Zaubermärchen Der Bauer als Millionär. Mit Raimund soll sie eine Affäre gehabt haben, aber die Wiener dichteten ihr deutlich mehr Liebschaften an, als sie tatsächlich hatte. "Die Natur hat mir schwachem Geschöpf zu viel Gefühl gegeben", argumentierte sie ihren Lebensstil.

Hohe Warte Nr. 37

Mit der Darbietung des Abschiedsliedes Brüderlein fein riss sie das Leopoldstädter Publikum jedenfalls zu Jubelstürmen hin und wurde über Nacht zum Synonym der "Jugend". Glückwunschkarten und Andenkenbecher zierte ihr Porträt, und zahllose Verehrer schmachteten vor ihrem Sommerwohnhaus in Döbling. Das Biedermeierhaus - vom Erbauer Daheim getauft, wie alte Postkarten belegen - wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Legende der vielbejubelten Therese Krones, die 1830 jung verstarb, überdauerte die Jahrzehnte. Und so gelangt am 5. Februar bei Christie's in London im Rahmen des Impressionist and Modern Art Day Sale ein seltenes Dokument zur Auktion.

Carl Moll hielt den Blick in die Gasse und auf das Haus Hohe Warte 37 - heute befindet sich dort der Eingang zu einem Gemeindebau - in einem Gemälde fest. Laut Katalogtext dürfte das 60 mal 60 cm große Ölbild zwischen 1912 und 1914 entstanden sein. Unweit davon lebte auch der Künstler selbst in einer von Josef Hoffmann erbauten Villa. Die Erwartungen für das aus Wiener Privatbesitz stammende Haus der Therese Krones in Döbling in Wien beziffern die Experten mit 23.000 bis 34.000 Euro - im Vergleich zu anderen Arbeiten Carl Molls also besonders moderat.

Von höherer kunsthistorischer Relevanz ist etwa der um 1915 von Moll festgehaltenen Einblick in den Park der Villa Primavesi, den "im Kinsky" am 26. Februar im Angebot hält. In den vergangenen Jahren war die 1913-15 erbaute Villa immer wieder im Gerede: Bundespräsident Thomas Klestil erwog das Architekturjuwel als Wohnsitz, später plante die Klaviermanufaktur Bösendorfer, dort ihre Produktion samt Erweiterungsbau anzusiedeln. Weder noch, urteilten Anrainer und Denkmalamt. Schließlich verkaufte die Bawag die Villa Primavesi 2006 an den Aluminiumindustriellen Peter König.

Für den wohl letzten authentischen Einblick in den Garten des nunmehr ausschließlich privat genutzten Anwesens müssen Interessierte zwischen 80.000 und 150.000 Euro bereithalten, wenn nicht mehr. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.1.2009)

  • Carl Molls "Das Haus der Therese Krones in Döbling" (1912) gelangt bei Christie's in London zur Auktion (23.000- 34.000 Euro).
 
 
    foto: christie's

    Carl Molls "Das Haus der Therese Krones in Döbling" (1912) gelangt bei Christie's in London zur Auktion (23.000- 34.000 Euro).

     

     

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