Tourismus gegen Naturschutz im Pinzgauer "Klein-Alaska"

14. Jänner 2009, 20:59
3 Postings

Skigebiet soll im Brutgebiet des Blaukehlchens vergrößert werden

Salzburg - Das rotsternige Blaukehlchen aus der Familie der Fliegenschnäpper hat es in Salzburg zu ungeahnter Bekanntheit gebracht. Der Alpenvogel steht im Mittelpunkt eines Streits zwischen Tourismus- und Gemeindeverantwortlichen im Oberpinzgau auf der einen und Naturschutzgruppen auf der anderen Seite.

Skigebiet soll vergrößert werden

Hintergrund des Streits ist der Plan des Hotel- und Liftbetreibers Wilfried Holleis, das kleine Weißsee-Skigebiet rund um das Berghotel Rudolfshütte in der Gemeinde Uttendorf zu vergrößern: 21 Pistenkilometer und fünf Lifte reichen auf Dauer nicht aus, sagt Holleis. Um das Gebiet attraktiv zu machen, müsse ein weiterer Sessellift her, der das bisher unberührte Ödenwinkeltal am Rande des Nationalparks Hohe Tauern, auch genannt "Klein-Alaska", erschließen soll.

Brutgebiet des Blaukehlchens

Acht Naturschutzorganisationen haben sich nun an den Landtag gewandt, um das Gebiet unter Schutz zu stellen. Zu den Kritikern gehört auch die Biologin Susanne Gewolf. Durch das Liftprojekt würde das Gebiet "zerstört und zerschnitten", sagt sie. Außerdem falle eines von drei Brutgebieten des rotsternigen Blaukehlchens in Österreich dem Projekt zum Opfer.

Zweifel an Wirtschaftlichkeit

Ferdinand Robl von der Biotopschutzgruppe Pinzgau bezweifelt die Wirtschaftlichkeit des Skigebiets: Die Pisten am Weißsee seien dermaßen unattraktiv, dass sogar Schülergruppen aus Uttendorf selbst andere Gebiete vorziehen. Daran werde auch ein zusätzlicher Lift nichts ändern.

Uttendorfs Bürgermeister Franz Nill (SP) ist hingegen der Ansicht, ohne neue Lifte stehe der "Tod des Tourismus" in seiner Gemeinde bevor. Sollte das Skigebiet am Weißsee wirtschaftlich scheitern, "dann haben wir eine Hotelruine mit 250 Betten und ein paar rostige Liftstützen da oben stehen".

Auf politischer Ebene stehen außer den Grünen alle Parteien hinter dem Ausbau des Skigebiets. Das Liftprojekt wird momentan umgeplant. Ende Jänner soll eine neue Variante eingereicht werden.
Widerstand auch im Ländle

Naturschützer gegen neue Skipisten

Auch in Vorarlberg kämpfen Naturschützer gegen neue Skipisten: Nachdem die umstrittene Querung des Kitzibach-Tobels in Lech genehmigt wurde, rückt der Zusammenschluss der Skigebiete Lech und Warth näher - weshalb der Alpenverein nun eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof einbringen will. Der Verein beruft sich auf die Alpenkonvention, die den Bau von Skipisten in labilem Gelände untersagt. (jub, pehe, DER STANDARD Printausgabe 15.1.2009)

Share if you care.