Der Wellness-Minister

14. Jänner 2009, 19:36
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Während Österreich seine Klimaziele verfehlte, prangte auf Prölls Dienstwagen groß: "Bio-Mobil - Von Andrea Heigl

Strahlenden Sonnenschein konnte sich die ÖVP zu ihrer Klausur nicht bestellen, in Pamhagen in der pannonischen Pampa schneite und regnete es am Mittwoch unablässig. Aber dass das schwarze Regierungsteam seine Klausur dort ausgerechnet in einem (laut Eigendefinition) "Wellness- und Familienparadies" abhielt, fügte sich perfekt in die Inszenierung ihres Parteichefs ein.

Was Josef Pröll schon als "Lebensminister" verstand, scheint sich im Finanzministerium fortzusetzen: Er ist der Mann der guten Botschaften, der Wellness-Minister. Während Österreich seine Klimaziele verfehlt, prangte auf Prölls Dienstwagen groß: "Bio-Mobil - mit Superethanol!" Während die ÖVP in eine Personaldebatte verwickelt war, besuchte Pröll - der jüngste Minister! - ein Madonna-Konzert. Und während die Wirtschaft verunsichert in ein neues Jahr startet, schüttet der Finanzminister das Steuer-Füllhorn aus.

Es ist schon bemerkenswert, dass der rote Bundeskanzler Werner Faymann dem schwarzen Pröll bei der Steuerreform komplett das Feld überlässt. Ein Drei-Milliarden-Paket, von dem alle Österreicher profitieren - wer verkauft das nicht gerne der Öffentlichkeit? Ein klassisches Thema für eine gemeinsame rot-schwarze Regierungsklausur, eigentlich.

Finanz-, Umwelt- und Wirtschaftsministerium sind in Hand der ÖVP; damit obliege seiner Partei quasi die Problemlösungskompetenz für die Wirtschaftskrise, erklärte Pröll. Eine gewagte Ansage, an der man ab nun die Regierungs-Performance der ÖVP messen können wird. (Andrea Heigl/DER STANDARD-Printausgabe, 15. Jänner 2009)

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