"Ich verdamme die Raucher nicht"

15. Jänner 2009, 12:31
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Gesundheitsminister Alois Stöger empfiehlt jedoch, Lokalbesitzer, die sich nicht an das Gesetz halten, anzuzeigen

"Ich sage mir, wenn ich die nächste Zigarette rauche, bin ich wieder Raucher und das alleine ist abschreckend." SPÖ-Gesundheitsminister Alois Stöger, selbst ehemals Raucher, verrät im Chat mit derStandard.at sein Erfolgsgeheimnis, um nicht wieder mit dem Rauchen anzufangen. Er findet, dass das neue Tabakgesetz eine "Chance auf Wirksamkeit" haben soll. Immerhin führe es zu mehr Nichtraucherräumen.

Dass es in jedem Bundesland eine eigene Krankenkasse gibt, begrüßt Stöger: "So kann das Gesundheitswesen nah am Menschen handeln." Im Vergleich zu Deutschländ habe Österreich sogar wenige Kassen.

Und was lernt Stöger von seiner Vorgängerin Andrea Kdolsky? "Dass komplexe Fragen im Gesundheitswesen nicht mit einfachen Antworten behandelt werden können." Csardas-Tanzen wie Kdolsky könne er nicht. Und das obwohl, er einen Tanzkurs besucht.

Der Chat zur Nachlese:

ModeratorIn: Guten Tag, Herr Minister! Wir begrüßen Sie im Chat und bitten die UserInnen um Fragen.

Alois Stöger: Ich freue mich einen Chat zu erleben und freue mich auf spannende Fragen.

jeff5: sg hr bundesminister, zuerst gratulation, dass die oö-gkk so gut aufgestellt ist.

Alois Stöger: Die Menschen in der Kasse bemühen sich jeden Tag die Gesundheit ihrer Versicherten zu organisieren

Lehmann Sister: Sind Sie Raucher oder Nichtraucher?

Alois Stöger: Ich bin Nichtraucher. Die letzte Zigarette habe ich vor 11 Jahren geraucht.

ModeratorIn: Userfrage per Mail: Weshalb möchten sie nunmehr eine einjährige Beobachtung der Auswirkungen des Tabakgesetzes durchführen, nachdem über den Inhalt ohnehin bereits jahrelang diskutiert wurde - die tatsächliche Inkraftsetzung also alles andere als üb

Alois Stöger: Weil der Nationalrat das Gesetz beschlossen hat und beschlossene Gesetze auch eine Chance auf Wirksamkeit haben sollen. Wir werden die Praxis prüfen, das neue Tabakgesetz führt zu mehr Nichtraucherräumen.

Haussalami: Was ist ihre ganz persönliche Meinung - wäre es Ihnen lieber, alle Lokale 100 % rauchfrei zu haben?

Alois Stöger: Mir sind rauchfreie Räume lieber.

Lehmann Sister: Essen Sie gerne Schweinsbraten?

Alois Stöger: Ist nicht das wichtigste Gesundheitsthema, ich esse ab und zu Schweinsbraten.

ModeratorIn: Userfage per Mail: Was können Sie von Ihrer Vorgängerin Kdolsky lernen?

Alois Stöger: Von der Vorgängerin lerne ich, dass komplexe Fragen im Gesundheitswesen nicht mit einfachen Antworten behandelt werden können.

Lehmann Sister: Ihre Vorgängerin hat gemeint, als Gesundheitsminister kann man eigentlich nicht viel machen, weil Vieles in Länderhand ist. Wie sehen sie das?

Alois Stöger: Man kann wenig anordnen und anschaffen als Gesundheitsminister, man kann aber Gesundheitsprojekte, Gesundheitsthemen unterstützen und durch einen gezielten Diskussionsprozess die Weiterentwicklung im Gesundheitssystem gestalten.

jeff5: warum wird die neue e-card wieder ohne foto ausgegeben werden.

Alois Stöger: Weil die Kosten für das Foto in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen.

gablan: Können Sie sich vorstellen, dass man am Zigarettenautomat bald statt der Bankomat-Card die E-Card einführen muss, um Zigaretten zu erhalten? Sozusagen ein Gesundheitscheck vor dem Zigarettenkonsum...

Alois Stöger: Es ist gut, wenn beim Zigarettenautomaten das Alter kontrolliert wird und Jugendliche keine Umgehungsmöglichkeiten haben.

Haussalami: Sind sie einer von den Ex-Rauchern, der jetzt besonders fanatischer Nichtraucher ist? Oder stehen sie dem ganzen Thema entspannt gegenüber?

Alois Stöger: Ich stehe dem Thema eher entspannt gegenüber, möchte alle Raucher unterstützen, die sich das Rauchen abgewöhnen wollen. Ich verdamme die Raucher nicht.

anton-aus-tyrol: Herr Minister, wie wollen Sie die GKKs sanieren, ohne dabei die, zumindest bei der WGKK, schwachen Leistungen weiter zu kürzen?

Alois Stöger: Es wird keine Leistungskürzungen geben. Die Leistungen der WGGK sind auf hohem Niveau gesichert. Es wird notwendig werden, dass den GKKs die Leistungen vergütet werden die bei ihnen bestellt worden sind. Konkret geht es um Wochengeld, Rezeptgebührenobergrenze.

futurezonez: Warum ist es so schwierig zig verschiedene Krankenkassen in Österreich aufzulösen bzw. unter einem Dach zu bringen?

Alois Stöger: Es schafft keinen Nutzen Krankenkassen der Länder zu einem großen Moloch zusammen zu legen, wichtig ist, dass das Gesundheitswesen nah am Menschen handeln kann, dazu dienen regional strukturierte Kassen.

Chips82: Werden Sie sich persönlich der DEbatte um Gentechnik annehmen oder sich wie Frau Kdolsky hinter der AGES verstecken?

Alois Stöger: Ich verstecke mich gar nicht.

Lehmann Sister: Wie verstehen Sie sich mit der Ärtzekammer?

Alois Stöger: Ich verstehe mich mit den Ärzten gut. Mir ist wichtig mit allen Menschen, die im Gesundheitsbereich arbeiten Gespräche zu führen, ihre Sorgen zu hören weil so die PatientInnen den größten Nutzen haben.

schiachapolitiker: Gibt es schon eine Einigung mit dem ÖAMTC wegen der Flugrettung oder müssen das die Patienten in Zukunft selber bezahlen?

Alois Stöger: Die Flugrettung ist mir wichtig. Dieses Thema ist jedenfalls auf meiner Tagesordnung.

andreaslindinger.net: Zum Thema Gesundheit auf den Skipisten: Gibt es Überlegungen in der Regierung hinsichtlich Alkoholverbote/-einschränkungen samt Kontrollen auf den Skipisten bzw. wie stehen Sie zu einer solchen Idee?

Alois Stöger: Ich bin für eine zivile Gesellschaft, wir brauchen nicht überall und an jeder Ecke Kontrollen. Die Menschen müssen wissen, dass sie haften wenn sie im alkoholisierten Zustand andere Menschen gefährden.

Helmut Tatzel: Eine Verwaltungsreform im Gesundheitswesen ist dringend erforderlich - was kosten die Chefärzte, incl. Einrichtunge für sie etc. Wird daran gedacht endlich diesen Unfug aufzugeben, der nicht nur eine Bevormundung der Ärzte darstellt, sondern auch fü

Alois Stöger: Die leitenden Ärzte in den Kassen brauchen andere Funktionen. Sie müssen mehr die Qualitäten im Gesundheitswesen im Auge haben. In Oberösterreich wurde die Chefarztpflicht von Medikamenten abgeschafft. Man braucht modernere Steuerungsformen im Umgang mit qualitativer Medikamentation.

Anna Amalia: Nochmals zur Gentechnik: Was haben Sie genau vor, in dieser Frage?

Alois Stöger: Ich habe einen kritischen Umgang mit Gentechnik.

Rafaela: Wie haben Sie sich das Rauchen abgewöhnt?

Alois Stöger: Ich sage mir, wenn ich die nächste Zigarette rauche, bin ich wieder Raucher und das alleine ist abschreckend.

smokefreerevolution: Sollen Nichtraucher Lokal- und Restaurantbesitzer anzeigen wenn sie sich nicht an das neue Tabakgesetz halten?

Alois Stöger: Wenn jemand konsequent die Gesetze nicht einhält ist eine Anzeige durchaus angebracht.

ehagleitner: warum sagt der Gesundheitsminister, wir wollen erst sehen ob die Regelung funktioniert während die Gastronomen bereits kostspielige Investitionen wie Wandabtrennungen, neue Lüftungen etc. investieren müssen? Seit wann gibt es überhaupt Gesetze auf P

Alois Stöger: Wenn ein Gaststättenbesitzer das Risiko nicht eingehen will, habe ich eine einfache Lösung, er macht ein Nichtraucherlokal.

Haussalami: Herr Minister, wieso, denken sie, ist Rauchen/Nichtrauchen so ein wahnsinnig emotionales Thema? Bei fettem Essen und Alkohol regt sich kein Mensch so auf...

Alois Stöger: Es trifft die Menschen sehr persönlich. Ich halte auch viel davon beim Essen und beim Alkohol mehr auf die Gesundheit zu achten.

kalind: Wann wird Rauchen endlich verboten, die österr. Lösung ist doch ein Blödsinn!

Alois Stöger: Im öffentlichen Raum soll weniger geraucht werden, das jetzige Gesetz ist ein Schritt dorthin.

asdf 1234: Sehr geehrter Herr Minister! Nicht nur auf Österreichs Straßen, sondern weltweit passieren Unfälle mit teilweise tödlichem Ausgang durch Alkoholisierung. Warum wird EU-weit Alkohol nicht so hoch besteuert, wie Tabak? Im übrigen sind die gesundheitli

Alois Stöger: Wichtig ist, dass der Alkoholkonsum zurückgedrängt wird. Ein Steuerungselement sind Steuern.

Lady Pyrra of Danubien: Die Fotos auf der e-Card stehen in keinem guten Nutzen-Kosten Verhältnis? Kommt es uns wirklich billiger, wenn jeder x-beliebige mit meiner gestohlenen Karte sich beim Arzt behandeln lassen kann?

Alois Stöger: Es kann mitunter gefährlich sein, unter einem falschen Namen beim Arzt aufzutreten. Jeder Arzt/ jede Ärztin prüft ständig die Identität seiner Patienten.

Klaus Harm: Welches der anstehenden Themen (Entschuldung der GGKs, Spitalsfinanzierung, integrierte und sektorenübergreifende Planung und Steuerung im Gesundheitswesen - um einige zu nennen) hat für Sie die höchste Priorität?

Alois Stöger: Die Sicherung der solidarischen Finanzierung wo Gesunde für Kranke solidarisch sind.

Pressesprecher: Horst Seehofer (Ministerpräsident von Bayern) brachte letzten Herbst in einer sehr ehrlichen und direkten Aussage zum Ausdruck wie mächtig die Pharmaindustrie und wie machtlos die (Gesundheits)Politik ist. Wie geht es Ihnen mit dem Diktat der Pharma

Alois Stöger: Ich habe eine klare Ansage in Richtung Pharmaindustrie gemacht, sie müssen wie alle anderen Branchen auch im Rahmen der Steigerung des Wirtschaftswachstums ihre Innovationen einbringen.

Haussalami: Nachfrage zum Alkohol: Das heißt, sie könnten sich auch vorstellen, Steuern auf Alkohol anzuheben? Wenn ja, auf wieviel Prozent?

Alois Stöger: Nein. Das ist jetzt kein Thema.

demokrat: Warum müssen wir in diesem kleinen Land soviele Krankenkassen haben?Möglicherweise geht es um Versorgungsposten der diversen Parteigänger (coleur egal)

Alois Stöger: Wir sollen in jedem Bundesland eine Krankenkasse haben. Im Vergleich zu Deutschland haben wir wenige Kassen.

Angelika Pichler: Achten Sie als Gesundheitsminister darauf, dass in Kindergärten und Schulen gesundes Essen vermittelt wird? Dass z.B. in Schulkantinen kein Junkfood etc. verkauft wird?

Alois Stöger: eine wichtige Frage. Bei Gesundheitsförderung kann man nicht bald genug anfangen. Wir wollen den gesunden Kindergarten und die gesunde Schule unterstützen. Essen hat da eine wichtige Bedeutung.

sisosa: Können Sie auch Csarda-Tanzen?

Alois Stöger: Ich gehe zwar in den Tanzkurs aber Csardas war nicht dabei.

Manfred Bieder: Nachfrage zu Nicht/Raucherlokalen. Ich kenne eines, das sich nicht an die neuen Regelung hält, was soll ich tun?

Alois Stöger: 1. mit dem Wirt reden 2. die zuständige Bezirksverwaltungsbehörde verständigen.

Lehmann Sister: Jetzt soll durch ein EU-Programm die Schulmilch an den Schulen wieder gefördert werden. Es ist aber auch umstritten, ob Milch tatsächlich so gesund ist, wie alle sagen. Was meinen Sie dazu?

Alois Stöger: Da halte ich mich an den Rat von Experten.

smokefreerevolution: Was denken Sie ist in Österreich das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko?

Alois Stöger: Zu wenig Bewegung bzw. einseitige Bewegung.

Grigio: Warum wird die Raucher-/Nichtraucherproblematik auf den Rücken der Gaststättenbetreiber ausgetragen. Warum keine allgemeines Rauchverbot an JEDEM Arbeitsplatz?

Alois Stöger: Am Arbeitsplatz müssen Nichtraucher vor Rauchern geschützt werden, das ist schon Gesetz.

Lehmann Sister: Haben Sie eine Idee, was wir mit den vielen unsinnigen Grippeschutzmasken von Rauch-Kallat tun kann?

Alois Stöger: Nein.

Horst Schlemmer: Der Name Krankenkasse sagt eigentlich schon alles. Sollte es nicht Gesundheitskasse heißen und dementsprechend in Gesunheitsvorsorge investiert werden?

Alois Stöger: das ist ein guter Punkt. Die Oberösterreichische Kasse trägt auch den Namen "Forum Gesundheit".

robert2006: Herr Minister, was kann man gegen die ausufernden Kosten bei Medikamenten machen. Die Pharmaindustrie kauft sich rücksichtslos jede Unterstützung, damit hier keine Einschränkungen passieren.

Alois Stöger: Die Entscheidung über ein wirksames Medikament soll ein Arzt eine Ärztin treffen. Das richtige Medikament ist das billigste. Die Ärzteschaft soll bei wirkungsgleichen Medikamenten das günstigste verschreiben.

ModeratorIn: Userfrage per Mail: Wie stark ist die Gefahr der Vogelgrippe derzeit?

Alois Stöger: aktuell nicht vorhanden.

Pressesprecher: Haben Sie persönlich schon einmal einen Heilpraktiker/Heiler aufgesucht? Falls ja, welche Erfahrung haben Sie dabei gemacht?

Alois Stöger: Habe ich nicht gemacht. Ich war noch nie bei einem Heilpraktiker.

Heinrich August Gotha: Wieso wird die Höchstbemessungsgrundlage nicht abgeschafft? Das wäre ein leichter und sozial fairer Weg die Kassen zu sanieren und sichern.

Alois Stöger: Da gibt es derzeit keinen gesellschaftlichen Konsens.

ModeratorIn: Userfrage per Mail: Werden Sie als neuer Gesundheitsminister die notwendige Gesundheitsreform zustande bringen? Und wie möchten Sie daran gehen?

Alois Stöger: Ich arbeite an der Verbesserung des Gesundheitsystems. Ich will alle Partner einladen aus der Perspektive der betroffenen Menschen Qualitäten zu verbessern. Ich will mehr Transparenz im Gesundheitswesen haben, damit besser mit begrenzten Ressourcen umgegangen wird.

ehagleitner: warum gelingt es in Ö nicht, ein generelles Rauchverbot analog andere EU-Staaten einzuführen?

Alois Stöger: Habe ich schon zwei Mal beantwortet.

ModeratorIn: Userfrage per Mail: Die Uni-Kliniken leisten mit ihrer medizinischen Versorgung viel Arbeit, das Budget dafür wird aber trotzdem zum großen Teil von den Uni aufgebracht. Den Unis fehlt dafür das Geld. Soll man da nicht was ändern?

Alois Stöger: Auch diese Frage ist Teil der Gesundheitsdiskussion. Wir müssen die Probleme gesamt sehen und auch die Forschung mitdenken.

ModeratorIn: Userfrage per Mail: Sie kommen ja aus Oberösterreich. Haben Sie sich in Wien schon eingelebt?

Alois Stöger: Ja, jeden Tag mehr.

ModeratorIn: Die Stunde ist um. Danke fürs Kommen, Herr Minister!

Alois Stöger: Ich bedanke mich für die interessanten Fragen.

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