"Rote Flagge" ignoriert

14. Jänner 2009, 17:45
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US-Sammelkläger werfen Österreichern "mangelnde Kontrolle" vor

Wien - Die Bank Medici sieht denFolgen der US-Sammelklage gelassen entgegen. "Wir evaluieren sie und sorgen, wenn es nötig ist, für eine Vertretung in New York" , lautet der Kommentar von Andreas Theiss, Rechtsanwalt der Bank.

Eingegangen ist die 21-seitige Klagsschrift, wie berichtet, am Montagnachmittag am US Court for the Southern District of New York, Richter Richard Berman wird sich darum kümmern.

Geklagt hat die Gesellschaft Repex Ventures S.A., die laut Klage am 28. Februar des Vorjahres 700 Anteile à 1000 Dollar am Herald US Fonds Absolute Return gekauft hat. Herald wurde von der Wiener Bank Medici vertrieben. Die österreichischen Beklagten sind neben der Bank deren 75-Prozent-Aktionärin Sonja Kohn, Kurzzeit-Medici-Chef Peter Scheithauer (er war von September 2008 bis Jänner im Medici-Vorstand; Anm.), Herald USA Fund, Herald Luxemburg und Thema Fund sowie die Bank Austria.

In der Klage (der STANDARD betont, dass die Unschuldsvermutung gilt) ist die Rede von einem "massiven und beispiellosen Ponzi-System", das Madoff aufgezogen habe. Nach dessen Verhaftung hätten "etliche Fonds zugegeben, dass sie nicht viel mehr alsFeeder-Fonds" für Madoff gewesen seien, auch Herald, Primeo und Thema. Sie alle hätten "Mittel direkt von Investoren eingesammelt und (...) an Madoff geliefert".

Die Rolle von Medici und Co. beschreiben die Kläger, die von der auf Sammelklagen spezialisiertenKanzlei Stull, Stull & Brody vertreten sind, so: "Medici kontrollierte Herald, Primeo und Thema" und veranlasste, dass die Fonds bei Madoff landeten.

"Medici, gemeinsam mit Kohn, Scheithauer, Bank Austria, UniCredit und Pioneer (die Fondsmanager) haben den Investoren dargestellt, dass sie die Mittel in den Wertpapiermarkt investieren würden, und dass die Anleger die Gewinne daraus teilen würden. Die Fondsmanager haben regelmäßige Einnahmen versprochen, manchmal mehr als zehn Prozent Gewinn. Die Fondsmanager haben ihre Investoren nicht darüber informiert, dass sie als Zubringer Fonds für Madoff agieren. Madoff hat den Fondsmanagern verboten, ihn (...) als tatsächlichen Manager zu nennen."

Und, so die Kläger weiter: Die Beklagten hätten die Investoren glauben lassen, dass sie Gewinne erzielten und sie so zu weiteren Investitionen veranlasst. Tatsächlich habe der Kläger nicht an Gewinnen aus Wertpapieren partizipiert. "Vielmehr hat Madoff das Investorengeld zur eigenen Verwendung gestohlen und um Investoren zu bezahlen, um so den falschen Eindruck zu erwecken, dass es hohe Gewinne gibt."

Herald, Primeo, Thema und ihre Fondsmanager hätten Dutzende Warnzeichen ("red flags" ) ignoriert. Unter anderem "die Weigerung Madoffs, seine Strategie bekanntzugeben" , aber auch zwei Warnbriefe von Madoff-Konkurrent Harry Markopolous an die US-Börsenaufsicht SEC. Zu guter Letzt sei nicht aufgefallen, dass Madoffs Wirtschaftsprüfer nur ein Zwei-Mann-Unternehmen mit Mini-Büro gewesen sei. (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.1.1.2009)

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