Frächter spüren Rückgang bei Holz, Auto und Stahl

14. Jänner 2009, 17:42
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Minus 15 Prozent im Dezember im ÖBB-Güterverkehr

Wien - Konjunkturabschwung, Absatzkrise und Zwangsferien in Autowerken hinterlassen in Österreichs Transportwirtschaft tiefe Furchen. Allein der ÖBB-Güterverkehr Rail Cargo Austria (RCA) musste im Dezember beim Frachtvolumen einen Einbruch um bis zu 20 Prozent verbuchen, erfuhr der Standard in hohen ÖBB-Kreisen.

Zusammen mit den schwachen Monaten Oktober und November werde sich dieser Einbruch in der RCA-Bilanz 2008 schmerzlich niederschlagen, erwarten hochrangige Eisenbahner. Derzeit werde gerade intensiv an neuen Business-Plänen für die einzige ÖBB-Cash-Cow gearbeitet, denn das im Dezember präsentierte Zahlenwerk sei seit Jahreswechsel de facto obsolet, weil unerreichbar.

ÖBB-Sprecher Alfred Ruhaltinger stellt in Abrede, dass es im Oktober und November Rückgänge bei der Tonnage gegeben habe, und fünf Prozent plus bei Umsatz und Tonnage in Aussicht. Beide Werte lägen 2008 klar im Plus. Allerdings räumte der ÖBB-Sprecher ein, dass sich das Frachtaufkommen in den traditionell starken Branchen Holz, Automotive und Stahl empfindlich abgeschwächt habe. Diese habe RCA aber in den Branchen Agrar, Mineralöl und Kontraktlogistik (Stückgut/Bex) wettmachen können.

Ob sich die positiven Umsatz-Meldungen auch im Ertrag niederschlagen würden, sei derzeit noch nicht abzuschätzen, denn die Bilanz werde gerade erstellt. Die angepeilte Marke von hundert Millionen Tonnen an Gesamttransportvolumen sei zumindest theoretisch noch erreichbar.

2007 hatte die RCAaus dem Güterverkehr 906,3 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet, das Gesamttransportvolumen betrug 97 Millionen Tonnen. Weitere 84,5 Mio. Euro Umsatz steuerte die - mit Millionen an Staatshilfen massiv subventionierte - Rollende Landstraße zum RCA-Umsatz bei.

Insider sind skeptisch beim (übers Jahr gerechnet) positiven Geschäftsverlauf. Das Dezemberloch werde das durch den Mav-Cargo-Kauf ohnehin strapazierte RCA-Ergebnis an die Null-Linie zu drücken. Der Gewinnpolster der RCA ist überschaubar: 2007 betrug der Betriebserfolg (Ebit) 16,4 Mio. Euro, der Jahresüberschuss 20,2 Mio. Euro.

Besorgt macht zudem, dass ausgerechnet die Sparten Logistik und Cargo Einnahmenrückgänge verursacht hätten. Das ist insofern bitter, als dies die Cash-cows der RCA sind. Dass damit die laut ÖBB über Plan liegenden Zahlen der ersten neun Monate aufgefressen würden, bestreitet man bei der ÖBB. Im Vergleich zur Deutschen Bahn mit einem Minus von 40 Prozent sei man gut unterwegs.

Deutlich weniger Lkw-Maut

Wie hart es für die Transportwirtschaft insgesamt wird, lässt sich am Rückgang der Einnahmen aus der Lkw-Maut bei der Asfinag ablesen. Sie seien im letzten Quartal 2008 um zehn Prozent zurückgegangen. Hochgerechnet auf das Jahr muss die Asfinag mit 100 Millionen Euro an Mindereinnahmen rechnen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.1.1.2009)

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