Standard-Interview

Busek rät den Universitäten zum Streik

14. Jänner 2009 17:57
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    Foto: standard/newald

    "Eine Regierung sollte so intelligent sein und wissen, dass Investition in Bildung auf jeden Fall eine Investition in die Zukunft ist" , sagt Ex-VP-Chef Erhard Busek.

Der Ex-Wissenschaftsminister kritisiert die Bildungspolitik der Regierung scharf

STANDARD: Die Regierung widmet sich momentan ganz dem Kampf gegen die Wirtschaftskrise. Sie spannt Schutzschirme über Banken und schnürt Konjunkturpakete. Die Forschung hungert relativ unbeachtet vor sich hin. Unis und Science-Community sind alarmiert. Zu Recht?

Busek: Die Gefahr ist sehr groß, dass wir die Krise nicht nutzen, um im Bereich Bildung, Weiterbildung, Qualifizierung etwas zu tun. Das aber ist die entscheidende Frage. Wir werden den Autoabsatz nicht retten mit Verschrottungsprämien, sondern sicher nur, wenn es Forschung gibt, die quasi neue Autos entwickelt. Wir sind darauf überhaupt nicht vorbereitet. Das Regierungsprogramm hat zwar einen Warenhauskatalog von bildungspolitischen Fragen, aber es ist überall das berühmte Sternderl dabei - "nach Maßgabe der Budgetmittel" . Mir fehlt die Prioritätensetzung.

STANDARD: Die Schwerpunkte der Regierung in den bisherigen Konjunkturpaketen sind die falschen?

Busek: Ja, es wird nur kurzfristig gedacht. Das ist Appeasement-Politik für bestimmte Gruppen, bloße Beschwichtigungspolitik.

STANDARD: Jede Regierung steht sich selbst am nächsten, und sicher spekuliert auch die jetzige damit: Wenn wir kurzfristig dafür sorgen, dass die Bauarbeiter bauen und wir Straßenstücke eröffnen können, dann ist das bei der nächsten Wahl bekömmlicher als schwer verdauliche Forschungsinvestitionen, von denen erst die nächste Regierung profitiert.

Busek: Ich gehe auf die Bauarbeiter ein und sage, es gehört dringend ein Programm her, dass wir überhaupt in der Lage sind, Ganztagsschulen und Gesamtschulen anzubieten, wir haben ja die Gebäude dafür gar nicht. Das wäre ein Bauprogramm. Die Regierung setzt wirklich nur auf kurzfristige Dinge und nicht auf die langfristigen. Wir verschieben das Problem wieder nur hinaus. Steckt das Geld in die Schulen, in die Fachhochschulen, in die Universitäten, in die Forschung! Das wäre weitaus wirksamer. Offensichtlich haben die Forscher und die Unis keine Lobby.

STANDARD: Wer könnte Lobby sein?

Busek: Die Jugend selber und alle Eltern im Hinblick auf die nächste Generation, und, wenn Sie es so handfest wollen, im Hinblick auf ihre eigenen Pensionen. Das ist ja eine fast zynische Bemerkung. Eine Regierung sollte so intelligent sein und wissen, dass Investition in die Bildung auf jeden Fall eine Investition in die Zukunft ist.

STANDARD: Unis und Forschungseinrichtungen tun aber das ihre, um der Regierung das zu verdeutlichen, offenbar hilft es nur nix. Oder verbuchen Sie das als die übliche Jammerei vor Budgetverhandlungen?

Busek: Ich verstehe den Aufschrei, mir ist er sogar zu wenig. Ich würde noch weitaus mehr aufschreien unter dem Gesichtspunkt "Zukunft" und klipp und klar sagen, damit diese Art von Regierung es auch versteht: Die Unis sollen zum Streiken aufrufen. Die Unis jammern zu Recht, sie müssten es nur noch massiver und konkreter tun. "Wir haben zu wenig Geld" ist zu wenig. Ich kann etwa für die Fachhochschulen sagen: Der Bundeszuschuss pro Studienplatz müsste in Wirklichkeit um 30 Prozent höher sein, er ist nämlich nicht verändert seit 1995. Und das ist genau die Inflationsrate. Wir kriegen angeblich jetzt zehn bis 13 Prozent mehr, aber das ist noch nicht im Budget. Und es sind auch nicht 30 Prozent.

STANDARD: Die Unis haben Ihrer Ansicht nach wirklich zu wenig Geld?

Busek: Sie haben mit Sicherheit zu wenig Geld.

STANDARD: Und wer sollte streiken?

Busek: Die Lehrer, die Studenten, die Eltern. Alle, denen es um die Frage der Zukunft geht. Das Angebot stimmt nicht. Es ist zu wenig. Beispiel Medizin-Unis: 95 Prozent von deren Budget sind gesetzlich vorgegeben. Der eigene Spielraum ist fünf Prozent. Wie wollen Sie damit eine Universität gestalten? In Wahrheit sind die Unis alle viel zu lammfromm. Die könnten sich hinstellen und sagen: Bitte schön, wir forschen nix mehr, wir behandeln nichts mehr oder so irgendetwas.

STANDARD: Glauben Sie, in Kenntnis der österreichischen Seele, dass die Unis mit großer öffentlicher Sympathie rechnen können, wenn sie wirklich ernst machen und streiken?

Busek: Ich glaube, dass die Universitäten und die Bildungslandschaft gesamthaft ihren Zukunftsaspekt stärker herausarbeiten müssen. Im Bereich Klima ist das gelungen, für diese Fragen gibt es heute ein allgemeines Verständnis. Daran ist auch für den Bildungsbereich öffentlichkeitsmäßig zu arbeiten. Für Gesundheit gibt's Verständnis. Nur, Gesundheit heißt bei uns immer Sozialversicherung und zum Beispiel nie Medizin-Unis.

STANDARD: Eigentlich wäre das doch Aufgabe der Politik, diesen Bewusstmachungsprozess zu forcieren.

Busek: Das ist meine Kritik, und da übe ich auch deutliche Kritik an der Volkspartei. Der Bildungssprecher Werner Amon sitzt nicht einmal im Parlament. Das ist ein Witz. Katharina Cortolezis-Schlager haben sie den Job der Bildungssprecherin aus irgendwelchen bündischen Gründen nicht gegeben, weil das ein ÖAABler sein muss. Das ist, bitte, abenteuerlich. Wie auch die Bildungspolitik einfach zu ernst ist, um sie nur einem Lehrervertreter zu überlassen. Konkret dem Fritz Neugebauer. Das ist ein Lehrergewerkschafter, der sehr gut ist auf dem Gebiet. Aber in Wirklichkeit braucht man eine gesamthafte Auseinandersetzung mit Bildung. Wissenschaftsminister Johannes Hahn ist da allein auf weiter Flur.

STANDARD: Der Rektor der Montan-Uni Leoben, Wolfhard Wegscheider, sagte im Standard, wenn es keine entsprechende Budgetaufstockung gibt, dann würde er halt einfach die Leistungsvereinbarung nicht unterschreiben. Hätten Sie dafür Verständnis? Immerhin müssen die Rektoren ja dafür geradestehen.

Busek: Vollstes Verständnis, weil das die logische Folge der Autonomie ist. Der Rektor hat gelernt, dass er für sich selbst verantwortlich ist und niemand anderen hat. Er muss die Voraussetzungen schaffen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Wenn er den Eindruck hat, er kann das damit nicht, unterschreibt er einfach nicht. Da bin ich ganz seiner Meinung. Und ich würde dasselbe der Medizin-Uni empfehlen.

STANDARD: Was verlangen Sie für den Fachhochschulsektor?

Busek: Das entscheidende Problem ist, dass es keinen weiteren Ausbauplan gibt, der ist dringend notwendig, gerade unter der gegebenen wirtschaftlichen Situation. Die Regierung müsste ein Werbeprogramm machen, dass die technischen Studienrichtungen stärker nachgefragt werden. Die Leute bringen wir an wie die warmen Semmeln, die Arbeitsplatzsituation ist traumhaft. Wir haben gegenwärtig 1200 Fachhochschul-Absolventen und davon 25 Arbeitslose. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD-Printausgabe, 15. Jänner 2009)

Zur Person:

Erhard Busek (67), Ex-ÖVP-Vizekanzler, derzeit Vorstand des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa, Rektor der Fachhochschule Salzburg und Vorsitzender des Uni-Rats der Medizin-Uni Wien.

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utarefson
21.01.2009 19:18
Der bunte Busek

hätte schon früher aufhören sollen mit dem Singen der Internationale.
Jetzt kommt er daher mit seinen Ratschlägen. Nach gackern nennt man das, und das kann bald wer.

badat
15.01.2009 22:20

Die Frage bezüglich der österreichischen Seele ist leider sehr treffend. Wenn man sich umhört, werden die meisten zuerst bestätigen, daß wir "mehr Forschung" brauchen. Diese Zustimmung kippt aber recht schnell, wenn die Leute erfahren, daß damit das Geld auch Studenten zu Gute käme, denn diese zählen für die dumm-stolze Bevölkerungsgruppe (oder gar -mehrheit?) nur als "faule Hund die wos nix hackln tuan".

Vergib ihnen
15.01.2009 19:03
herzlichen Dank, Herr Busek,

von einer Mutter, einer Akademikerin, einer späteren Pensionistin oder sowas Ähnliches,

sociovation
15.01.2009 18:10
Buseks Empörung ist verständlich und richtig

Wirklich seriös wäre sein Statement aber erst dann, wenn er sich gegen die Steuersenkungspläne seines Parteikollegen Pröll aussprechen würde - außer Busek glaubt, dass das Geld für seine Pläne vom Christkind oder vom Osterhasen kommt.
Am besten wäre es, die Gelder durch Vermögenssteuern einzuheben - dann haben wir ein akademisch geschlossenes System.

X Xenophon
15.01.2009 16:52
Egal, welche Universität oder HS, überall gibt's positive Stimmung, ...

ausreichende, moderne und zweckmäßige Ausstattung und Räume, es wird zielführend gearbeitet. Ich verstehe, dass man jammern muss, um mehr zu bekommen, aber es müssen micht auch noch die Buseks et al. medial verwertet werden ;-(

Regis 1
15.01.2009 17:18
Egal, welche Universität oder HS, überall gibt's positive Stimmung,

in welchem land leben sie, bitte?

sociovation
15.01.2009 18:19
In Griechenland natürlich

Dort ist immer ein Bombenstimmung...

H.P. Lovecraft
15.01.2009 16:44
JUCHU!

1000 ROSEN HERR BUSEK!

Das wäre doch eine tolle r-Evolution wenn sich der einzelne Mensch einmal wieder was trauen würde und nicht mit lieben großen Äuglein in seiner warmen Stube hockt und hofft, dass es nicht so schlimm wird!
Selbst Entscheidungungen treffen und sich selbst verantwortlich fühlen was dann passiert, dass wäre doch was einmal.
Ich kenne das am eigenen Leibe wie schwer dieses ist, aber je mehr ich es mache, desto besser fühle ich mich.

Wohin das uns dann bringt? Keine Ahnung, aber die Frischluft wird uns sehr gut tun.

cheers!

H.P.

Mucosaprolaps
15.01.2009 17:45

"Keine Ahnung wo ich hinwill, aber wenn ich die Augen vor den Problemen verschließe, fällt das Feiern gleich viel leichter" - ziemlich erbärmliche Selbsteinschätzung

Heimwerkerkönig
 
15.01.2009 16:15
Ein betulicher Versager...

... der vom Spielfeldrand Ratschläge gibt.
Solche Leute kann es nie genug geben.

rätätä, rätätä ...
15.01.2009 17:58
Sie meinen, Versager so wie Sie und ich,

die wir aus der relativen Anonymität unserer User-Accounts mehr oder weniger sinnlose Kommentare posten?

Mucosaprolaps
15.01.2009 17:46

Du stehst mehr auf die schreienden Möchtegern-Spielmacher?

Evelyne R.
15.01.2009 16:07
Herr Busek ist einfach zu schade für Österreich!

Ein Jammer um den Mann! Voll intelligent, klug, weitblickend. Kein Wunder dass er nie hinaufgekommen ist. Ja, Briefe hab ich geschrieben als Mutter, gestreikt hätte ich ohnehin. Geredet habe ich und geredet - dann habe ich meine Tochter nach England geschickt auf die Uni. Und ob sie jemals in Wien arbeiten wird, bezweifle ich. Ein Hoch der EU! Damit kann man zumindest im restlichen Europa irgendwo studieren und arbeiten. Österreich wird noch ein paar hundert Jahre brauchen, bis es soweit ist.

torch
 
16.01.2009 00:28

"Ein Jammer um den Mann! Voll intelligent, klug, weitblickend. Kein Wunder dass er nie hinaufgekommen ist."


Das ist das Problem vieler Akademiker, dass sie genau nichts bewegen. Gemessen an dem Ausbildungsstand sind nur wenige selbständig, bewegen was.

Simplicius Simplicissimus
15.01.2009 16:16
Ich glaube ...

... die Erkenntnis kann schon früher in die Hirne. Prinzipiell schon ab sofort!

rrrn
 
15.01.2009 15:44
Wer soll streiken?

Diejenigen, die sich das trauen, werden regelmaessig aus den Unis rausgemobbt.

rätätä, rätätä ...
15.01.2009 18:05
Und wenn mal "gestreikt" wird an den Unis,

dann ist das selten wenig mehr als ein gewerkschaftlich organisiertes (und bezahltes) Würstel-Essen. Das kann man sich sparen. Darüber berichtet in den Medien ja nicht mal mehr das Lokal-Programm.

Die Unis haben halt kein unmittelbares Druckmittel, dass den Regierenden so weh tun würde, dass sie sich damit beschäftigen müssten.

rrrn
 
16.01.2009 09:32

"Druckmittel": ist ja vorhanden: das wissenschaftliche Vorgehen. Die Politiker wuerden schauen, wenn die Medizin die Forschung einstellen wuerde oder zB Politiker nicht mehr operieren wuerde. Die Militaers wuerden schauen, wenn die Wissenschafter sie nicht mehr unterstuetzen wuerden.
Apropos: die Menschheit kann nur ueberleben ohne Gewalt. Daher muessen wir -nicht nur - in Oesterreich die Waffenfabriken schliessen. Siehe Glock-Pistole: http://de.wikipedia.org/wiki/Glock-Pistole. und und und ...

LiTaiPe
15.01.2009 15:42
noch deutlicher...

ich glaube man kanns auch noch deutlicher sagen. eine gesellschaft hat überhaupt nur eine chance zu bestehen wenn sie sich weiterentwickelt, vor allem geistig und bildungsmäßig. denn andere länder und gesellschaften tun das. seit beitritt zu EU ist das noch viel dringlicher geworden. denn ebenso wie nur unternehmen bestehen bleiben die die besten mitarbeiter haben, genauso ergeht es den ländern einer union. in den USA sind ganze landstriche bzw. staaten fast leer da arbeit, unternehmen, bildung d.h. leben sich dort konzentriert wo die voraussetzungen am besten sind. evtl. sollten die Ö politiker mal holistischer denken. niemand braucht Ö, und wenn wir uns nicht selbst zukunftsorientierter entwickeln dann bleibt halt ein naturbergland übrig

rrrn
 
16.01.2009 09:53

Was wollen Sie statt dem Naturbergland? Ein Plastikland wie die USA? Woher nehmen Sie dann zB Medikamente und die Luft zum Atmen? Ich brauche Oesterreich, da ist es (noch) gemuetlich in Wirtshaeusern, da muss ich nicht im Lokal stehen oder gehetzte Leute an mir vorbeirasen sehen. McDonalds, Star Bucks - des Wahnsinns fette Beute.
(Ich bin kein FPOe/BZOe...waehler).

LiTaiPe
16.01.2009 19:05
ein

ein naturbergland ohne menschen, arbeit und österreicher.. klingt auch schön, ist es auch. aber falls wir uns um unser fortbestehen als österreicher sorgen machen bzw. unserem nachwuchs hier auch noch ein land zum leben bieten wollen, dann sollten wir bald mal was unternehmen.

rrrn
 
19.01.2009 12:12

Warum ohne Menschen?

rätätä, rätätä ...
15.01.2009 18:19
In Oberösterreich plakatiert die ÖVP:

"In Zeiten wie diesen - Gut, dass es Oberösterreich gibt!" und daneben das Bild eines dicken Typen im Blaumann, der so ähnlich ausschaut wie Pröll.

Was man von so einer Partei zu erwarten hat, sollte
klar sein.
Aber Naturbergland sind wir wirklich ein schönes, und auch dem Tourismus kommt eine grosse Bedeutung zu. :-)

Kultur1
15.01.2009 15:33
Sei ca. 2002 ist Busek ein Grüner

auch wenn er sich nicht traut sich zu outen.

Ich finde es schad, er sollte der ÖVP nun wirklich den Rücken zudrehen !

gwfak
15.01.2009 16:55
Busek wusste grün

schon immer in seine christdemokratische Weltsicht einzubauen. Da war von einer grünen Partei noch weit und breit nichts zu sehen.

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