Augarten wird zum Mauerblümchen

14. Jänner 2009, 17:39
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Krise im Porzellanmarkt kostet Arbeitsplätze in Wien - Abschied vom Massengeschäft

Wien - "Die Porzellanindustrie hat in den vergangenen 20 Jahren jedes Jahr ein Minus erzielt" , sagt Erhard Grossnigg, Augarten könne sich da nicht abkoppeln. Grossnigg gilt als Firmenretter, vor fünf Jahren kaufte er den Traditionsbetrieb aus dem Konkurs. Augarten in die Gewinnzone zu führen, sei bisher nicht gelungen, erzählt er im Gespräch mit dem Standard, die Branche stecke in massiven Problemen.

Seine Manufaktur müsse auf die Krise reagieren, sich reorganisieren und die Fertigung reduzieren. Und das koste Arbeitsplätze. Augarten werde künftig nicht mehr für die Regale produzieren, sondern vorwiegend auf Bestellung. Grossnigg spricht von Arbeit wie in einer Maßschneiderei, "jedes Stück wird ein Unikat". An zwei der vier Filialen wolle er in jedem Fall festhalten, ebenso am Produktionsstandort Wien.

Gespräche mit den Betriebsräten laufen, die Hälfte der insgesamt 80 Arbeitsplätze wackeln, ist aus der Gewerkschaft zu hören, auch jene der Betriebsräte. Diese wollen sich dazu derzeit noch nicht äußern.

Die Branche sei komplett im Umbruch, sagt Carl Hennrich vom Verband Stein und Keramik. Die Europäer seien mit einem Personalkostenanteil von bis zu 75 Prozent bei der Zierkeramik gegen China nicht konkurrenzfähig. Die Zeiten, in denen sich Haushalte regelmäßig mit Porzellan eindeckten, seien vorbei, der Fachhandel breche weg.

In Wien schließt der Traditionsbetrieb Rasper & Söhne Ende dieser Woche in der Habsburgergasse. Noch werfe sie die Flinte nicht ins Korn, sagt Chefin Daniela Birkmayer, geborene Rasper, auch wenn die Ikeas dieser Welt eine harte Konkurrenz seien. In einigen Wochen zeige sich, ob sie eine neue Filiale finde. In Österreichs Industrie hat von einst 15 Herstellern von Tafelporzellan und -keramik neben Augarten nur "Gmundner" überlebt. Diese treten gegen die Krise mit ihrem günstigeren Landhausstil an.

Augarten musste in seiner 300-jährigen Geschichte mehrfach vor dem Ruin gerettet werden. In seiner jüngsten Glanzzeit vor rund 25 Jahren zählte der Betrieb bis zu 400 Mitarbeiter, es folgten Fehlinvestitionen und Missmanagement. Zuletzt soll der Umsatz bei sechs Mio. Euro gelegen sein.
Grossnigg kürzte Gehälter um gut 40 Prozent, wechselte vom Industrie- in den Gewerbe-KV, modernisierte die Produktion, holte Künstler ins Haus. Vom Plan, die Weißwaren-Herstellung auszulagern, kam er ab. Augarten verdiene es, dass man auch künftig noch Geld hineinstecke, meint er. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.1.1.2009)

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