Papierwerk mit 485 Mitarbeitern schließt

14. Jänner 2009, 16:25
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Salzburg - Die Papierproduktion von M-real in Hallein (Tennengau) wird zugesperrt: 485 der 680 Beschäftigten verlieren ihren Arbeitsplatz. Dies wurde am späten Mittwochnachmittag bei einer Betriebsversammlung bekanntgegeben. Die Zellstoffproduktion sowie die Energieerzeugung sollen fortgeführt werden.

Die ersten Arbeiter in der Papierfabrik werden schon in den nächsten Tagen zur Kündigung angemeldet. Bis 2010 sollen die 485 Jobs gestrichen werden. Die Produktion von feingestrichenen Papieren wird schon mit 30. April dieses Jahres beendet. Erhalten bleiben dagegen die Zellulose-Produktion und das Elektrizitätswerk in der Fabrik - mit insgesamt rund 200 Arbeitsplätzen.

Aus auch im deutschen Gohrsmühle

Auch im Werk Gohrsmühle (Deutschland) soll im Verlauf des April die Produktion von gestrichenen Feinpapieren eingestellt werden: Die Auswirkungen auf Anlagen und Beschäftigte werden noch geprüft, teilte M-real am Nachmittag in einer Aussendung mit. Für die Gohrsmühle in Bergisch Gladbach wurde eine Konzentration auf die Produktion von Spezialpapieren, ungestrichenen Feinpapieren in Format und Bogen vereinbart. Die Verhandlungen über die Zukunft der Zellstofffabrik in Hallein würden intensiv weitergeführt.

In den vergangenen Monaten wurde von verschiedenen Investoren ein Kaufinteresse an der Papierfabrik in Hallein bekundet. Die Interessenten hätten Vorschläge gemacht, zunächst die Produktion von gestrichenen Feinpapieren fortzusetzen und erst zu einem späteren Zeitpunkt die Produktion auf Spezialpapiere, Faltschachtelkarton oder Getränkekarton umzustellen. "Aus Sicht der M-real Corporation konnten die Interessenten keine realistische Geschäftsidee darlegen und keine erforderlichen Finanzierungsnachweise erbringen." Die Produktionskapazität von gestrichenen Feinpapieren in Hallein und in der Gohrsmühle beträgt zusammen ca. 600.000 Tonnen pro Jahr.

"Wir glauben, dass wir in guter Zusammenarbeit mit der Politik eine Lösung für die Sicherung der verbleibenden Arbeitsplätze in Hallein erreichen werden", so Mikko Helander, Vorstandsvorsitzender der M-real Corporation.

Kampf geht weiter

Der Kampf um Hallein geht in Salzburg weiter, kündigten Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP), Wirtschaftsreferent LHStv. Wilfried Haslauer (VP) und AK-Präsident Siegfried Pichler nach Bekanntwerden des M-real-Beschlusses an. Alle zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten würden jetzt ausgenützt, hieß es seitens der drei Politiker.

Als "schweren Schlag für Hallein, den Tennengau und das Bundesland Salzburg" bezeichnete Burgstaller das heute bekanntgewordene Aus für die Papierproduktion am Standort Hallein. "Für das Land gilt dennoch: Der Kampf um jeden Arbeitsplatz geht weiter", betonte die Landeshauptfrau. "Das Land wird alle möglichen weiteren Versuche unternehmen, um den Druck auf Sappi und M-real weiter zu erhöhen und die Absprachen zwischen M-real und Sappi zu bekämpfen." Burgstaller hat mittlerweile mit der Konzernspitze von Sappi in Südafrika Kontakt aufgenommen und versucht noch im Jänner ein Gespräch zu organisieren. "Wir sollten uns nie vorwerfen müssen, nicht alles Menschenmögliche versucht zu haben", betonte die Landeshauptfrau.

"Die Situation wird immer schwieriger, aber wir geben sicher noch nicht auf und werden alle verfügbaren Mittel einsetzen, um doch noch Druck in Richtung eines Verkaufs der Papierfabrik an die Interessenten zu erreichen. Wir wissen jetzt, dass M-Real selbst definitiv nicht weiter produzieren wird, dennoch müssen wir weiter alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausschöpfen", erklärte Haslauer. Er habe alle verfügbaren rechtlichen Argumente zusammengetragen, "mit denen wir belegen werden, dass die Vereinbarung zwischen Sappi und M-Real hinsichtlich der dauerhaften Einstellung der Produktion in Hallein wettbewerbswidrig ist", so der Landeshauptmann-Stellvertreter.

Die Vorgangsweise von M-Real sei bezeichnend und in Wahrheit Beweis genug, dass es beim M-Real-Sappi-Deal ausschließlich um eine Marktbereinigung gehe: "Die vorhandenen Kaufinteressenten wurden bisher hingehalten und vertröstet, ohne konkret in Verhandlungen einzutreten. Das zeigt, dass es hier nur darum geht, sich dauerhaft Konkurrenz von Hals zu halten. Erschreckend ist, dass man dafür einfach den Verlust von Hunderten Arbeitsplätzen in Kauf nimmt", stellte Haslauer fest. Der Wirtschaftsreferent hofft, "dass unsere rechtlichen Schritte genügend Druck auf Sappi und M-Real erzeugen, um noch einmal an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Eine Verurteilung würde die betroffenen Konzerne Strafgelder in Millionenhöhe kosten".

"Sauerei"

Dass die Papierfabrik eingestellt werde, sei schon "eine Sauerei", sagte AK-Präsident Siegfried Pichler. Der eigentliche Skandal sei aber, dass keine weiteren Verkaufsgespräche zugelassen würden. Pichlers Strategie zur Rettung des traditionsreichen Betriebs in Hallein sieht vier Stoßrichtungen vor: Gemeinsam mit der Salzburger Landesregierung werden alle Möglichkeiten auf EU-Ebene ausgeschöpft; die Offerte zum Kauf der gesamten Papierfabrik müssen ernsthaft verhandelt werden; sollte es nur zu einer Teilübernahme durch das Werk Lenzing kommen, müssen dort nicht nur in der Zelluloseproduktion, sondern auch in neuen Nischen in der Papierherstellung Arbeitsplätze gesichert werden und "wenn alle Stricke reißen, muss ein Sozialplan für die Mitarbeiter erstellt werden, der M-real teuer zu stehen kommt".

Landeshauptfrau Burgstaller (SP) hat für morgen, Donnerstag, früh ein Krisengespräch einberufen, an dem Haslauer, Soziallandesrätin Erika Scharer (SP), die Belegschaftsvertretung des Halleiner Werks, Arbeiterkammpräsident Pichler, Gewerkschafts-Chef Walter Steidl sowie der Halleiner Bürgermeister Christian Stöckl teilnehmen. (APA)

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