4.000 Voestler arbeiten bis mindestens April kürzer

14. Jänner 2009, 17:36
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Die Kurzarbeit breitet sich in Österreich fächerförmig aus. Nach den verlängerten Weihnachtsferien muss nun auch die Voestalpine kürzertreten. Außer in der Sparte Bahnsysteme ist die Auftragslage überall angespannt.

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Linz/Wien - Rund zehn Prozent der insgesamt 42.000 Mitarbeiter der Voestalpine - davon rund 2700 in Österreich - werden in den kommenden Monaten weniger arbeiten und weniger verdienen. Denn der Stahl- und Verarbeitungskonzern spürt die Krise deutlich.
Mindestens 2000 der insgesamt rund 4000 Leiharbeiter im Voest-Konzern haben, wie berichtet, ihre Arbeitsplätze bereits verloren; einige weitere hundert könnten folgen, gab die Voest am Mittwoch bekannt. Darüber hinaus versucht die Voest, mit Maßnahmen wie dem Abbau von Überstunden, Resturlauben und Zeitguthaben über die Runden zu kommen und ohne Produktionsstillstand in den Semesterferien auszukommen.

Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Mit 15 Prozent kürzerer Arbeit und zehn Prozent weniger Lohn und Gehalt in den nächsten drei Monaten will man die schwere Delle an den Automotive-Standorten in Deutschland, den Niederlanden und natürlich in Linz durchschreiten. Betroffen: rund 1500 Beschäftigte. Darüber hinaus fährt der rückläufige Absatz natürlich auch in der größten Division, der Stahlproduktion in Linz, voll ein: Dort müssen 2500 Beschäftigte bis Mitte April kurzarbeiten.

Wann die Regelung in Kraft tritt, soll bald fixiert werden, derzeit laufen Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Management über die Konditionen. Die aktuelle Konjunktursituation sei nur mit "einschneidenden Maßnahmen" zu bewältigen, begründete Vorstandschef Wolfgang Eder den Schritt.

Darüber hinaus gehen in Österreich rund 150 Mitarbeiter in die von Land Oberösterreich und Arbeitsmarktservice (AMS) geförderte "Bildungskarenz plus" (wird von der öffentlichen Hand bezahlt).

Das Voest-Werk in Linz hat zum Jahreswechsel - wie berichtet, zum ersten Mal seit Jahrzehnten - zwei Wochen Werksferien gemacht. Damit wurde die Produktion um rund 150.000 Tonnen Stahl gedrosselt. Eine ursprünglich geplante Woche im Februar, die zusätzlich 100.000 Tonnen eingespart hätte, hofft man durch die Kurzarbeitsphase nun nicht mehr in Anspruch nehmen zu müssen.

Trotz der Produktionspause sei aber nicht genug Arbeit für alle Beschäftigten da: Die Lage stelle sich unverändert schwierig dar, so Eder, es sei auch keine Besserung abzusehen. Dennoch seien Kündigungen größeren Ausmaßes "nur das letzte Mittel zur Bewältigung der Krisensituation", die allerdings "von uns allen eine erhebliche Opferbereitschaft verlangen" werde, sagte Eder zur Belegschaft. Zuvor werde intern Personal umgeschichtet. Relativ gut läuft - auch dank staatlicher Investitionen - derzeit nur die Sparte Bahnsysteme, Böhler hingegen stöhnt unter Auftragsrückgängen, bei Buderus arbeiten an die 300 Leute kurz.

Der jüngste Schritt der Voest stockt die heimische Kurzarbeitsstatistik weiter deutlich auf: Beim AMS sind derzeit österreichweit knapp 10.300 Personen zur (öffentlich geförderten) Kurzarbeit angemeldet, inklusive der Voestler werden es bis Ende Jänner gut 6600 mehr sein. Im Februar - wenn die von der Regierung angekündigte Flexibilisierung steht - dürften weitere folgen. (ung, szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.1.1.2009)

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    Autoabsatz eingebrochen, schwächere Stahlnachfrage, weniger Nutzfahrzeuge: Krise, wohin das Auge blickt. 

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