Die Angst vor dem "Kürzungsmonster"

14. Jänner 2009, 13:26
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Bald liegen konkrete Budgetzahlen vor - Diskussion zwischen Pessimismus, Optimismus und "Realität"

Wien - Lauert vor Österreichs Unis und Forschungseinrichtungen ein "Kürzungsmonster" oder wird der erfolgreiche Weg der vergangenen Jahre fortgesetzt werden können? Diese Frage blieb auch bei einer Veranstaltung des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten Dienstagabend in Wien offen. Doch die bisher kolportierten Zahlen und erste Finanzierungsausfälle lassen bei Rektoren, Forschungsfonds und Akademie die Alarmglocken läuten, während Vertreter des Wissenschaftsministeriums zu mehr Optimismus mahnten. Mehr Klarheit verspricht man sich von einem ersten Budgetentwurf: Am Freitag (16.1.) sollen die einzelnen Ministerien erfahren, wie groß das für sie vorgesehene "Kuchenstück" sein wird.

Der Leiter der Hochschul-Sektion im Wissenschaftsministerium, Friedrich Faulhammer, warf den Vertretern der Wissenschafts-Szene "dramatischen Pessimismus" vor. Dies sei bei den Budgetverhandlungen "nicht so hilfreich". Doch die Chefs der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), der Universitätenkonferenz (uniko), des Wissenschaftsfonds FWF sowie des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) wollten sich keinen Pessimismus attestieren lassen. "Es geht auch um Realität", so ÖAW-Präsident Peter Schuster. Schriftlich liegen etwa bereits die Absagen von Budgetzuwendungen aus der Nationalstiftung an den FWF und die ÖAW vor, zwischen den Versprechungen der alten und neuen Regierung klafft eine Finanzierungslücke von 1,96 Mrd. Euro.

"Hier geht es nicht um die Wünsche von fünf grauhaarigen Herren, sondern um die Zukunft des Landes"

Die Sorge über massive Einbußen bei der Forschungsfinanzierung teilten die Teilnehmer, man stelle sich aber damit nicht gegen das Wissenschaftsministerium: "Wir alle stehen hinter dem Wissenschaftsminister", meinte etwa FWF-Präsident Christoph Kratky. "Ich verstehe unser Auftreten als Unterstützungsaktion", meinte auch uniko-Chef Christoph Badelt: "Hier geht es nicht um die Wünsche von fünf grauhaarigen Herren, sondern um die Zukunft des Landes."

Wenn die Reduktion des Budgetpfades so eintritt "wie sich das abzeichnet", dann habe man in der bisher positiven Entwicklung "eine Zäsur, die nicht leicht zu verkraften ist", sagte Schuster. Es sei leicht, Spitzenforschungseinrichtungen zum Scheitern zu bringen. "Es wäre ein großer Schaden, wenn durch die Finanzierungslücke Investitionen der vergangenen Jahre infrage gestellt würden."

"Wir wissen, dass die Wirtschaftskrise gekommen ist"

Badelt verwies auf die den Unis vor der Wahl versprochenen zusätzlichen 600 Mio. Euro pro Jahr sowie den Ersatz der ausfallenden Studiengebühren. "Wir wissen, dass die Wirtschaftskrise gekommen ist", die Zahlen könnten sicherlich nicht eins zu eins übernommen werden. Mit dem Ziel, zwei Prozent vom BIP für die tertiäre Bildung auszugeben, "gehen automatisch die Wachstumsraten herunter - es wären aber immer noch 400 Mio. Euro pro Jahr zusätzlich".

Auch der RFT-Chef Knut Consemüller ging auf die Finanzkrise ein, "aber bei Bildung und Forschung muss man anders sparen als in anderen Sektoren". Für 2009 müssten mindestens 250 Mio. Euro und für 2010 400 Mio. Euro zusätzlich zum nicht gekürzten Budget zur Verfügung gestellt werden. "Dafür lohnt es sich zu verschulden." Man habe gehört, dass die Regierung bei der Finanzierung der Forschung nachbessern werde, die häufig vernommenen 150 Mio. Euro wären aber "ein Tropfen auf dem heißen Stein".

"Ein Land, das ein Ziel hat, in das Spitzenfeld vorzudringen, braucht einen langen Atem und Kontinuität", so Kratky. Grundlagenforschung könne man nicht kurzfristig "ein- oder ausschalten". Die einzige Budgetzusage, die der FWF bisher habe, sei "eine Absage" - konkret, dass die Nationalstiftung für Forschung (im Gegensatz zu den Vorjahren) heuer nichts ausschütten werde.

Plus erhofft

"Zuversichtlich" zeigte sich Klaus Pseiner, Geschäftsführer der Forschungsförderungsgesellschaft FFG, über die künftige finanzielle Ausstattung für die Förderung der angewandten Forschung. Man sei überzeugt von dem eigenen Angebot, es gehe um die Erhaltung der Forschungskapazitäten in den Unternehmen. Man habe hier einen unglaublichen Hebel: "Wie will man Forschungsinvestitionen der Wirtschaft weiter am köcheln halten, wenn man Investitionen in Forschungsförderung zurückfährt?", erwartet sich Pseiner auch heuer ein rund zehnprozentiges Plus für die FFG. (APA)

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