Gutes Essen ist Staatssache

14. Jänner 2009, 16:16
6 Postings

Der berühmteste Koch begibt sich auf die Spuren des britischen Ministry of Food

"Gut, ehrlich, erschwinglich" - das sind die Ansprüche, die Jamie Oliver an die Gerichte in seinem neuesten Buch stellt. Damit will er, wie er sagt, auch "blutige Anfänger" an den Herd locken. Einfache Rezepte, großzügig bebildert und ausführlich beschrieben, sollen ihnen das Nachkochen schmackhaft machen: schnipseln und rühren statt auftauen und aufwärmen.

Dabei träumt Oliver von "einer der umwälzendsten Kochrevolutionen der Nachkriegszeit", wie er im Vorwort zu seiner "Kochschule" schreibt: Die Leute sollen kochen lernen und ihre Kenntnisse mit anderen teilen, auf dass schlechtes Fertig-Essen bald aus allen Küchen verbannt sei und alle glücklicher und gesünder würden. So weit so gut.

"Ministry of Food"

Das wirklich Spannende am neuen Kochbuch des Naked Chefs sind nicht die Rezepte, sondern die Geschichte dahinter. "Jamies Kochschule" heißt im Original nämlich "Jamie's Ministry of Food". Untertitel: "Learn to Cook and Pass it On". Im deutschen ist daraus "Jeder kann kochen". Was nicht ganz dem eigentlichen Credo entspricht: "Lerne kochen und gib es weiter."

Was es mit dem "Ministry of Food" auf sich hat? Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs rief die britische Regierung ein Ernährungsministerium ins Leben, das die Verfügbarkeit von Lebensmitteln sicherstellen und der Bevölkerung in Ernährungsfragen weiterhelfen sollte.

In diesem Sinn ist das Buch des britischen Vorzeigekochs einer nationalen Kochikone seiner Heimat gewidmet: Marguerite Patten. Während des Zweiten Weltkriegs war Patten für das "Ministry of Food" aktiv: Als eine von vielen Frauen, die mit einfachen Rezepten und Küchentipps im ganzen Land unterwegs waren. Sie sollten der Bevölkerung helfen, das karge Angebot an Lebensmitteln in der damaligen Zeit bestmöglich zu nützen.

Marguerite Patten und die "Kitchen Front"

Patten moderierte dazu ab 1944 auf BBC Radio die morgendliche Sendung "Kitchen Front", als eine der ersten in Großbritannien schaffte sie es 1947 mit einer Kochsendung auch ins Fernsehen. Im gleichen Jahr erschien ihr erstes Kochbuch. Dabei machte sie stets klar: "Ich bin eine Hauswirtschafterin, keine Chefköchin."

Noch 1999 startete die damals 84-jährige Patten eine neue Sendereihe auf BBC-Radio: Die "Königin der Lebensmittelmarken-Küche" präsentierte "Marguerite Patten's Century of British Cooking". In ihrer jahrzehntelangen Kochkarriere hat Patten gut 170 Kochbücher veröffentlicht, das letzte 2008: "Marguerite Patten's Best British Dishes" (Marguerite Pattens beste britische Gerichte, Grub Street).

Ganz im Sinne der Erfinderin präsentiert auch Jamie Oliver Rezepte, die das Prädikat "very british" verdienen: Vom "gesunden englischen Frühstück" bis zu den "britischen Scones" - die verkosten wir übrigens gerade in der EssBar. (nb)

Jamie Oliver
Jamies Kochschule
Jeder kann Kochen
Dorling Kindersley Verlag
ISBN 978-3-8310-1322-7
360 Seiten, 25,70 Euro

  • Artikelbild
    foto: verlag
  • Artikelbild
    foto: verlag
  • Artikelbild
    foto: verlag
Share if you care.