Fast fünf Milliarden Verlust

14. Jänner 2009, 18:01
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Die Deutsche Post steigt bei der Deutschen Bank ein und erleichtert damit die Übernahme der Postbank durch das Frankfurter Geldhaus

Berlin - Für Josef Ackermann war der Mittwoch kein guter Tag. Zum einen musste der sonst so selbstbewusste Chef der Deutschen Bank einräumen, dass Deutschlands größte Bank im Jahr 2008 zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg einen Verlust ausweist. Zum anderen steigt die Deutsche Post bei der Deutschen Bank ein. Das kann Ackermann zwar nur recht sein, da er so die Übernahme der Post-Tochter Postbank endlich perfekt machen kann. Doch an der Post ist auch der deutsche Staat zu einem Drittel beteiligt. Und somit hat nun ausgerechnet Ackermann mit seiner größten Privatbank des Landes indirekt den deutschen Staat mit an Bord.

Bisher ist die Deutsche Bank vergleichsweise glimpflich durch die Finanzkrise gekommen. Doch nun, wo die Zahlen für das vierte Quartal 2008 vorliegen, muss auch sie Federn lassen: Sie rechnet mit einem Verlust von 3,9 Milliarden Euro im Jahr 2008. Allein im vierten Quartal musste ein Minus von 4,8 Milliarden Euro verbucht werden. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 hatte der deutsche Branchenprimus noch ein Plus von 6,5 Milliarden Euro erwirtschaftet.

"Wir sind sehr enttäuscht" erklärt Ackermann und spricht von einem "extrem schwierigen Marktumfeld". Der Eigenhandel mit Kreditprodukten und Aktien sei erheblich belastet worden, dazu kamen weitere Abschreibungen.

Um sich vom bisher forcierten Investmentbanking unabhängiger zu machen, setzt Ackermann künftig durch die Übernahme der Postbank wieder mehr auf den Privatkunden-Sektor. 4,9 Milliarden Euro kostet der Deal - um ihn "kapitalschonender" durchzuziehen, wurde er jetzt neu ausverhandelt.

Die Mutter der Postbank, die Deutsche Post, steigt über eine Kapitalerhöhung vorübergehend mit acht Prozent bei der Deutschen Bank ein.

An der Post hält der deutsche Staat aber noch 30 Prozent. Noch vor kurzem hatte Ackermann erklärt, er würde sich "schämen" müsste sein Haus Staatshilfe in Anspruch nehmen - worüber sich die Bundesregierung maßlos ärgerte. Einen direkten Einstieg erwägt der Staat nun jedoch bei der schwer angeschlagenen Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE).

Die angeschlagene US-Bank Citigroup bringt indes ihr Wertpapierhandelsgeschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Morgan Stanley ein und bekommt dafür 2,7 Mrd. Dollar (rund zwei Mrd. Euro) in bar. Am Jointventure hält sie 49 Prozent. Bei der Citigroup sollen weitere Verkäufe und Ausgliederungen "fauler" Teile bevorstehen, was auf eine Aufspaltung der einst weltgrößten Bank hinauslaufen würde. (bau, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.1.1.2009)

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    Deutsche-Bank-Chef Ackermann kann diesmal kein Vorzeigeergebnis präsentieren.

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