Israel für jeden zweiten Deutschen ein "aggressives Land"

14. Jänner 2009, 15:54
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60 Prozent sehen laut Umfrage keine besondere Verantwortung wegen Nazi-Diktatur mehr

Hamburg/Berlin - Nahezu die Hälfte der Deutschen (49 Prozent) hält Israel nach einem Umfrageergebnis für ein aggressives Land. 59 Prozent erklärten, Israel verfolge seine Interessen ohne Rücksicht auf andere Länder. Dagegen sind nur knapp ein Drittel (30 Prozent) davon überzeugt, dass die israelische Regierung die Menschenrechte achtet. Über diese Ergebnisse der Forsa-Umfrage berichtete das Hamburger Magazin "stern" in seiner am Mittwoch erscheinenden Ausgabe. Israel weigert sich bisher, die völkerrechtlich bindende Resolution 1860 des UNO-Sicherheitsrates einzuhalten, in der eine sofortige Waffenruhe im Gazastreifen gefordert wird.

Gut ein Drittel der Deutschen (35 Prozent) sieht laut den Angaben mehr als 60 Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur eine besondere Verpflichtung der Deutschen gegenüber Israel. Eine klare Mehrheit von 60 Prozent sieht dagegen keine außergewöhnliche Verpflichtung mehr. Besonders ausgeprägt ist diese Sichtweise bei Jüngeren (70 Prozent), Ostdeutschen (68 Prozent) und Anhängern der Linkspartei (72 Prozent).

Lafontaine-Fans bezweifeln Existenzrecht

Zwar bezeichnen 45 Prozent der Befragten Israel nach den "stern"-Angaben als ein sympathisches Land. 13 Prozent stellen aber das Existenzrecht Israels infrage, bei den Anhängern der Linkspartei sind es sogar 28 Prozent.

Uneins sind die Deutschen in der Frage, wer an dem Gazakrieg die Hauptschuld trägt. 30 Prozent nannten in der "stern"-Umfrage die radikale Palästinenserorganisation Hamas. Besonders die Älteren und die Anhänger der Unionsparteien sehen das so. 13 Prozent geben Israel die Schuld - bei Jüngeren und Anhängern der Linkspartei sind es auch in diesem Punkt mehr. Dass beide Seiten gleichermaßen verantwortlich sind, sagen 35 Prozent.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat sich erschüttert über das kritische Bild gezeigt, das sich die Deutschen unter dem Eindruck der Gaza-Offensive von Israel machen. Die Umfrage übertreffe die schlimmsten Befürchtungen und untermauere die "einseitige Wahrnehmung des Nahost-Konflikts in Deutschland", sagte Knobloch am Mittwoch. Die Ursache der Umfragewerte sehe sie in der "unausgewogenen Berichterstattung" über den Konflikt: Israel werde dabei stärker kritisiert als die palästinensische Hamas.

Die Umfrage belege, dass der Großteil der deutschen Bevölkerung Ursache und Wirkung des Konflikts vertausche, erklärte Knobloch. "Israel nimmt als einzige Demokratie im Nahen Osten sein Recht auf Selbstverteidigung wahr", betonte sie. Ziel der Hamas sei es, Israel von der Landkarte auszuradieren.

Das Institut Forsa befragte tausend repräsentativ ausgesuchte Deutsche, die Fehlerquote wurde mit plus/minus drei Prozentpunkten angegeben. (APA/AP/Reuters)

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