Nokia stellt Toolkit Qt unter die LGPL

14. Jänner 2009, 10:49
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Entwicklung von proprietärer Software damit ohne Extra-Lizenz möglich - Bislang im Firmenumfeld ein entscheidender Nachteil gegenüber GTK+

Rasch nachdem Nokia Anfang 2008 die Übernahme des Qt-Herstellers Trolltech verkündet hatte, kamen Spekulationen über eine Lizenzänderung rund um das grafische Toolkit ins Laufen: Immerhin erwies sich die bisherige Lizenzkombination als entscheidender Nachteil gegenüber der Linux/Unix-Konkurrenz von Gtk+. Denn während Letzteres dank der Verwendung der LGPL auch für die Entwicklung proprietärer Software kostenlos benutzt werden kann, musste man für das selbe Unterfangen mit Qt eine eigene kommerzielle Lizenz erwerben.

Überlegungen

Eine Einnahmequelle, die freilich für ein Unternehmen in der Größe von Nokia kaum eine Relevanz besitzt, hier hat eine maximale Verbreitung der eigenen Technologie wesentlich mehr Gewicht als die bisherigen finanziellen Notwendigkeiten. Bei Nokia scheint man diese Einschätzung jedenfalls zu teilen: Das Unternehmen hat nun die Änderung des Lizenzmodells von Qt bekannt gegeben.

Ankündigung

Bereits ab der im März erscheinenden Version 4.5 von Qt soll das Toolkit unter der LGPL erhältlich und somit für jede Art von Software kostenlos zur Entwicklung verwendbar sein.  Bislang war dies durch das Dual-Lizenz-Modell mit der GPL einerseits und einer kommerziellen Lizenz andererseits der freien Softwarewelt vorbehalten. Für jene die daran interessiert sind, will Nokia die kommerziellen Lizenzen optional allerdings weiterhin anbieten.

Umschichtungen

Ein Schritt der durchaus nachhaltige Konsequenzen für die freie Softwarewelt haben könnte, immerhin war die Wahl der LGPL bislang ein zentraler Vorteil von GTK+ und damit auch des darauf basierenden GNOME-Desktops. Auch die Cross-Plattform-Entwicklung könnte mit einem modernen, kostenfreien Toolkit wie Qt für viele Hersteller interessanter werden, immerhin gibt es von der Software auch Windows und Mac OS X-Versionen.

Öffnung

Parallel zum Lizenzwechsel will Nokia die Entwicklung von Qt weiter öffnen, künftig soll der Source-Code in einem öffentlichen Git-Repository vorangetrieben werden. Außerdem will man auch eine bedeutende Einstiegshürde in die Qt-Entwicklung entfernen, die EntwicklerInnen müssen künftig kein Copyright Assignment mehr unterschreiben.

Hintergrund

Sein Haupteinsatzgebiet findet Qt bislang als Basis des Linux-Desktops KDE. Schon jetzt kommt die Software aber auch in einigen Closed-Source Produkten wie etwa Adobe Photoshop Elements, Google Earth oder Skype zum Einsatz. Nokia selbst will Qt künftig in den eigenen Produkten verstärkt einsetzen, eine Ausnahme bildet dabei die mobile Maemo-Plattform, die auch weiterhin rund um GTK+ aufgebaut werden soll. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 14.01.2009)

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