Eisbrecher, Rutschpartie und Bauernregel

14. Jänner 2009, 09:54
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Zu wenige Schneearbeiter und keine Absprache mit dem Wetterdienst hätten Chaos auf den Straßen verursacht - Vom Westen her soll Tauwetter kommen

Wien/Graz - Raus aus dem Pulli, rauf mit der Sonnenbrille, rein ins wärmende Sonnenlicht - spätestens im März ist es so weit. Vorausgesetzt, die Bauernregel "Kommt der Frost im Jänner nicht, zeigt im März er sein Gesicht" hält. Mittwoch war aber vorerst noch Winter mit allem, was dazugehört, angesagt. Sogar mit Schnee im bisher eher aper gebliebenen Osten des Landes.

Salzstreuverbot für Private in Wien aufgehoben

Pünktlich wie immer zu den ersten Schneeflocken in Wien wurde am Mittwochmorgen wegen Glatteisgefahr das Salzstreuverbot bis Donnerstag 8 Uhr für Privatpersonen ausgesetzt. Der städtische Winterdienst und private Räumfirmen schickten insgesamt an die 1400 Mitarbeiter auf die Straßen, was gemessen an der Länge des Wiener Straßennetzes jeder Schaufel zwei Kilometer Schnee auflud. Störungen im Verkehrsbetrieb blieben nicht aus: Die Bus-Linien 35A und 38A mussten vorübergehend ihren Betrieb einstellen, am Vormittag kollidierte am Stubenring ein Lkw mit einer Straßenbahn, verletzt wurde niemand.

Zu wenige Schneearbeiter

Dass zu Mittag auf vielen Straßen noch immer grau-brauner Matsch lag, störte vor allem die politische Rathausopposition: Zu wenige Schneearbeiter und keine Absprache mit dem Wetterdienst auf der Hohen Warte hätten Chaos auf den Straßen verursacht. Letzteres habe es aber gar nicht gegeben, hieß es auf Anfrage beim ÖAMTC. Schneefall verursache eben Schneematsch. Und Franz Bischof von der Straßenreinigung (MA 48) merkte an, dass "wir nicht überall zuständig sind". Schnee auf Gehsteigen und Privatstraßen lässt die Stadtverwaltung kalt.

Massenkarambolage auf der Südautobahn

In Niederösterreich konnten auch 1200 Räumfahrzeuge nicht verhindern, dass auf der West- und auf der Südautobahn Rutschpartien mit Blechschäden endeten. In Kärnten kam es auf der A2 bei St. Andrä zu einer Massenkarambolage, vier Personen wurden verletzt.

Glatteiswarnungen

Auch in Graz hörte man am Mittwoch schon in den frühen Morgenstunden das Kratzen der Schneeschaufeln auf den Gehsteigen. Im öffentlichen Verkehr kam es vereinzelt zu Verzögerungen, auch Autos fuhren teilweise im Schritttempo. Als die dicken Flocken erst um die Mittagszeit verschwanden, entspannte sich die Lage etwas. Im Umland der Landeshauptstadt gab es Glatteiswarnungen, die aber mehrere kleine Auffahrunfälle nicht verhindern konnten.

Im Osten bleibt es frostig

Schüchternes Tauwetter ist vorerst nur in Westösterreich zu erwarten. Im Osten bleibt es frostig. Und so wird die „Eisvogel", der 54 Jahre alte Eisbrecher, weiterhin im Wiener Hafen umherschippern, um eine Fahrtrinne offenzuhalten. Das 10 bis 15 Zentimeter dicke Eis ist für das 36 Tonnen schwere Schiff überhaupt kein Problem. "Auch durch eine 60 Zentimeter dicke Eisschicht kommen wir noch", erklärt Kapitän Wolfgang Steindl. Zuletzt war das 1985 der Fall, als das Thermometer tagelang minus 28 Grad anzeigte.


Rekordmontag
Am meisten eingeheizt im bisherigen Winter haben die Wiener am vergangenen Montag: Der Verbrauch von sieben Millionen Kubikmetern Gas war laut „WienEnergie" genauso ein Spitzenwert wie die 40.000 Megawattstunden Strom. Ein Wiener Haushalt verbraucht jährlich im Schnitt 1000 Kubikmeter Gas und 2,5 Megawattstunden Strom. (cms, mil, simo, DER STANDARD Printausgabe 15.1.2009)

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    Keine Polarexpedition, sondern Winter in Wien: Die "Eisvogel" ist ein echter Eisbrecher. Das 36 Tonnen schwere Schiff hält im Wiener Hafen die Fahrtrinne für Frachtschiffe offen

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    Eisbrecher im Wiener Hafen am Mittwoch

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    Schneeräumung heute Mittwoch am Wiener Graben

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