Schakfeh antwortet Muzicant

13. Jänner 2009, 20:21
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Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft reagiert auf ein STANDARD-Interview

Schakfeh antwortet Muzicant

Betrifft: "Das mache ich für alle Antisemiten im Land", Interview mit Ariel Muzicant, DER STANDARD, 10. 1. 2009

Da die Standpunkte zur Nahostthematik diametral entgegengesetzt sind, konnte das Interview mit dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Ariel Muzicant nicht überraschen. Überrascht hat seine Einmischung in die internen Angelegenheiten der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Mit der Aussage, dass seine Angaben und Schätzungen weit verfehlt sind, wollen wir es hier bewenden lassen.

Die an sich falsche Zahl von 80 Prozent Muslimen türkischen Migrationhintergrunds gewinnt allerdings in Bezug auf die Demonstrationen gegen Israels Militär- offensive Relevanz. Anders als Muzicant suggerieren möchte, sind Menschen mit dem Herkunftsland Türkei bei den Aktivitäten für Gaza außerordentlich aktiv, sichtbar auch bei den Unterzeichnern der Plattform "Stoppt das Massaker in Gaza", wo alle großen türkischstämmigen Vereine vertreten sind. Nicht nur in Wien gingen Tausende auf die Straße. Demos in Innsbruck mit 3500 und in Bregenz mit 6000 Teilnehmern waren maßgeblich durch Menschen mit Wurzeln in der Türkei organisiert. Die größten Kundgebungen mit hunderttausenden Teilnehmern fanden nicht in Kairo oder Damaskus statt, sondern in Istanbul und Ankara. Herr Muzicant kann uns hier nicht auseinanderdividieren.

Bekräftigen möchten wir unsere Haltung gegen jede Form von Antisemitismus. Wir dulden antisemitisches Gedankengut nicht. Und zwar nicht etwa, weil uns dies irgendjemand vorschreiben würde, sondern aus der tiefen Überzeugung, dass Antisemitismus wie alle anderen rassistischen Ideologien inhuman und unmoralisch ist. Darüber hinaus gilt das Prinzip: Es gibt keine kollektive Schuld und somit auch keine kollektive Bestrafung.

Anas Schakfeh,

Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, 1070 Wien

(DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2009)

 

 

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