Deutscher Staat soll über Post bei Deutscher Bank einsteigen

13. Jänner 2009, 19:34
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Verhandlungen angeblich in der Zielgeraden - Am Mittwoch Aufsichtsrat der Deutschen Post

Frankfurt/Düsseldorf - Nach dem milliardenschweren Einstieg des Bundes bei der deutschen Commerzbank zeichnet sich in Deutschland nun eine indirekte Beteiligung des Staates an der Deutschen Bank ab.

"Handelsblatt", "Financial Times Deutschland" und "Süddeutsche Zeitung" berichteten am späten Dienstag Nachmittag vorab übereinstimmend vorab, die Post, deren größter Aktionär der deutsche Bund ist, wolle bei der Deutschen Bank einsteigen und so den Verkauf ihrer Tochter Postbank an den deutschen Branchenprimus beschleunigten.

Ein Einstieg der Post bei der Deutschen Bank zur Absicherung der Übernahme der Postbank durch das Frankfurter Geldhaus könnte informierten Kreisen zufolge noch bis Ende März vollzogen werden, hieß es am Nachmittag weiter. Die Nachverhandlungen zwischen Deutscher Bank und Post über die Übernahme der Postbank befänden sich auf der Zielgraden, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen.

Der Aufsichtsrat der Post werde wohl noch am Mittwoch zu Beratungen über die Verhandlungsergebnisse zusammenkommen, hieß es im Umfeld des Kontrollgremiums. Die Post könnte nach dem derzeitigen Stand der Gespräche wohl noch im ersten Quartal bei der Deutschen Bank einsteigen, da diese auch mit eigenen Aktien für die Postbank zahlen werde. Der Anteil der Post an der Deutschen Bank werde damit vorübergehend bei knapp zehn Prozent liegen, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen.

Post und Deutsche Bank wollten zu den Angaben über einen möglichen vorübergehenden Einstieg des Bonner Konzerns keine Stellung nehmen. Eine Sprecherin der Deutschen Post hatte aber bereits unterstrichen: "Es gilt weiterhin: Ziel der Postbank-Transaktion ist es, aus dem Finanzsektor auszusteigen und uns auf unser Kerngeschäft zu konzentrieren."

Die Post könnte nach Abschluss des Geschäfts mit bis zu 10 Prozent einer der größten Aktionäre der Deutschen Bank sein. Einer der wichtigsten Anteilseigner der Post ist mit 31 Prozent der Bund, der sich somit indirekt nach der Commerzbank auch an der Deutschen Bank beteiligen würde.

Profitieren könnten beide

Laut "Süddeutscher Zeitung" könnten beide Seiten von der Vereinbarung profitieren: Die Deutsche Bank erhielte eine versteckte Kapitalerhöhung, die Post könnte ihren kompletten Postbankanteil von 62,3 Prozent früher verkaufen, zitierte das Blatt mit dem Vorgang vertraute Personen. Die Rede sei von einem Deutsche-Bank-Paket von unter 10 Prozent. Gemessen am aktuellen Kurs wäre der Anteil etwa 1,4 Mrd. Euro wert.

Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Finanzkreise berichtete, will die Deutsche Bank für die Beteiligung an der Postbank teilweise mit eigenen, neuen Aktien zahlen. Post-Chef Frank Appel sei bereit, trotz "niet- und nagelfester Verträge" den Deal mit der Deutschen Bank noch einmal nachzuverhandeln. Es werde allerdings keine Rabatte geben, hieß es.

Mit dem Schritt solle die Übernahme der Postbank-Mehrheit von 62 Prozent, die derzeit die Post hält, an die Deutsche Bank beschleunigt und abgesichert werden, schrieb die "FTD". Ursprünglich war dafür ein Zeitraum von bis zu drei Jahren vorgesehen. Der Bund würde bei einem Einstieg des Logistikkonzerns bei der Deutschen Bank durchgerechnet rund 3 Prozent der Aktien halten, schrieb das Blatt. Vergangene Woche hatte der Staat bereits eine Sperrminorität von 25 Prozent und einer Aktie an der Commerzbank übernommen, im Gegenzug zu weiteren Milliardenhilfen.

Unterdessen machte die Commerzbank nach der Milliardenhilfe des Bundes die Übernahme der Dresdner Bank perfekt. Man habe die Übernahme der früheren Allianz-Tochter vollzogen und sei nun alleiniger Aktionär, erklärte das teilverstaatlichte Institut. Die Dresdner Bank soll im Frühjahr auf die Commerzbank verschmolzen werden. Geplant ist der Abbau von insgesamt 9.000 Stellen, davon 6.500 im Inland. Als Marke soll die Dresdner in etwa zwei Jahren vom Markt verschwinden. (APA/AP/Reuters)

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