Veritabler Preiskampf droht

13. Jänner 2009, 18:46
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Stadthotels sind von der Wirtschaftskrise am meisten betroffen

Velden - Eine Million zusätzliche Nächtigungen sollte die EURO den österreichischen Hoteliers 2009 bescheren. Davon gingen Wirtschaftsforscher und Branchenvertreter zumindest vor der Fußballeuropameisterschaft im Juni 2008 aus. Mit Fortschreiten der Wirtschaftskrise wird diese Schätzung immer mehr zur Makulatur. Statt 126 Mio. Übernachtungen werden es heuer neuesten Prognosen zufolge bestenfalls 125 Mio. werden, was Stagnation heißen würde.

Das Wort Krise wollen Österreichs Hoteliers, die sich einschließlich heute, Mittwoch, in Velden zu ihrem Jahreskongress versammelt haben, nicht gern in den Mund nehmen. Während die Ferienhotellerie noch beflügelt ist von der durchwegs guten Zimmerauslastung in den letzten Wochen, liegen in der Stadthotellerie die Nerven zum Teil schon blank. Mit Preisnachlässen wird versucht, die steigende Zahl an freien Betten doch noch zu füllen.

So werden derzeit etwa in Wien Zimmer in der Viersternkategorie um durchschnittlich 99 Euro angeboten, im Fünfsternbereich um 150 Euro. Die Preise liegen damit um 26 bis 30 Euro unter dem Niveau von vor einem Jahr.

"Das ist eine Reaktion auf den Umstand, dass die Hotellerie in Wien im Durchschnitt um 15 Prozentpunkte unter den Budgetwerten des Vorjahres liegt", sagte eine mit der Situation vertraute Person dem STANDARD .

"Arbeitsmarkt öffnen"

In der Stadt ist es vor allem der Rückgang an Geschäftsreisenden, der die Branche trifft. Zudem bleiben verstärkt Gäste aus, die in den vergangenen Jahren nicht zuletzt wegen ihrer vergleichsweise harten Landeswährungen zum Tourismusboom mit beigetragen haben: Amerikaner, Briten und Japaner.

Während das Wirtschaftsforschungsinstitut der Branche 2009 einen Rückgang um 2,5 Prozent bei Ankünften und Nächtigungen samt Umsatzverlust von rund 0,4 (Gesamtumsatz 2008: rund 16) Mrd. Euro prophezeit und für 2010 Stagnation, ist das Institut für Höhere Studien (IHS) optimistischer.

"Wir sehen heuer keinen Rückgang im Tourismus, folglich auch keinen Verlust an Arbeitsplätzen in der Branche", sagte IHS-Chef Bernhard Felderer in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Präsidenten der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Sepp Schellhorn und Peter Peer. Voraussetzung sei, dass die Konjunkturpakete, insbesondere jenes in Deutschland, greifen.

Unbefriedigend ist für Schellhorn die Aufstockung der Mittel für die Österreich Werbung um vier Mio. Euro: "Wir verlangen die vier Millionen und weitere zehn Millionen. Seit 2000 hat es keine Erhöhung des Werbebudgets, auch keine Valorisierung gegeben."

Mehr Werbemittel seien in Zukunft auch insofern angebracht, als der Tourismus die Folgen des Konjunkturabschwungs meist erst mit einem knappen Jahr Verspätung voll zu spüren bekomme. Schellhorn: "2010 kann für uns dramatischer werden als 2009".

Ein Dauerbrenner ist für die Hoteliers auch die Forderung nach Totalöffnung des Arbeitsmarktes für Personen aus den neuen EU-Ländern. Tourismusgewerkschafter Rudolf Kaske lehnt dies unter Hinweis auf die erneut steigenden Arbeitslosenzahlen im Tourismus ab und verlangt eine Ausschöpfung der Übergangsfrist bis 2011. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2009)

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    Ohne zusätzliches Personal aus dem Ausland sei der nächste Wirtschaftsaufschwung schwer zu bewältigen, sagen die Hoteliers.

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