China bekommt Wirtschafts­­krise voll zu spüren

13. Jänner 2009, 17:51
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Wegen der weltweit geringeren Nachfrage brachen im Dezember Importe wie Exporte ein. Der Trend dürfte sich im ersten Halbjahr fortsetzen

Peking - Die Abwärtsspirale in Chinas Außenhandel dreht sich immer schneller. Im Dezember 2008 fielen nach den jüngst veröffentlichten Zollzahlen im zweiten Monat in Folge die Exporte der drittgrößten Handelsmacht der Welt um 2,8 Prozent unter den Wert des Vorjahresmonats auf 111,2 Mrd. Dollar (84 Mrd. Euro).

Besonders bitter ist der rasante Rückgang der Einfuhren für das Ausland, das sich Hoffnungen auf den Absatzmarkt China macht. Im Dezember brachen die Einfuhren gar um 21,3 Prozent auf 72,2 Mrd. Dollar ein. Im November waren die Ausfuhren mit 114,9 Mrd. Dollar erstmals seit 2001 geschrumpft. Sie lagen um 2,2 Prozent niedriger und die Einfuhren mit 74,9 Mrd. Dollar um 17,9 Prozent unter den Vergleichszahlen 2007 . Beim starken Einfuhr-Rückgang schlugen sich auch die gefallenen Rohstoff- und Ölpreise nieder.

Da Chinas Außenhandel aber von Jänner bis Oktober noch weit über 20 Prozent gewachsen war, kann Peking das Jahr 2008 mit einem Handelsvolumen von 2,56 Billionen Dollar und einem Jahreswachstum von 17,8 Prozent abschließen. Chinas Exporte summierten sich auf 1,43 Bio. (17,2 Prozent), die Importe auf 1,13 Bio. (18,5 Prozent). Das Ungleichgewicht verhalf dem Land 2008 zu einem Handelsüberschuss von 295,5 Mrd. Dollar. Trotz Wirtschaftskrise ist das der größte Jahresüberschuss, den China in seinem Handel jemals erzielte.

Weniger Devisenwachstum

Bei den Devisenreserven, die Ende 2008 bei 1,95 Bio. Dollar standen, verlangsamte sich zum Jahresende der Zuwachs. Nur noch 45 Mrd. Dollar kamen unter dem Strich im letzten Quartal 2008 hinzu. Es war der erste Rückgang im Devisenwachstum seit dem Ende der Asienkrise 1998.

Nach Ansicht der Zentralbank spiegelt sich darin auch der langsamere Zufluss und Abfluss von sogenanntem "heißen Geld" wider. Auslandsspekulanten hatten in China vor allem in Immobilien investiert, um von einer Aufwertung der chinesischen Währung zu profitieren. Chinas Devisenreserven, die Peking zu rund zwei Dritteln in Schatzanleihen, Beteiligungen und Schuldverschreibungen in den USA angelegt hat, stiegen im Vorjahr um 27,3 Prozent. Im ersten Halbjahr 2008 hatte ihr Zuwachs noch 35,4 Prozent betragen.

Chinas größte Handelspartner waren 2008 die EU mit 426 Mrd. Dollar vor den USA (334 Mrd.) und Japan (267 Mrd.). Auf sie entfallen 40 Prozent des chinesischen Gesamthandels und mehr als zwei Drittel seiner Überschüsse. China Daily zitierte Handelsexperten, die Chinas Exporte im ersten Halbjahr 2009 weiter fallen sehen, da die Nachfrage der drei großen Handelspartner einbricht. Zudem würden billiger produzierende Nachbarländer wie Vietnam, Indien und Pakistan China immer stärker Konkurrenz machen.

Nach Warnungen der Weltbank könnte die stark von Ausfuhren abhängige Wirtschaft der Volksrepublik wegen der Finanzkrise heuer um nur 7,5 Prozent wachsen. Damit würde sich das Wachstum erstmals seit drei Jahren nur noch im einstelligen Bereich bewegen.

In Japan ist der Leistungsbilanzüberschuss im November 2008 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gar um 65,9 Prozent auf 581,2 Mrd. Yen (fünf Mrd. Euro) gesunken. Das Handelsbilanzdefizit lag bei 93,4 Mrd. Yen. Die Exporte brachen um 26,5 Prozent ein. Die Importe sanken um 13,7 Prozent. (Jonny Erling aus Peking, DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2009)

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    foto: epa/grafik: der standard
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