Jung, arm und ausgebeutet

22. November 2008, 00:00
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Normalerweise gehen Kinder bis 15 in die Schule. Mehr als 200 Millionen Buben und Mädchen müssen arbeiten - im Süden Afrikas jedes dritte Kind

Frage: Was ist Kinderarbeit?

Antwort: Der Begriff Kinderarbeit umfasst sehr unterschiedliche Betätigungen. Das kann die Arbeit von Kindern im Betrieb der Eltern sein, am Feld oder im Haushalt. Es kann aber auch in der Industrie oder anderen Bereichen sein, wo Gefahren lauern. Leider gibt es auch hunderttausende im Krieg und im Sexgewerbe eingesetzte Kinder und Jugendliche. Die Definition der Internationalen Arbeitsorganisation (engl. "International Labor Organisation"), die zu den Vereinten Nationen (auch als UNO bekannt) gehört, definiert, wo Ausbeutung von Kindern beginnt: nämlich, wenn diese unter 13 Jahre alt sind, zu Tätigkeiten gezwungen werden, Illegales tun müssen oder durch die Arbeit ihre Gesundheit und Entwicklung beeinträchtigt werden kann.

Frage: Wie viele Kinder sind betroffen?

Antwort: Weltweit müssen Schätzungen zufolge rund 218 Millionen Kinder im Alter von fünf bis 17 Jahren arbeiten, 158 Millionen davon sind jünger als 15 Jahre. Mehr als die Hälfte der arbeitenden Kinder dürfte dabei einer gefährlichen Beschäftigung nachgehen oder zumindest einer Tätigkeit, die sie in ihrer Entwicklung behindert. Im Süden Afrikas geht etwa jedes dritte Kind arbeiten. Mädchen werden Studien zufolge noch mehr ausgebeutet als Buben.

Frage: Welche Rechte haben Kinder?

Antwort: Es gibt die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, die besagt, dass Kinder das Recht haben, vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt zu werden und nicht eine Arbeit machen zu müssen, die sie oder ihre Gesundheit gefährden könnte. Auch in ihrer körperlichen, geistigen, seelischen, sittlichen oder sozialen Entwicklung sollen sie nicht geschädigt werden. Seit 2002 existiert auch der Welttag gegen Kinderarbeit. Jedes Jahr am 12. Juni ist dieser internationale Gedenktag, bei dem besonders Kinderhandel (Versklavung) aufgezeigt wird.

Frage: Warum müssen Kinder arbeiten?

Antwort: Oft leben sie in sehr armen Verhältnissen, müssen helfen, die Familie über die Runden zu bringen. Auch die Krankheit Aids, die viele Kinder zu Halb- oder Vollwaisen macht, trägt dazu bei, dass viele Junge bereits arbeiten. Am Arbeitsmarkt haben sie oft keine Rechte, müssen dafür oft für weniger Lohn und unter besonders harten Bedingungen schuften.

Frage: Welche Probleme hängen mit Kinderarbeit zusammen?

Antwort: Kinderarbeit verhindert die gute Ausbildung von Kindern. Daher ist die Bekämpfung von Kinderarbeit wesentlich, um Armut und Hunger im Allgemeinen bekämpfen zu können. Denn Kinder, die keine Schule besuchen, werden es später auch schwer im Arbeitsmarkt haben. Um die Ausbreitung von Krankheiten wie Aids zu verhindern, muss Kinderarbeit im Sexgewerbe verhindert werden. Auch der bewusstere Umgang mit der Erde ist wichtig. Wenn besser mit unserem Planeten umgegangen würde, gebe es weniger Umweltkatastrophen, die oft Kinder in die Arbeit zwingen. (Gudrun Springer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. November 2008)

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