Eine Tablette im Atlantik

27. September 2008, 00:00
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Die Wirksamkeit von Homöopathie ist höchst umstritten. Ob Ähnliches Ähnliches heilt und extrem verdünnte Mittel noch wirken, ist nicht bewiesen

Frage: Was ist Homöopathie?

Antwort: Der Begriff Homöopathie leitet sich aus den zwei griechischen Worten für "Gleiches" und "Leiden" ab, und zwar deshalb, weil in der Homöopathie das Prinzip gilt, Ähnliches durch Ähnliches zu heilen. Die kleine Dosis von etwas, das bei einem Gesunden Krankheitssymptome hervorbringt, sollen bei einem Kranken eine positive Wirkung erzielen. Schulmediziner bestreiten, dass die Homöopathie wirklich hilft. Sie wird oft als Pseudowissenschaft bezeichnet. Rund 100 voneinander unabhängige Studien konnten keine Wirkung von homöopathischen Behandlungen feststellen.

Frage: Wer hat die Homöopathie erfunden?

Antwort: Das war der deutsche Arzt Samuel Hahnemann (um 1800). Er ging davon aus, dass Arzneien, die eine bestimmte Krankheit auslösen, diese auch heilen können und machte Versuche mit der Einnahme von Chinarinde.

Frage: Warum ist Homöopathie umstritten?

Antwort: Immer wieder fällt der Vorwurf, dass homöopathische Mittel ihre Wirksamkeit der Einbildungskraft des Patienten verdanken. Das nennt man auch Placebo-Effekt. Die Grundgesetze der Homöopathie werden immer wieder kritisiert. Einerseits das schon oben beschriebene Ähnlichkeitsprinzip und andererseits auch das Prinzip, Stoffe stark verdünnt dem Körper zuzuführen. Bei größeren Verdünnungen findet sich, statistisch gesehen, kaum noch ein Teilchen der Ausgangssubstanz im Medikament. Die Menge des verdünnten Stoffes ist beispielsweise so groß wie eine Kopfschmerztablette im Atlantik.

Frage: Was gibt es noch für alternative Heilmethoden?

Antwort: Zum Beispiel die traditionelle chinesische Medizin und die Akupunktur. Bei Letzterer sollen Leiden durch feine Nadelstiche in genau definierte Punkte, von denen es mehr als 300 gibt, gemildert werden. Dann gibt es auch die Osteopathie. Sie folgt dem Motto "Leben ist Bewegung". Die Behandlung soll zu einer besseren Durchblutung und Nervenversorgung des Körpers führend und dessen Selbstheilungsfunktion anregen. Eine weitere Medizinrichtung ist zudem die anthroposophische Medizin.

Frage: Was ist anthroposophische Medizin?

Antwort: Das griechische Wort "anthropos" heißt Mensch und "sophia" steht für Weisheit. Anthroposophie ist eine spirituelle Weltanschauung, die in verschiedenen Gebieten, nicht nur in der Medizin Eingang gefunden hat. Begründet wurde sie von dem Österreicher Rudolf Steiner. In der Medizin versteht sie sich als die Schulmedizin ergänzende, den übersinnlichen Teil von Natur und Mensch ansprechende Lehre. Der Körper wird in vier Ebenen gesehen und soll durch mineralische, pflanzliche und tierische Mittel gestärkt werden. (Gudrun Springer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. September 2008)

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